Das fragmentierte Hotel

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Individualisierung ist eine Zwillingsschwester des Kapitalismus. Nirgendwo erarbeiten sich Konsumenten das Anderssein derart strategisch wie über ihren (Freizeit)-Konsum: hier ein Kaschmirschal mit eigenen Initialen, dort ein untergäriges Craft Beer aus der Mikro-Brauerei oder eine Übernachtung in einem lokal tätowierten Pop-up-Hotel. Be different!

kauf dich glücklich

Differenzierung ist (harte) Identitätsarbeit und generiert immer mehr Nischen in der Produktkultur, auch und gerade in der Hotellerie. Insbesondere die Stadt-Hotellerie steht – angesichts des boomenden Städte-Tourismus – unter wachsendem Branding-Druck. Die großen Hotelketten differenzieren sich immer stärker und kreieren Lifestyle-Hubs (W-Hotels von Starwood, Nhow-Hotels von NH, demnächst die me and all-Hotels von Lindner usf.), kleine Boutique-Hotels fokussieren auf spezielle Gäste-Milieus. Stilgruppe statt Zielgruppe heißt die Devise.

Wie fein ziseliert die Individualisierung der Konsumgesellschaft – und damit der Zwang zur Distinktion – bereits ist, zeigt der enorme Erfolg der Bettenbörse Airbnb, ein längst der WG-Couch entwachsener globaler Konzern, der seinen Gästen eine kosmetische Individualisierung und ein industrialisiertes „Local“-Gefühl anbietet. Doch wo sollen all die HIPs (Highly individualised people) übernachten, die die mühselige Differenzierungsarbeit der Mittelschichten und das Herunterbeten von Lifestyle-Bibeln à la Monocle schon hinter sich haben? Wo finden sie ihre Spielplätze zur Identitäts-Konstruktion und ihre Distinktions-Erlebnisse?

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Zum Beispiel im (vor kurzem eröffneten) Grätzlhotel in Wien. Dieses Hotel (das keines ist) ist eine logische Weiterentwicklung der Streetlofts: die Urbanauts hatten bei diesen schon – vorbildlich und pionierhaft – leerstehende Gewerbelokale in touristische Lofts umgewandelt (siehe auch unser Blogeintrag http://blog-ztb-zukunft.com/2014/01/23/space-in-transition-im-bett-der-urbanauten/).

Auch bei ihrem nunmehrigen Grätzlhotel werden ehemalige Geschäftslokale in B- und C-Lage umfunktioniert zu touristischen Suiten – allerdings diesmal rund um einen Marktplatz (derzeit 3 Standorte). Mehrere Suiten sind da verteilt über Stockwerke und Häuser rund um z.B. den Karmelitermarkt, als Rezeption und Treffpunkt dient ein Café. Der Marktplatz wird zur Lobby, das Alltagsgefühl dringt durch die ebenerdigen Schaufenster, Einheimische und Gäste verschmelzen (bestenfalls) zu einer lokalen Community.

kostal_MG_0168_kleinEin fragmentiertes Hotel also. Und genau darin liegt der Charme dieses Konzepts: das Hotel wird anders gedacht und anders (nämlich dezentral) angelegt. Darin liegt auch die Innovationsleistung: Stadtleben und Hotelleben zu spiegeln und zu verschmelzen, ein „authentisches“ Lebensgefühl bei Touristen zu erzeugen, indem sie zu Mitspielern des Wiener Alltags werden.

Das fragmentierte (über den Marktplatz verteilte) Hotel bedient nicht nur die Erwartungshaltung der Experience Hunters, es leistet auch einen Beitrag in der städtischen Transformation. Städte sind schließlich Resonanzräume für gesellschaftliche Entwicklungen: wenn die Stadt-Gesellschaft in kleine Einheiten zerfällt, dann spiegelt sich dies auch in ihrer räumlichen Struktur und in ihrer Dekonstruktion. Fragmente, Mikrowelten überspannen als loses Netz die Stadt. In Amsterdam hat der Architekt Frans van Klingeren eine fragmentierte Mensa errichtet – statt eines Neubaus für die Mensa wird die gesamte Altstadt zum Lokal – die Studenten bevölkern mittags Lokale der Altstadt, das Essen wird bezuschusst.

Die Wiener Urbanauten sind mit diesem Konzept des Grätzlhotels erwachsen geworden, das Hotel ist fragmentiert. Ein wunderbares Narrativ für die Stadt im Umbruch.

Link: http://www.graetzlhotel.com/

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Silver Rebels – die alternden Baby Boomer erfinden sich neu

In ihrem Buch ‚Champagner für alle. Wie man in Würde altert ohne dabei erwachsen zu werden‘ beschreibt die Autorin Martina Wimmer eine nicht mehr ganz junge Frau beim morgendlichen Blick in den Spiegel: „Die leise Ahnung, es wird sich was ändern. Der laute Gedanke: Ich mach da nicht mit.“

Ich mach da nicht mit. Hier bahnt sich ein gesellschaftlicher Paradigmen-Wechsel an: vom Opfer zum Täter. Vom Ruhestand zum Unruhestand. Hier blitzt die biografische Agenda der 68er auf, das Identitäts-Management der ergrauenden Baby Boomer: Forever young. Warum sie mit 53 Jahren noch einmal antritt, wurde Deborah Harry, eine Ikone der Popmusik, einst bei ihrem Comeback gefragt. „Weil ich meine Jugend wiederhaben will und vor Tausenden von Leuten auf der Bühne herumhüpfen möchte.“

silver_agerWer sich in jungen Jahren gegen die verkrusteten Normen der Gesellschaft auflehnte wie einst die 68er, wird sich schließlich auch später nicht tatenlos abfinden mit dem Kreislauf der Natur – der da heißt: erst kommt das Wachstum, dann das Bewahren und am Ende das Schrumpfen. Werden die Silver Ager diese traditionelle Timeline und das Defizit-Denken aushebeln, das den Prozess des Alterns bislang meist bestimmt?

Aber was heißt schon alt? In einer hybriden Gesellschaft zerfließen alle Grenzen, auch jene zwischen den Altersgruppen, alles geht ineinander über – auch die einzelnen Lebens-Alter. Bisher galt in der Entwicklungs-Psychologie die lineare Dramaturgie: Kindheit – Jugend – Erwachsenenalter – Alter. Das biografische Script der Zukunft kann man in 5 Lebensabschnitte einteilen (©ZTB Zukunftsbüro):

  • Kindheit/Jugend (0-25 Jahre)
  • Postadoleszenz/Early Adults (26-44 Jahre)
  • Reife Erwachsene (45-59 Jahre)
  • Ältere Erwachsene (60-74 Jahre)
  • Alter/Ruhestand (75+).

Diese Abschnitte überlappen sich natürlich teilweise – das Leben in der Postmoderne erfordert von Jung wie Alt eine erhöhte Anpassungsleistung („Lebenslanges Lernen“) und bietet dafür aber auch mehr gestalterische Optionen – und das immer stärker auch unabhängig vom biologischen Alter.

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Erfinde dich neu. Die Selbstverwirklichung – jenseits der biologischen Grenzen, individuellen Verletzlichkeit und tradierten Vorstellungen – ist das Leitmotiv der ergrauenden Baby Boomer. Sie wollen ihre Rolle auch in späten Jahren selbstbewusst und aktiv gestalten. Nicht mehr die Jungen sind künftig die Treiber von Innovation, sondern die Älteren – nicht nur als Empfänger, sondern auch als Absender.

Damit die Silver Ager möglichst lange gestaltend am Leben in Wirtschaft und Gesellschaft teilhaben, müssen sie ihre Fähigkeiten in drei Bereichen laufend updaten:

  • Know-How: die Älteren haben den Jungen zwar eines voraus: Erfahrungs- und Prozess-Wissen, dennoch bleibt Lebenslanges Lernen ebenso ein Pfeiler aktiven Alterns wie körperliche Zukunfts-Fitness
  • Soziale Kompetenz: das soziale Kapital ist eine der stärksten Ressourcen der Alten, ob bei bürgerschaftlichem Engagement, Ehrenamt oder innerhalb ihrer sozialen Gemeinschaften/Familien
  • Technologische Kompetenz: die Best Ager hinken hier naturgemäß den Digital Natives hinterher, aber auch sie wollen mitmischen in der Digital-Moderne: bei den über 65-Jährigen sind heute 71% online, davon immerhin 24% mobil (Quelle: A1). Technologische Kompetenz bedeutet nicht nur, mit dem Enkelsohn in Sydney via Skype zu kommunizieren, sondern auch neue Technologien im Beruf effizient einzusetzen. Digitalisierung und High-Tech-Assistenz erhöhen die Lebensqualität der Älteren.

Eines ist klar: die Silver Ager werden künftig bis ca. 70 Jahre arbeiten. Die einen wollen, die anderen müssen. Bei steigender Lebenserwartung und angesichts des demografischen Engpasses gilt es, das Gold in den Köpfen der Älteren zu heben und ihre Ressourcen zum Wohl von Wirtschaft und Gesellschaft anzuzapfen.

Vorbei die Kränkung des Golden Handshake mit 55, die Zukunft der Arbeitswelt gehört mit den Silver Workern. Bereits heute werden in weitsichtigen Unternehmens-Kulturen Arbeitsmodelle erprobt, die einen Know-how-Transfer zwischen Alt und Jugend ermöglichen (Tandem-Modelle, Senior Experten-Pools), Firmen wie Daimler, Bosch u.a. setzen ehemalige (pensionierte) Arbeitnehmer für spezielle Einsätze im In- und Ausland ein.

Das Schöne am Altern von morgen ist seine potentielle Vielfalt. Die traditionellen Alten werden auch künftig ihre Komfortzone genießen, die Spas und Golfplätze und Enkelgeburtstage. Die Silver Performer jagen mit ihren Self Tracking-Apps, Vitaminpillen und Bikes die Bergtrails hoch, die Rebellen unter den Silver Agern wiederum erfinden sich auch im vierten Lebensabschnitt neu – als Entrepreneure, im bürgerschaftlichen Engagement oder im Co-Housing, intergenerativen Wohnprojekten. Aus den Grufties und Kompostis von gestern werden Musterbrecher von morgen, die die Spielregeln neu festlegen.

Andreas Reiter hielt vor kurzem bei einer Enquete des Landes Tirols einen Vortrag über die Best Ager in der Digital-Moderne.

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Nature goes Urban, Urban goes Nature

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Alles fließt, alles wird hybride. Gewohnte Gegensätze lösen sich auf, Grenzen verschwimmen – zwischen Stadt und Land, Zentrum und Peripherie, Arbeit und Freizeit, Öffentlichkeit und Privatheit.

Stadt und Land sind längst kein Gegensatz mehr, auch auf Grund der rasanten Urbanisierung: 2030 leben weltweit 61% der Menschen in Städten, in den Industrieländern sind es heute schon über zwei Drittel. Der Stadtplaner Thomas Sieverts hat dieses diffuse Etwas auf den Begriff der „Zwischenstadt“ gebracht und spricht von einer „verstädterten Landschaft, verlandschafteten Stadt“. Es wachsen aber nicht nur Lebensräume zusammen (ästhetisch wie funktionell) – sondern auch die Lebensstile der Stadt- und Landbewohner. In einer globalisierten Medienwelt werden ja alle von denselben Leit-Bildern beeinflusst, von Instagram und Facebook, von schwachsinnigen Vorabendserien und stromlinienförmigen Events.

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Alles fließt ineinander – in dieser „flüssigen Moderne“ (Zygmunt Bauman) erodieren Identitäten und tradierte Lebensmuster. Urbane Hotel-Konzepte mischen alpine Destinationen auf (aus Mama Shelter wird Mama Thresl), futuristische Architektur (wie etwa Norman Fosters Chesa Futura in St. Moritz oder das neue Messner Mountain Museum am Kronplatz) perforieren die ländliche Postkarten-Idylle. Trendsportarten wandern von der Stadt ins Land (z.B. High Lining) und andere (z.B. Urban Climbing) wiederum von dort in die Stadt.

 Der Lifestyle-Transfer zwischen Stadt und Land scheint mir vor allem für den städtischen Raum mehr Gewinn zu bringen als umgekehrt. Nature goes urban. Städte werden grüner – ob vertikale Gärten oder Roof Farming, ob Urban Gardening oder Nachbarschaftsgärten in Wohnsiedlungen, es entstehen zahlreiche innerstädtische Grünflächen und erlebnisorientierte Freizeitareale am Wasser. Grüne Symbol-Architektur – z.B. die begrünte High Lane (ehemalige Hochbahn) in New York, die Mountain Dwellings in Kopenhagen u.a. – unterstreicht den ökologischen Umbau vieler Städte.

Weltweit findet in Städten derzeit ein grüner Relaunch statt – kein Wunder, in den Metropolen entstehen ja auch die größten Probleme, die gelöst sein wollen (Kampf um knappe Ressourcen wie Raum und Energie; Verkehrskollaps, soziale Segmentierung usf.). Die „balanced city“ ist das städtische Leitmodell der Zukunft, die Stadt im Gleichgewicht: zwischen Urbanität und Natur, Smart Living und naturnahen Begegnungsräumen. Städte werden langsamer (die Walkable City ist nicht umsonst ein Leitbegriff der Urbanistik) und sie werden entspannter.

Timothy Stephens, stuben21_Dieser Werte-Transfer hin zum Slow Living schlägt sich natürlich auch im Interior-Design nieder: ob Naturmaterialien wie Holz und Stein, ob Pflanzen-Tapeten in Büros oder Eco-Design – die Renaturierung der urbanen (Lebens-)Räume schreitet voran. Kein Zufall, dass die Wiener Möbel-Manufaktur stuben21 ihr erfolgreiches Design-Konzept der Stube auch in die Metropolen bringt und für ein Town House in London Urban Chalets komponierte – hybrider Lifestyle at its best.

Man kann diese Osmose zwischen städtischem und ländlichem Lebensstil kritisch sehen (Wo bleibt die eigene Identität?), man kann aber auch eine gestalterische Kraft hinter hybriden Lebensformen sehen. In einer flüssigen Gesellschaft nimmt eben nicht nur die Unverbindlichkeit zu, es potenzieren sich auch die Möglichkeiten, die eigene Identität zu gestalten.

Dass das ländliche Leben in der beschleunigten Digital-Moderne mehr denn je eine Sogwirkung auf Städter hat, liegt auf der Hand. Der ländliche Werteraum (Tradition, Verankerung, Sicherheit usf.) ist ein ideales Schutzschild vor den Einschlägen der Digital-Moderne mit ihren systemischen Risiken. Hier die Langsamkeit und bedächtiges Wachstum, dort rasante Veränderung und Disruptionen.

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Insbesondere die Natur wird in einer urbanisierten Welt zur Ersatzreligion, zum temporären Fluchtort für

  • Premium-Aussteiger, die sich das Zweitleben auf dem Land leisten können und ihren städtischen Lifestyle ins Grüne transferieren
  • temporäre Aussteiger (=Touristen), deren ungestillte Sehnsüchte sie in die „unberührte“ Natur führen.

Die Natur ist eine geduldige Folie für Antizivilisations-Mythen und damit eine Bühne für die eigene Selbstverwirklichung, für die Sehnsucht nach dem guten Leben. „Das Naturschöne ist dem Digitalschönen entgegengesetzt“, so der Philosoph Byung-Chul Han. Oder, um es mit einem Werbeclaim (Outdoor-Ausrüster Schöffel) zu sagen: Ich bin raus.

julius_bärDieser Beitrag fasst die Statements von Andreas Reiter beim Wiener Stubengespräch “Urban Chalet” zusammen, vor kurzem veranstaltet von der Bank Julius Bär und der Möbel-Manufaktur stuben21

 

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Transit City: Die Stadt als Warteraum für eine bessere Zukunft

mquadrat_01Städte sind Zukunftslabors, in denen die Zukunft jeden Tag von neuem entsteht – in den Hinterhöfen und Kreativ-Hubs, in Science Labs und an verschmierten Graffiti-Wänden. Von allen Treibern der städtischen Transformation – gesellschaftlicher Wandel, Interkonnektivität, Standort-Wettbewerb und Better Life – halte ich den sozialen Aspekt für den wichtigsten.

Die Smart City (die vernetzte Stadt, in der alles mit allem interagiert) mag das Gewebe der Stadt verändern, ihre Nervenbahnen und Mobilitätsketten. Die sozialen Umbrüche – derzeit durch die Flüchtlingswellen verstärkt – verändern jedoch die europäische Stadt in ihrer DNA und in ihrem kulturellen Selbstverständnis.

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Städte sind Soziotope und der globale Mensch ist ein Nomade – immer im Transit. Die Flexibilisierung der Lebensstile – beschleunigte Lebenszyklen, serielle Monogamie in Job- und Privatleben (die Millennials wechseln alle 18 Monate ihren Job und somit potentiell auch ihren Wohnort) – erfordert von Organisationen und Individuen eine hohe Fluidität. „Gelungenes Leben besteht in gelungenen Umzügen“, doziert der Philosoph Peter Sloterdijk (der selbst Jahraus, Jahrein auf seinem Fahrrad durch Karlsruhe ins Büro radelt).

m_crowdDas Provisorische wird zur Konstante, die Pop-up-Semantik zur alltäglichen Vertrautheit. Für immer mehr Menschen werden die Zwischenräume zu Oasen ihres nomadischen Lebens, die Bahnhöfe und U-Bahn-Stationen, die Airport-Lounges und Straßencafés, in denen man sich kurz auflädt und Freunde trifft – die digitalen Oasen auf Instagram & Co verstärken die Sehnsucht nach physischen Kommunikations-Räumen und haptischen Erlebnissen.

Alles fließt (wenn man nicht gerade im Stau steckt), alles ist im Transit. Auch unsere sozialen Beziehungen werden vielfältiger und volatiler. So lebt in den OECD-Ländern jedes

  • zehnte Kind in einer Patchwork-Familie
  • siebte Kind in einem Alleinerzieher-Haushalt
  • 15. Kind bei seinen Großeltern.

Immer kleinere Haushalte und immer größere Wohnflächen (2030 sind es in Deutschland 47 m² pro Kopf) sind die Folge, immer neue Mobilitätslinien durchziehen die Stadt-Regionen.

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Die großen Game Changer der städtischen Transformation aber sind die Migranten. Ein Drittel der Menschheit zieht es weltweit vom Land in die Stadt, meist in die großen Ballungsräume, die mit ihrer „Agglomerations-Ökonomie“ eines versprechen: Jobs, Jobs, Jobs. 214 Millionen Migranten sind derzeit weltweit unterwegs, 117 Millionen Menschen im OECD-Raum wurden im Ausland geboren (und wir reden da noch nicht von den aktuellen Flüchtlingen!).

20,3% der Bevölkerung in Deutschland haben einen Migrationshintergrund, in vielen Städten – und nicht nur in den großen Metropolen – sind es deutlich mehr. So leben etwa in Mannheim bereits heute 38% Menschen mit Migrationshintergrund (die Stadt hat übrigens ein vorbildliches kulturelles Diversity-Management). Der Gastarbeiter von einst sollte kommen und wieder gehen – der von heute bleibt und wird zum Akteur der Stadt-Gesellschaft.

Die Stadt als „Arrival City“, wie sie Doug Sanders nennt, ist nichts als ein riesiger, chaotischer Warteraum auf eine bessere Zukunft. Und in diesen Transitraum drängen nun vehement die Flüchtlinge:

  • 60 Millionen Flüchtlinge sind es weltweit (2014)
  • 800.000 Asylsuchende werden in diesem Jahr für Deutschland, 80.000 für Österreich prognostiziert.

refugee_2Diese – in ihrer Wucht unerwarteten – Flüchtlingsströme erfordern nicht nur Mitgefühl und humanitäre Erstversorgung, sondern ein nachhaltiges strategisches Migrations-Management. Denn die Ressourcen sind in vielfacher Hinsicht begrenzt (der Bedarf an jungen, qualifizierten Migranten jedoch ist da), Kommunen sind überfordert. So kämpfen etwa die Asylsuchenden künftig mit anderen Anspruchsgruppen (sozial Schwache, Studenten etc.) um den ohnehin knappen leistbaren Wohnraum. Hier nicht nur Containerbauten und modulare, sondern nachhaltige Wohnräume zu entwickeln, ist eine der Herausforderungen. Deutschland braucht, so eine aktuelle Studie des Prestel-Instituts, bis 2020 mindestens 400.000 neue Wohnungen pro Jahr (davon 80.000 Sozialwohnungen).

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Die Flüchtlinge sind Teil einer Mega-Transformation hin zur kulturellen Diversität Europas, die strategisch gesteuert sein will. Faire Verteilung innerhalb der EU, rasche Integration der Flüchtlinge in Schule und Erwerbstätigkeit, schnelle Anerkennung von Bildungsabschlüssen (Migrationspolitik ist auch Talente-Marketing und nicht nur Humanitas). Auch sollten Flüchtlinge primär nach Job-Kriterien und nicht auf Grund von kostengünstigem Wohnraum angesiedelt werden, also an Industrie-Standorten bzw. auch in touristischen Destinationen, wo händeringend nach Arbeitskräften gesucht wird. Natürlich gibt es auf diesem Weg zur Integration eine Menge an Problemen (abgesehen von unappetitlichen rechtspopulistischen Rülpsern). Den – ernst zu nehmenden – Ängsten in Teilen der Bevölkerung, die sich überrannt fühlen, muss die Politik mit einer europäischen Gesamtstrategie und umsichtigen Kommunikation begegnen.

CIMG2515In einer globalen Gesellschaft aber – und das muss gelernt werden – sichert kulturelle Diversität unser aller Zukunft: „Moderne Gesellschaften beruhen nicht auf Solidarität, die aus Ähnlichkeit erwächst, sondern auf Solidarität, die auf Verschiedenheit und gegenseitiger Abhängigkeit fußt“ (Bertelsmann-Stiftung).

Andreas Reiter hielt vor kurzem einen Vortrag in Stuttgart auf der Jahrestagung des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung über die Stadt im Umbruch.

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Interview Andreas Reiter zum Thema Wohnen in Wien: http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/chronik/?em_cnt=788213&em_cnt_page=2

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Feinsinnig: warum der Bregenzerwald die kultivierteste Alpenregion ist

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In unserer Aufmerksamkeits-Ökonomie spielt das Schöne eine tragende Rolle. Aber was ist Schönheit? Liegt sie tatsächlich im Auge des Betrachters, dann müsste Selfie-Queen Kim Kardashian (aktuell 43,1 Millionen Follower auf Instagram und 34,4 Millionen auf Twitter) so ziemlich eine Schönheit sein. „Ohne Verhüllung gibt es keine Schönheit“, weiß der Berliner Philosoph Byung-Chul Han (“Die Errettung des Schönen”) und demaskiert aber gleich das Gefällige, das Glatte als Schönheitsideal unserer Zeit: “Das Glatte ist die Signatur der Gegenwart. Es verbindet Skulpturen von Jeff Koons, iPhone und Brazilian Waxing miteinander.“

bregenzerwald_1Gut, also Instagram mit seiner glatten Ästhetik beiseite und auf zur Suche nach dem wahren Schönen. Ich fand es vor kurzem – analog – im Bregenzerwald in Vorarlberg.

Dieses westlichste Bundesland Österreichs besitzt, mehr als andere Alpenregionen, ein Höchstmaß an Lebenskultur sowie eine Balance harter und weicher Standortfaktoren:

  • umsichtige und zukunftsorientierte Regionalentwicklung: das dicht besiedelte Rheintal mit seinen 29 Gemeinden wird polyzentrisch und multifunktional hinsichtlich seiner Einrichtungen bespielt, mit Wachstumsachsen entlang der zur Stadt-Bahn ausgebauten Eisenbahn
  • regionale Wirtschaftskreisläufe sind hier keine Marketingblase, sondern bewährte Praxis
  • hohe Anforderungen an die Gestaltung von (individuellen wie kollektiven) Lebensräumen und an Produkt-Qualität (Manufaktur statt Industrie)
  • ein überaus geschärfter Sinn für (Alltags-)Kultur und Gemeinsinn.

adlerDas ohnehin schon bemerkenswerte Vorarlberger Streben nach Exzellenz potenziert sich im Bregenzerwald. Ob Baukunst (Holzarchitektur) oder Genussmittel (allen voran der Käse), ob gepflegte Kulturlandschaften, Kunst oder Handwerk – hier konzentriert sich mehr als anderswo die Schönheit jenseits des Gefälligen, des Glatten. Kaum eine Region weltweit verfügt über eine derartige Dichte an hochwertiger Holz-Architektur, setzt derart harmonisch alte und neue Baukultur in Beziehung, bei privaten Wohnhäusern wie bei kommunalen Bauten (Rathaus, Schulen, Feuerwehr etc.), und das noch im kleinsten Dorf.

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Handwerkskunst trifft hier auf High Tech, regionale Identität auf Weltoffenheit. Wo sonst wäre in einem kleinen Ort (wie z.B. Andelsbuch) ein Rathaus möglich, das mit seiner kühn-modernen Formensprache in jedem skandinavischen Szenebezirk stehen könnte. Wo sonst legen Bewohner beim Bau ihrer Häuser höchsten Wert auf handwerkliche und bauliche Stimmigkeit oder transformieren alte Bausubstanz behutsam und mutig in neue Wohnwelten. Hier ist das schöne Leben zu Hause. „Urlaub für Feinsinnige“, lautet nicht zufällig der Claim der Tourismus-Destination.

brunnenDie Schönheit des Bregenzerwaldes beruht auf einem Höchstmaß an ästhetischer Sensibilität der Bewohner. Das Schöne geht aber weit über die Ästhetik hinaus, es steht in einem größeren Kontext, in einem Werteset. Achtsamkeit bestimmt die DNA der „Wälder“ und durchdringt jeden Lebensbereich. Nun ist ja Achtsamkeit – verstanden als Mindfulness – unter urbanen Entschleunigungs-Fetischisten („Keine Whatsapp vor dem Frühstück“) und Slow Living-Anhängern mit ihren selbstgefertigten Holzbrillen und veganen Eiscocktails gerade ziemlich angesagt. Bei den Bewohnern des Bregenzerwaldes gehört sie jedoch seit eh und je zur genetischen Grundausstattung.

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Konzentrat der kultivierten Feinsinnigkeit sind für mich die sieben Busstationen („Bushüsle“) in Krumbach. Internationale Architekten (darunter ein chinesischer Pritzker-Preisträger!) stellten hier – kostenlos und weil’s eine Ehre für sie ist, etwas beizutragen zum Dialog mit der einheimischen Baukunst – ungewöhnliche Bushaltestellen in die Landschaft. Diese Installationen gehören zum Besten, was es an narrativer Erlebnisarchitektur in Europa gibt. Ach ja, sogar das Warten (auf den Bus) hat hier mit Achtsamkeit zu tun. Einfach. Schön.

http://www.kulturkrumbach.at/

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Summer in the City

limmat_4_phoca_thumb_l_38_Start_LIM_2080 35 Grad im Schatten, Tag für Tag. Dieser Sommer hat es in sich. Wenn man gerade nicht irgendwo in Island oder im Salzkammergut als Klimaflüchtling abgetaucht ist, dann sind diese Hitzeperioden (die Statistik versteht darunter „drei oder mehr Tage in Folge mit über 30 Grad Celsius“) ein Handicap. Vor allem in den Städten. Alles geht langsamer, dysfunktionaler.

eis_2Da sind diese triefenden Hitzetage, wo man sich nachts schweißgebadet von einer Bettseite auf die andere rollt und auch tagsüber selten einen klaren Gedanken fassen kann. Tage, an denen Horden von Touristen und Einheimischen in zu kurzen Hosen und veganen Sandalen durch die Straßen schlurfen, auf der Suche nach Eiswürfel oder einem rettenden Baum. Schweißtreibende Tage, an denen man wieder mal merkt: mit leichtem Gepäck zu reisen ist klüger. Hot in the City.

sommer_park Ich liebe solche Tage. Und Städte im fetten Sommer. Denn da zeigt sich ihre wahre Qualität: haben sie genügend Grünflächen und Schatten spendende Parks? Sind sie gut durchlüftet? Sind sie nah genug am Wasser gebaut? Kann man sie locker mit dem Rad durchqueren? usf. Da zeigt sich dann auch, wie dürftig manche Städte-Rankings für „Liveable Cities“ sind (z.B. jene von Monocle) und was Städte im Sommer wirklich cool macht.

Städtische Lebensqualität ist mehr als die sattsam herunterdeklinierte Glücksformel 8/80. Klar, eine Stadt sollte für 8-Jährige wie für 80-Jährige funktionieren, sollte „walkable“ sein, also fußläufig gut durchquerbar sein, sie muss ein effizientes öffentliches Verkehrssystem ebenso wie sozialräumliche Qualitäten haben, die zu Interaktion und Kommunikation einladen usf. Und natürlich braucht sie ausreichend Grünflächen und begrünte Gebäude (Fassaden, Dachgärten etc.) sowie  Frischluftschneisen. Solche ökologischen Maßnahmen stehen inzwischen in jedem zweiten kommunalen Anti Heating-Maßnahmen-Katalog.

summer_city_02Doch gerade jetzt im Sommer merkt man: der echte urbane Hot Spot ist ein Cool Spot. Städte werden in Zukunft nicht nur grüner – sondern vor allem blauer. Die dramaturgische Bespielung von Wasser ist ein entscheidender Gradmesser von städtischer Lebensqualität, nicht nur im Kampf gegen zunehmende urbane Hitzeinseln. Begehrt sind künftig jene Städte, die ihre Wasseradern als dreidimensionalen Erlebnisraum inszenieren und nicht nur austauschbare Waterfronts anbieten mit Szenelokalen und Public Lounges.

Städte werden im wahrsten Sinn des Wortes, fluider, flüssiger.

Wasserlandschaften erzeugen einen Flow wie kaum ein anderer städtischer Raum. Der Mensch kommt aus dem Wasser, und strebt auch in seiner Freizeit dahin. Städte wie Barcelona, Vancouver oder Sydney sind nicht zufällig so begehrt und attraktiv: die Antipoden Urbanität und Natur werden hier vor allem durch das Wasser versöhnt. Alles fließt. Wer je durch Kopenhagen entlang seiner Wasserstraßen geradelt ist, weiß wovon ich rede. Der Freizeit-Konsument mit seinem hybriden Werteset („sowohl als auch“) sucht bei seinen Erlebnissen die eingebaute Erregungskurve ebenso wie die Chillout-Dosis. Wakeboard und Elektroboot. Eisbach und Gardens by the Bay. Erfolgreiche Erlebnisräume im und am Wasser aktivieren beim Kunden zwei Gefühlszonen: Serotonin (Glück) und Adrenalin (Kicks).

Neidvoll blickt man nach Zürich mit seinen wunderbaren Seebädern („Badis“) und Flußlandschaften. Die Barfussbar mit ihren abendlichen Kultur-Events ist mit das Beste, was einer europäischen Metropole passieren kann. Passend dazu hat diese Stadt ein traditionelles Sommer-Ritual: das Limmatschwimmen (bei dem die Bewohner wohlig plaudernd („Plauschschwimmen“) durch die Stadt schwimmen). Auch Basel hat ein solches Community-Ritual, das „Rheintreiben“: hier springt man ebenfalls von der Brücke und lässt sich den Rhein hinab treiben. barfussbar

Moderne Urbaniten zieht es an den Fluss. Von London über München bis Berlin entwickelt man derzeit Projekte zum Thema „Flussbaden“, Schwimmen in städtischen Flüssen. Meist sind dies Crowd Sourcing-Projekte, bottom-up-getrieben, da und dort (wie in München) hängt sich dann auch ein Bürgermeister dran, das steigert die Chancen auf Realisierung. In Berlin soll ein Flussbad am kleinen Spreekanal entstehen. An der Museumsinsel, mitten in Berlin.

Die Vorreiter haben erkannt: Städte der Zukunft ssen mit allen Wassern gewaschen sein.

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Festivals: Hochdosierte Glücksmomente

Sommernachtsgala2009-Foto_Werner_Kmetitsch5_creidtSommer ist’s und damit auch Festivalzeit. Festivals sind, wie Events, tragende Pfeiler einer erlebnisorientierten Freizeit-Kultur und eines blühenden Kultur-Tourismus. Jetzt, im Juli und August, ziehen sie uns wieder in ihren Bann, die unzähligen Theater- und Musik-Festivals. Festivals sind Fluchthelfer aus dem Alltag, rituelle Auszeiten an oft magischen Locations (ob Burgruine oder Seebühne im Schilf, wo man sich auch durch Stechmücken oder eigenwillige Operetten-Arrangements nicht in seiner Genusshaltung beirren lässt).

„Herausgehobenes Angebot“ (Franz Willnauer), herausgehobene Zeit, herausgehobener Ort – das sind die Pfeiler eines gelungenen Festivals. Keine Frage: eine Gesellschaft braucht besondere Rituale, die den Menschen aus seinem Alltagstrott heraus katapultieren. Kurze Fluchten, schnelles Glück.

Waren Festspiele ursprünglich an eine kulturelle Elite adressiert, so sprechen sie heute vielfach ein breites Publikum an, sind oft Publikum-Events und Mainstream-Magneten. Als solche gehorchen sie, mehr oder weniger, den vier Grundgesetzen der Erlebnis-Inszenierung (Entertainment, Education, Ästhetik, Alltagsflucht – wie Pine/Gilmore einst die Erlebnis-Achsen der Experience Economy vordefinierten). Premium-Events wie die Salzburger Festspiele, in denen sich der alternde Geld– und Vorstandsvorsitzenden-Adel exklusiv abfeiert, scheinen heute ebenso aus der Zeit gefallen zu sein wie der verkopfte Anspruch des deutschen Kulturphilosophen Bazon Brock: ein Festival solle eine „Zivilisationsagentur“ sein, also ein Treiber gesellschaftlicher Veränderungen.

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Festivals sind aber mehr als inspirierende Auszeiten und kulturelles Entertainment. Festivals sind für Kommunen und Regionen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, vor allem in ländlichen Regionen. Kultur ist ein – ursprünglich – weicher Standortfaktor und erhöht als solcher die Lebensqualität auch der Bewohner vor Ort. Neuere Standortuntersuchungen belegen aber, dass sich Kultur in einer innovationsgetriebenen Wissensgesellschaft zunehmend vom weichen zum harten Standortfaktor entwickeln kann. Insbesondere in wissensbasierten Regionen (die auf Hochqualifizierte angewiesen sind) ist Kultur ein wichtiges Kriterium bei der Standortwahl von Unternehmen. Ausgaben für Kultur führen zu Spill-Over-Effekten in der regionalen Wirtschaft und zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Der Return on Investment beläuft sich, so zeigen Analysen zur Umweg-Rentabilität von Festivals, auf im Schnitt 1:4 (ein investierter Euro generiert einen vierfachen Rückfluss in der regionalen Wirtschaft). Die Ansiedlung / Förderung von Festivals ist heute – Niederösterreich zeigt dies beispielhaft vor – Zeichen einer zukunftsorientierten Standortpolitik.

Auditorium fisheye_photographer Leigh Simpson_niedrig_credit_2Unbestritten ist der Image-Wert eines Festivals für den jeweiligen Standort. Festivals als Key Events sind ein nachhaltiges Instrument der Marken-Kommunikation. Sie sind Treiber der Stadt-Marke (z.B. Salzburg: „Die Bühne der Welt“) oder, wie etwa im Fall von Bregenz, ein Motor der konsistenten Entwicklung der Stadt zur „Kultur- und Festspielstadt“ und stimulieren damit weitere Kulturprojekte vor Ort („Creating a City through Events“).

Der Positionierungs-Druck auf Festivals nimmt jedoch stark zu. Die Festival-Landschaft in Europa ist heute so dicht wie noch nie – allein in Deutschland gibt es rund 500 Musik-Festivals, im kleinen Burgenland kommt man rund um den Neusiedlersee auf bald mehr Sommer-Festivals als Mückenstiche. Die Umweltbedingungen aber werden schwieriger, ob rückläufige Subventionen der öffentlichen Hand oder selektives Sponsoring von Unternehmen.

Festivals müssen sich daher als herausragendes Marken-Erlebnis differenzieren. Im Wettbewerb um Aufmerksamkeit geht es um die Etablierung eines Alleinstellungs-Merkmals und somit um Einzigartigkeit (Uniqueness) hinsichtlich Location (z.B. die „größte Seebühne der Welt“), Programmation und ganzheitliche Erlebnis-Inszenierung.

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Erfolgreiche Festivals betreiben Mood Management erster Güte und inszenieren ein ganzheitliches Erlebnis, das rund um die Bühne ein (markenzentriertes) Feuerwerk an ästhetischen und kulinarischen Genüssen entfacht. Unerreicht ist hier das englische Glyndebourne („Genussvolle Pause“): Gäste, die in festlicher Abendrobe bei Champagner und mit Picknickkörben zwischen Schafen sitzen und an Rosenstöcken vorbei wandeln… und dann im Saal nebenan herausragende Opernaufführungen genießen. Britische Lässigkeit, Country-Style und höchster Kunstgenuss in einem.

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Aber auch Österreich spielt in der ersten Liga der Festival-Inszenierung. In Grafenegg / Niederösterreich z.B. wird ebenfalls auf kultivierte und doch lässige Weise ein Ausnahmezustand inszeniert. Glück auf Zeit entsteht hier in einzigartiger Kulisse und bei anspruchsvollen Klängen. Das Musikerlebnis ist in ein außergewöhnliches Setting eingebettet: die Bühne inmitten des weitläufigen Schlossparks („32 Hektar Klassik“), der gelungene Mix von futuristischem Wolkenturm und altem Schloss, von Picknick auf der Wiese und Cocktail in der cool designten neuen Bar Wolke 7… Beeindruckendes Place Making und magische Momente, die den „Staub des Alltags“ weit weg pusten.

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