Sharing City: warum die urbane Beteiligungskultur zunimmt

Die_Bäckerei_1

Ist die glückliche Stadt eine die teilt? Ja. Die Sharing City hegt und pflegt ihr soziales Kapital und entwickelt mit ihrer Schwarm-Intelligenz Orte von kleinräumiger Lebensqualität. Öffentliche Räume sind immer auch soziale Räume, wo sich Beziehungen entfalten können.

Die flüssige Ökonomie des frühen 21. Jahrhunderts beruht auf den Kerntugenden der digitalen Gesellschaft – Vernetzung und Kollaboration. In diesem Sinn sind auch städtische Akteure Teil eines beweglichen Ökosystems, in dem die soziale und ökonomische Wertschöpfung verstärkt partizipativ erfolgt. In unseren Städten wächst denn auch eine (nicht selten kreative) Beteiligungskultur, die Verwaltung und Bürger, Wirtschaft und Konsumenten vernetzt.

IMG_2644Der partizipative Wertewandel ist längst in der breiten Bevölkerung angekommen. So wollen 76 Prozent aller (deutschen) BürgerInnen und 75 Prozent der EntscheiderInnen, dass die Bevölkerung bei wichtigen Fragen zu öffentlichen Themen mitredet und ihre Positionen darlegt, bevor die Politik entscheidet (Quelle: Bertelsmann Stiftung, „Partizipation im Wandel… Städte im Fokus“). Keine Frage, die Macht der Crowd, der interaktive Virus verändern das atmosphärische Design der Stadt und die städtischen Gestaltungs-Prozesse. Diese Beteiligung hat aber – das muss klar gesagt werden – auch ihre strategischen (in jedem Einzelfall speziell auszulotenden) Grenzen in einer Demokratie, in der gewählte Repräsentanten eine finale Entscheidung treffen müssen.

Fact ist, die virale Beteiligungs-Kultur verändert das Gewebe der Stadt - von Nachbarschafts-Projekten über Stadtentwicklung bis hin zur Stärkung lokaler Ökonomien (CoWorking Spaces etc.), von der blühenden Sharing Economy (Repair Cafés, Food Sharing etc.) und Social Business-Modelle bis hin zu (umstrittenen) touristischen Formen des Teilens wie AirBnb und Uber.

CIMG4787

Better Neighbourhood

Aus passiven Stadt-Konsumenten werden aktive Stadt-Prosumenten, die sich den öffentlichen Raum erobern und diesen – also ihr unmittelbares Lebensumfeld – gemeinsam mit anderen (mit) entwickeln wollen. Diese Partizipationsmuster sind nicht mehr umzukehren, sie sind die Grundmelodie einer digital vernetzten Gesellschaft, die (konditioniert durchs Internet) auch ihre physische Realität und ihre Lebensräume selbst mitgestalten will.

SAMSUNG DIGITAL CAMERA

Für die Stadt-Politik ist dieses partizipative Muster nicht immer einfach zu handhaben – Konflikte unter den Akteuren sind vorprogrammiert. Kluge Verwaltungen (und davon gibt es immer mehr) sind agil und reagieren proaktiv - wenn ein Baum gefällt wird, hängt die Stadt vorsorglich eine Informationstafel an den betreffenden Ort, dass der Baum aus Krankheitsgründen leider ausgetauscht werden muss und morgen um 10.30 ein neuer gepflanzt wird…

Das Hauptmotiv der Bürgerbeteiligung liegt m.A.n. in einem legitimen Bedürfnis: jenem nach Akzentuierung städtischer Lebensqualität. Das Lokale, die eigene Nachbarschaft, erhalten eine aufgeladene emotionale Bedeutung in einer „Welt der Nicht-Orte“, die (so der Anthropologe Marc Augé) „keine Identität stiften, keine gemeinsame Erinnerung erzeugen und keine sozialen Beziehungen schaffen.“ Diese Orte „des kollektiven Identitätsverlusts” (die es in jeder Stadt gibt) werden nun aber nicht mehr einfach so hingenommen – nein, sie wollen verbessert, verschönert und mit Leben beseelt werden – es muss ja nicht gleich Urban Knitting sein (wo Laternenpfähle biedermeierlich mit Strickwaren behübscht werden).

NO-Blumen-am-Eichplatz_jenapolis

Allerorts engagieren sich Bürger für das „Common Good“, kämpfen für die Aufwertung städtischer Lebensräume (diese sollen naturgemäß leistbar, sozial und ökologisch verträglich sein). Viele Stadtbewohner wehren sich in Initiativen gegen die „da oben“, die nun langsam erkennen, dass aus dem Bürger, dem verwalteten Objekt, ein nun handelndes Subjekt geworden ist. Im Gegensatz zu den historischen 68ern sind die Aufbegehrenden heute keine freien Radikalen, sondern arrivierte Bürger aus der gesellschaftlichen Mitte.

Logo-Stadtisten_klein_rgbDa picknicken am Sonntag Menschen wie du und ich auf Stuttgarter Plätzen und diskutieren ihre Ideen zur Stadtgestaltung, verfassen das Stadtistische Manifest („Stadtisten sind keine Statisten. Statisten stehen am Rand oder im Hintergrund des Geschehens – Stadtisten wollen ins Zentrum der politischen Gestaltung”). Dort kippen Bürger in Jena in einer Bürgerbefragung mehrheitlich die Pläne zur Bebauung des zentralen Eichplatzes und entwickeln störrisch eine eigene Vision von innerstädtischer Lebensqualität.

Pressefoto_GreenGym_Hamburg_heilende_stadt_arne_thaysen_1

Das soziale Kapital treibt bunte Blüten – es ist ein Asset einer lebendigen Stadtkultur. In Rosenheim und anderen bayerischen Städten gestalten Architekten – vom Bund gefördert – kreative „Stadtoasen“, schaffen gemeinsam mit Jugendlichen soziale Aktionsräume für eben diese (oft vernachlässigte) Gruppe, in Hamburg turnen Arbeitslose und Manager gemeinsam im Park (Green Gym) und legen Beete an – inzwischen schicken Firmen wie Tchibo oder Ergo ihre Mitarbeiter in den Park. In Innsbruck belebt Die Bäckerei – eine Kulturbackstube – den städtischen Raum, entwickelt experimentelle, hybride Orte (wo sich Arbeit und Freizeit vermischen), z.B. Coworking-Spaces. Letztere werden ja inzwischen auch von kommunaler Seite als Instrument der Aufwertung von Immobilien und maroder innerstädtischer Zonen eingesetzt.

bikerei_1

„Wir sind die Stadt“ ist allerorts das interaktive Leitmotiv: und so malen biedere Hausfrauen und honorige Gewerbetreibende über Nacht einen Zebrastreifen als sicheren Übergang aufs Pflaster ihrer Straße, oder es finanzieren Bewohner lokale Crowdfunding-Projekte in ihrer Nachbarschaft (eine Fußgängerbrücke in Rotterdam, ein Pool im Hudson River, New York usf.). Es ist nicht nur das Unbehagen der Stadtbürger gegen wachsende soziale Ungleichheit und politische Missstände (von San Francisco über Istanbul bis Hongkong), es ist in unseren Breiten vor allem das Bedürfnis, das eigene Wohlergehen verantwortungsvoll mit dem kollektiven zu verbinden. Shared City eben.

 

Andreas Reiter hielt vor kurzem bei einer Tagung von Stadtmarketing Austria einen Vortrag zum Thema “Urbane Beteiligungstrends” http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20141007_OTS0040/beteiligungstrends-und-kollaborative-beziehungen-in-staedten-bild

Links zu interessanten städtischen Initiativen (jeweils auch Foto-Credits):

http://www.diebaeckerei.at/

http://www.die-stadtisten.de/

http://www.jenapolis.de/

http://www.stadtoasen-rosenheim.de/

http://www.heilendestadt.de

Veröffentlicht unter Lebensqualität, Urban | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Gardening – das letzte Glück der Postmoderne

664

Das Glück des postmodernen Städters ruht auf drei Pfeilern: Sex, Social Cooking und – Gärtnern. Alle drei haben mit Genuss zu tun, wobei Gärtnern wohl das langlebigste Vergnügen ist.

Über 45 Millionen Deutsche bewirtschaften einen eigenen Garten, 150.000 Kleingartenvereine gibt’s im Geburtsland des Schrebergartens, in Österreich wiederum werden rund 40.000 Kleingärten gehegt und gepflegt. Nein, nicht nur bierbäuchige Gartenzwerg-Karrikaturen schlurfen durch diese Psychotope, auch immer mehr junge Familien aus urbanen Leitmilieus bevölkern Lauben und grüne Lungen.

urban_gardening

Die boomende Gardening-Bewegung kennt viele Ausprägungen – ob das Züchten der eigenen Pimientos auf dem Balkon, ob verwinkelter Bauerngarten hinterm Haus, ob cool designte Landschaftsgärten, militärisch gestutzte Buchshecken oder das Guerilla Gardening, bei dem sich Nachbarn wie du und ich Brachland im städtischen Raum „untertan“ machen und den Beton zum Blühen bringen. Streuobst, ick hör dir trapsen.

P1030268_Gesellschaftskritiker rümpfen widerwillig die Nase - „Der deutsche Garten, er ist auch ein Narkotikum“ (Georg Seeßlen), die Garten-Center jubilieren und die Hipster (Achtung: Flower-Selfie mit geblümtem Bart) buchen ungerührt einen mehrsprachigen Kompost-Workshop im Nachbarschaftsgarten. Alles Schwachsinn, kleinbürgerliche Selbstverwirklichung oder gar antikapitalistischer Reflex im Szeneviertel?

Sowohl als auch. In einer städtischen Welt der „Nicht-Orte“ (Marc Augé) ndelt der eigene Garten zahlreiche antizivilisatorische Sehnsüchte. Er ist nicht nur eine Insel der Entschleunigung inmitten einer nervösen Pop up-Kultur, ein Symbol des Groundings. Der Garten ist die (erdige) Antithese zum disruptiven Wachstum der digitalen Ökonomie – Pflanzen wachsen allmählich, nach eigenem Rhythmus, sie gehorchen dem Gesetz der Evolution und nicht dem der Revolution. Dieser überschaubare und – dabei nicht wirklich kalkulierbare – Lebenszyklus eines Gartens, dieser beständige Wechsel von Wachsen und Vergehen, von Blühen und Verblühen ist es, wonach sich der digitale Nomade sehnt.

2008, als die strukturelle Krise der westlichen Markt-Gesellschaft sichtbar ihren Anfang nahm, konnte man dieses Phänomen noch als Reflex gegen die Auswüchse der Wachstumsideologie abtun. Eigene Tomaten auf dem Balkon züchten, die Kräuter für das Pesto – selbst Promis brüsteten sich damals mit dieser Selbstversorgung auf der Dachterrasse.

Doch in den letzten Jahren ist der Garten raumgreifend mehr und mehr zur Ersatz-Religion geworden, zur Firewall vor Performance-Denken und konsumistischer Monokultur.  Back to earth: die eigenen Finger schmutzig machen, säen, pflegen – und irgendwann (hoffentlich) auch ernten.

Der eigene (und sei er noch so kleine) Garten widerspiegelt die Sehnsucht nach wildem, ungezähmten Wachstum, nach Aufblühen der eigenen Freiheit. Der Garten ist der letzte Zufluchtsort des Städters, den dieser (außer seinem Körper via Body Design mit Piercings, Tattoos etc.) nach seinem Willen gestalten kann.

green_gymSoziale und ökologische Werte gehen in urbanen Garten-Projekten eine spannende Symbiose ein – Urban Gardening als Crowd Sourcing mit dem grünen Daumen, als grüne Landmark wie die High Line in New York, ein blühendes Beispiel für Bottom up-Initiativen und der wohl schönste grüne Catwalk weltweit. Immer mehr Häuser lassen an ihren Fassaden vertikale Gärten emporwachsen (Monsieur Blanc sei Dank), in Tokyo vermietet eine Bahngesellschaft neuerdings Gartenbeete auf dem Bahnhofsdach - an Pendler, die sich dort gärtnernd von anstrengenden Zugfahrten erholen können. In London gibt es an an einer Buslinie mehrere „essbare Gärten“ (eingetragene Marke: ‘The Edible Bus Stop’). Und dass Fitness im Park (Green Gym) angenehm zielführender ist als im Studio, spricht sich auch herum. Naturräume haben bekanntlich eine regenerative Wirkung und reduzieren Stress.

DSC_0153Die Postmoderne lebt von und mit Paradoxien. Eine davon lautet: die Stadt von morgen wird grüner, Stadt und Natur verschmelzen immer mehr. Es ist in der Tat ein Zeichen des guten Lebens, wenn man abends seine Pflanzen auf dem Balkon gießt, ihnen beim Wachsen zusieht und zufrieden in den Himmel über den Dächern der Stadt schaut. Oder wie Hanno Rauterberg in seinem klugen Buch „Wir sind die Stadt“ schrieb: „Wer gärtnert, lebt in Erwartung“.

Veröffentlicht unter Consumer Trends, Lebensqualität, Lifestyle, Urban | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Flow oder die selektive Geschwindigkeit

slow_1Sommer ist’s, Haupturlaubszeit. Es ist die große Stunde der Entschleunigungs-Apostel und Gesellschaftskritiker, die zur Muße aufrufen, zum Mut zur Faulheit, zum Ausstieg auf Zeit. Unsere hyper-nervöse Gesellschaft, stets am Rande des Burn-Out, soll nun (und sei es nur für zwei Wochen) alles eine Spur langsamer machen als gewohnt. Oder am besten gar nichts. Die Zeitverschwendung, von Max Weber einst als kapitalistische Todsünde gebrandmarkt, wird zur Heilsleere. „Ich gründe eine Müßig-Gang… Alles, was man machen könnte, mach ich nicht“, gibt Judith Holofernes in einem Song den politisch korrekten Takt der Müßig-Gänger an. Happy Summertime.

Die Botschafter der „reinen Leere“ verkünden, dass nur der produktiv sein kann, der sich im Urlaub vom Alltags-Müll befreit und von allen (digitalen wie analogen) Übeln der Zivilisation quasi entleert. Sommerloch gewissermaßen. Man muss kein Zen-Liebhaber sein, um diesen Gedanken charmant (und gleichzeitig albern) zu finden: die Freizeit als Container, in dem man den stressigen Alltag der Nonstop-Gesellschaft entsorgt.

Zugegeben: so viel Stress wie heute war nie. Wir haben zu viele Optionen, müssen uns ständig updaten, unsere innere (immer längere) to do-Liste abarbeiten. Das gilt auch für die Freizeit, die längst keine freie Zeit mehr ist. Doch was tun? Nichts?

slow_travelEs gibt (eine Menge) Leute, die haben für dieses Problem die richtige Lösung (ich freilich habe mit dieser Lösung ein Problem) – der gute Mensch konsumiert slow: Slow Food, Slow Fashion, Slow TV, besucht Slow Cities (ein fragwürdiges Marken-Label – ich kenne mindestens zwei Slow Cities, bei denen man sich erstmal durch eine riesige Gewerbezone am Standrand quälen muss, um dann im adretten Zentrum drei „authentische“ Handwerker und ein Lokal mit regionaler Küche zu finden).

balanceSlow ist sexy. Ich teile diese Vorliebe nicht wirklich. Nicht weil ich ein Wachstumsfetischist wäre – ich halte das rein quantitative Wachstums-Paradigma für eine Sackgasse. Und klar ist: Qualität erfordert Zeit (in Herstellung wie Konsum). Ich bin auch ein großer Anhänger von ritualisierten Auszeiten, von Pausen als unbeschriebenen Zeit-Räumen zwischen den Aktivitäten. Aber eine moralische Bewertung von schnell (=schlecht) und langsam (=gut) widerstrebt mir. Zum einen ist der Mensch adaptiv, passt sich der Umwelt an und entwickelt stets neue Kultur-Techniken und Überlebensstrategien, auch im Umgang mit der Beschleunigung (vgl. „Durch die Eisenbahn wird der Raum getötet, und es bleibt nur noch die Zeit übrig“, Heinrich Heine, 1843). Zum andern ist die Vorstellung und Aneignung von Zeit immer eng an die jeweilige Kultur angebunden (und etwa in Asien eine völlig andere als in Europa).

Der (scharfsinnige) Zeit-Soziologe Hartmut Rosa betont immer wieder, wie sehr der Zeitmangel das bestimmende Lebensgefühl unserer Hochleistungsgesellschaft ist: je effizienter wir produzieren, je stärker wir das Wachstum ankurbeln, desto mehr geraten wir unter Zeitstress. Beschleunigung wird laut Rosa dort – ich ergänze: nur dort – zum Problem, „wo sie zur Entfremdung führt, zum Selbst- und Weltverlust“.

P1030062Wenn es keine fixen Zeitfenster mehr gibt, wenn alles ineinander fließt (z.B. Arbeit und Freizeit), kommen wir mit linearen Strategien (slow oder fast) nicht weiter. Nur wer Gegensätze versöhnt (z.B. Arbeit und Freizeit), wer die Zwischenräume zwischen Eigenzeit und „Alltagszeit“ bespielt, wer zwischen Stress und Langeweile oszilliert, zwischen Geschwindigkeit und Ruhe, Standbein und Spielbein – der kommt in den Genuss des „guten Lebens“.

motobike_sai_gonZeit-Souveränität beruht auf selektiver Geschwindigkeit. Wer je mit einem Motorroller durch die Straßen von Hanoi inmitten Tausender anderer Biker geswingt ist, ein Einzelner in der Masse, der schlafwandlerisch die eigene Geschwindigkeit mit jener der Anderen synchronisiert und sich so wie ein Surfer auf den Wellen durch den Großstadt-Dschungel bewegt, der kennt dieses höchste aller Gefühle: Flow. Fließen – zwischen schnell und langsam. F(ast) + (S)low = Flow. So einfach kann das Glück sein.

Veröffentlicht unter Consumer Trends, Lebensqualität, Lifestyle, Tourismus-Trends | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Future Meeting: Gehung statt Sitzung

IMG_0210

Die Zahlen sind vielversprechend: Wien lag jetzt jahrelang weltweit an erster Stelle als Kongress-Stadt, auch Salzburg und Tirol performten sehr gut. Der Tagungsmarkt entwickelt sich jedoch in einem hoch kompetitiven Umfeld. Es gilt, die Veränderungen zu antizipieren, neue Formate und kreative Layouts für Tagungen vor den Wettbewerbern zu entwickeln.

Der Wandel ist disruptiv, markiert von (erkennbaren) Brüchen und (überraschenden) Umbrüchen. Die großen Treiber – quasi die Hintergrundfolie – der Veränderung sind:

    • sozio-demografischer Wandel
    • Urbanisierung
    • Interkonnektivität
    • Wissens-Gesellschaft
    • Nachhaltigkeit (ist ohnehin ein Basis-Kriterium).

tagungVon all diesen Treibern hat zweifellos die wissensbasierte Gesellschaft mit ihrem Paradigma des Lebenslangen Lernens die größte Schubwirkung auf die Tagungswirtschaft. Längere Lebensarbeitszeiten (Arbeiten bis 70, 72 Jahre), alternde Belegschaften mit erhöhtem Druck zum permanenten Updating des Wissens sowie neue kollaborative Tools (Crowd Sourcing) machen den Wissens-Transfer und damit Meetings (in welcher Form immer) überlebensnotwendig für den Erfolg von Unternehmen und Organisationen.

Die technologischen Umwälzungen

    • Augmented Reality
    • Sharing-Toolkit (Holographie, Holodecks etc.)
    • M2M-Kommunikation

beschleunigen die nomadische Gesellschaft, in der nicht nur die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen, sondern die Menschen generell – unabhängig von Zeit und Raum – miteinander kommunizieren und sich austauschen.

Das Betriebssystem der Meeting-Wirtschaft wird neu aufgesetzt. Die quantitative Steigerungsspirale (schneller, höher, weiter) läuft ins Leere. Die Überdrüber-Location von heute (Sprungschanze, Sky-Lounge im 127.Stock eines mega-coolen Towers (Achtung: Weitblick!) oder das als Eventspace umfunktionierte Umspannwerk) ist der Tranquilizer von morgen. Tagungsorte brauchen natürlich eine hohe Dichte an infrastruktureller und Service-Exzellenz. Die Themen Markenzentrierung (Branded Meeting), Service-Design und Nachhaltigkeit (Green / Blue Meeting) sind Querschnittsthemen, sie stellen eine Basisanforderung dar, generieren aber künftig keine Differenzierung.

Erfolgreiche Tagungen liegen auf der Achse des Guten:

    • Infrastruktur- und Service-Exzellenz
    • Kognitive Kreativität
    • Narrative Erlebnis-Räume.

DSC_0663_neu_Dieser strategische Dreiklang zielt auf eine Wissensgesellschaft ab, die Wissen künftig stärker spielerisch, interaktiv und multisensuell vermehrt. Er fokussiert aber auch den (saturierten) Kunden – dieser wird zum Experience Hacker, der neue Erfahrungen und Erlebnisse abseits des Mainstreams sucht, sie de-konstruiert und daraus Image-Gewinn erzielt (Status-Stories).

Tagungen sollten, na klar, das Bruttomental-Produkt der Wissensgesellschaft erhöhen. Das geht nur, wenn möglichst divergente Akteure in der Crowd zusammenwirken und ihre kognitive Kreativität abseits des bisherigen Sender-Empfänger-Modells zum Explodieren bringen. Neue Formate (wie sie auch unseren Schulen gut täten) heißt: kurze Einheiten (20 min), Rollen-Wechsel, schneller Switch zwischen Spannung-Entspannung, Brain-Body, Adrenalin-Chillout, und immer wieder zwischendurch raus aus den Sälen – Gehung statt Sitzung usf. Wissenstransfer muss spielerisch und in ungewohnten narrativen Erfahrungsräumen erfolgen.

IMG_0723„Die Teilhabe symmetrisiert die Lehre…; das Hören begleitet die Rede; das Sichdrehen des alten Eisbergs fördert die Zirkulation, die auf Einanderhören beruht… An die Stelle des Kollektivs… tritt nun, unverhohlen virtuell, das Konnektiv.“ (Michel Serres).

Mit der zunehmenden Virtualisierung (Virtual Reality) geht eine Hybridisierung der Formate, der Locations und der Zeitstruktur einher. Eine vernetzte Gesellschaft braucht andere – interaktive – Tagungsformate, die Experten-Inputs und Schwarm-Intelligenz unangestrengt und effizient verknüpfen. Dieses kollaborative Prinzip gilt für Wissenschafts-Kongresse ebenso wie für Firmen-Meetings.

Die DNA der Tagung von morgen:

    • Narrative Erfahrungs-Räume
    • Wissens-Sharing & Ergebnisorientierung
    • Hybride Formate:
      • Location (Flex Space)
      • Layout (z.B. Gehung statt Sitzung)
      • Virtual Reality.

CIMG5691Um aus Tagungen mehr an Inspiration mitzunehmen, ist die Verknüpfung von theoretischen Inputs mit Kunst und humanistischen Orchideen-Themen („Eroberung des Nutzlosen“, R. Messner) wichtig, die spielerische Aktivierung von Body und Mind, von linker und rechter Gehirnhälfte. Immer wissend, dass wir “vor atemberaubenden Möglichkeiten stehen, die als unlösbare Probleme verkleidet sind“ (John Gardner).

conventionAndreas Reiter hielt vor kurzem auf der Jahrestagung des “Austrian Convention Bureau” im Design Center Linz einen Vortrag über Future Meeting. Die Präsentation können Sie hier von unserer Website herunterladen:

http://www.ztb-zukunft.com/pdf/future_meeting_linz.pdf

Veröffentlicht unter Place Making, Tourismus-Trends | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Fragmentierte Stadt: Achtel statt Viertel

01

Städte sind Spiegelbilder der Gesellschaft. Wir leben in einer digitalen Gesellschaft, die sich mit dem Tempo eines Fingerzeigs auf dem Display umorganisiert. Die virtuelle Ökonomie mit ihrer asynchronen Taktung bricht die Raum- und Zeitstruktur der Stadt auf. Das Netz zerstreut Identitäten und verteilt dafür temporäre Heimaten – ein Pop up-Store oder ein Veganer-Eissalon hier, ein soziales Netzwerk dort – zeitgemäße Boxenstopps für digitale Nomaden. Flanieren im Netz und Flanieren im physischen Raum gehen ineinander über.

So wie im 19. Jahrhundert die Industrialisierung den öffentlichen Raum neu ordnete – hier die Fabriken, dort die Schlafsiedlungen -, so bricht nun die Netz-Ökonomie das Gewebe unserer Städte auf. Digitale Geschäftsmodelle fegen stationäre Läden hinweg - nicht nur der Handel (E-Commerce macht in wenigen Jahren bereits ein Viertel des gesamten Einzelhandelsumsatzes aus), sondern viele andere Dienstleister (z.B. Banken) und Produktionen werden virtualisiert. So viel freie Fläche war nie – die Umnutzung von Handels- und Gewerbeflächen (auch von großen wie ehemalige Kaufhäuser, siehe Karstadt & Co.) wird zu einer zentralen kommunalen Herausforderung.

Kreative Trauerarbeit

02_Die kreative Umcodierung der Räume wird auch zu einem Imagefaktor für Städte und somit Teil des Urban Brandings (etwa die begrünte High Line in New York). So wie vor Jahren postindustrielle Leerstände umfunktioniert wurden in Hubs für Kreative und Werbeagenturen, so wie in Industrie-Ruinen im Ruhrgebiet heute Extremsportler herum klettern oder Taucher im Oberhausener Gasometer dümpeln, so steht jetzt die Umnutzung vieler städtischer Erdgeschoßflächen abseits der 1A-Lagen an – künftig auch maroder Einkaufszentren und Baumärkte auf der grünen Wiese.

Es gibt sie bereits da und dort, die viel versprechenden Nachnutzungen wie etwa die Street-03Lofts der Urbanauten in Wien (siehe dazu http://blog-ztb-zukunft.com/2014/01/23/space-in-transition-im-bett-der-urbanauten/) oder auch großflächige Umnutzungen – in Chemnitz etwa wurde das Kaufhaus Schocken in ein (wirklich cooles) Archäologiemuseum umgewandelt, auch das multifunktionale Kulturkaufhaus DAStietz ist gelungen.

Achtel statt Viertel

„Wenn der echte Raum der Echtzeit weicht, benötigen wir eine Rehabilitierung der kleinen Einheiten, der Mikrolebenswelten“, erkannte der Geschwindigkeits-Theoretiker Paul Virilio schon vor Jahren. Diese räumlich kleinen Einheiten (Achtel statt Viertel!) sind die wahren Assets der Stadtkultur, sie spiegeln die pralle städtische Vielfalt wieder, die soziale und kulturelle Diversität – die Subkultur und die urbanen Szenen, die App-animierten touristischen Trampelpfade, aber auch die deftigen Vorstadt-Soziotope.

04

Gleichzeitig wird aber auch die räumlich-soziale Fragmentierung vorangetrieben – dies spiegelt sich in Immobilienpreisen und Handelsformaten. Die Stadtteile differenzieren sich nach Kaufkraft und sozialen Milieus. Mikro-Communities entstehen, mit jeweils eigenen Codes, Labels und Konsum-Präferenzen. Dabei sind die Stadt-Nomaden mehr denn je getrieben von der Sehnsucht nach authentischen Erlebnissen, nach einem Face-to-Face-Kontakt, nach haptischen Erlebnissen. Selektive Shopping-Formate (Kuratiertes Shopping, One-Stop-Lösungen à la Kochhaus u.a.) sind daher unabdingbar.

07_

Stadt bedeutet immer Vielfalt, bunte, heterogene Mikrokosmen. Die aktuelle Entwicklung unserer Innenstädte, ob in München, Wien oder Hamburg gibt diesbezüglich jedoch zu denken. Innenstädte sind das Epizentrum der Emotionen, Speicher der kollektiven Identität. In dieses innerstädtische Psychotop greifen nun aber immer stärker internationale Investoren massiv ein. In den Zentren reihen sich die Flagship Stores der Luxus-Labels aneinander, austauschbare synthetische Konsumwelten in historischem Gemäuer – ob die Kaufingerstraße in München oder das „Goldene Quartier“ in Wien… Transiträume für russische Oligarchen und arabische Touristen-Clans. Touristisch sinnvoll, als Erlebnis- und Identifikationsraum für die Bewohner jedoch wenig geeignet. Urbane Resilienz ist anderswo.

scan0005Ein Interview mit Andreas Reiter zum Thema “Innenstadt in der Krise” in der ‘Welt am Sonntag’ vom 29.7.2014 (links).

Dieser Blog-Beitrag erschien auch –  adaptiert – in diversen IHK-Zeitungen (z.B. im September-Heft 2014 der IHK Osnabrück; unten)

ihk

Veröffentlicht unter Place Making, Socio-Eco, Urban | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Hotel Ruby Sofie: Homebase für Urbane Nomaden

ruby_1 Dass Wien eine außergewöhnlich hohe Lebensqualität bietet, wird ja jedes Jahr von den Mercer-Rankings („lebenswerteste Stadt der Welt“) bestätigt. Dass die Stadt aber zudem auch vibriert und mit kreativen Lifestyle-Formaten und Start-ups urbane Connaisseure anzieht, lässt sich erst seit gut einem Jahrzehnt beobachten. „Wien hat 1,7 Millionen Gehirne. Nutzen wir sie!“ steht denn auch plakativ an der Stadteinfahrt (okay, nicht alle davon sind bekanntlich zu gebrauchen). Wien performt – auch touristisch – sehr gut, liegt unter den Top 10-Städten Europas – letztes Jahr wurden 12,7 Millionen Nächtigungen erzielt. Mehr Touristen, mehr Betten (nicht nur bei den 5-Sterne-Häusern am Ring, sondern vor allem im Midscale- und Budget-Segment) bringen aber auch einen massiven Verdrängungs-Wettbewerb mit sich. Die beste Voraussetzung also für einen frechen Newcomer, der verstanden hat, wie moderne Urbanauten und fluide Business-Modelle in Zeiten der Transformation ticken: Ruby Sofie. ruby_3Das Hotel hat sich der „Lean Luxury“-Philosophie verschrieben, entwickelt also die Budget Design-Konzepte von Motel One oder Citizen M fort. Aber wesentlich konsequenter. Und vor allem leidenschaftlicher: sinnliche Textilien vom Bett bis zum Bad (der strategisch wichtigsten Achse in einem Hotelzimmer), Dielenboden aus Eichenholz, bequeme Vintage-Ledersessel, ausgeklügeltes Licht-Design usf. Mood-Management vom Feinsten für die Bobos und veganen Nomaden dieser Welt. Für die Ruby-Community gibt’s ein eigenes Radioprogramm, Ruby Radio, online über Live-Stream zu empfangen. Sofiensaele Das Ruby Sofie liegt im Gebäudetrakt der Sofiensäle, einem historischen Juwel und einer Ikone des Wiener Nachtlebens – 2001 leider abgebrannt und vor kurzem vorbildlich wieder aufgebaut. Der multifunktionale Gebäudekomplex enthält neben dem Event-Hot Spot Sofiensäle ein Restaurant, ein Fitness-Studio, Luxus-Wohnungen und eben das Ruby Sofie. Das Hotel ist somit kein solitäres Getto-Produkt, sondern Teil der vitalen Umgebung und der Wiener Szenenkultur, embedded Lifestyle eben, wie ihn urbane Performer in einer fremden Stadt schätzen. Die „Lean Luxury“-Strategie erfordert eine stringente rote Linie: Weglassen ist hier Teil des Markenkerns. Organisation und Geschäftsprozesse sind radikal entschlackt und standardisiert – Ruby zentralisiert seine Front-Office-Funktionen, alle operativen Einheiten von der Verwaltung bis zur Vermarktung sind in der Münchner Zentrale gebündelt. Das Management hat das oberste Markengebot konsequent an allen Touch Points umgesetzt: wenn man der Beste in einem Segment werden will, muss man zuerst wissen, was man nicht will und nicht kann. Das heißt Reduktion: keine Lounge, keine Wellness-Gadgets, kein Restaurant, kein Room Service. Und kein gewohnter Concierge, dafür ein extrem schneller (Self-)Check-In - gebucht wird ausschließlich online. Das Check Out wird genialerweise bereits beim Einchecken erledigt – da hat jemand den Begriff Service-Design nicht nachgebrabbelt, sondern aus den Augen des Gastes verblüffend umgesetzt. Ruby_Room Der richtige Umgang mit Komplexität ist ja generell eine Schlüsseltugend für unternehmerischen Erfolg. „Man muss solange streichen, bis man nichts mehr weglassen kann, ohne das Wesen zu verändern“, so der Vereinfachungs-Theoretiker Dieter Brandes in seinem lesenswerten Buch „Einfach managen“. Bei Ruby wird diese Reduktion konsequent auf allen Ebenen übersetzt und dem Kunden dennoch – leistbarer – Luxus (Zimmer ab EUR 69) geboten. Dass ein persönliches Tablet und ein Laptop-Safe (wir leben im Zeitalter der Digital Natives) zur Verfügung stehen, ist hier beinahe selbstverständlich. Schlanker Luxus. Ruby ist „eine schöne, sinnliche und kluge Frau“, wie der Ruby-Gründer Michael Struck augenzwinkernd meint. Man kann an Berlusconis Ruby denken oder auch nicht – der Name jedenfalls soll provozieren. Hinter der erotischen Konnotation steckt freilich hohe Branding-Exzellenz. Michael Struck, der Vater von Ruby Sofie, arbeitet an weiteren Geschwistern (in anderen europäischen Metropolen) für Sofie. Keine uniforme Kette soll dabei herauskommen, sondern die lebendige Markenfamilie Ruby (mit demselben Genprofil: Lean Luxury), aber jeweils mit lokalem Spirit und eigenwilliger Persönlichkeit. Und natürlich mit einem eigenen Vornamen. Sollte man unbedingt einspeichern in seiner Kontaktliste! Ab 14.5.2014 in Wien: http://www.ruby-hotels.com/  

Veröffentlicht unter Lifestyle, Marke, Tourismus-Trends | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Die Welle reiten – Themenführerschaft von Freizeitbädern und Waterparks

credit_tropical_islands

In der Freizeitwirtschaft mit ihren unzähligen Optionen (heute hier, morgen dort) nimmt der Wettbewerbsdruck auch auf Bäder und Waterparks massiv zu. Starbucks, Fußgängerzonen und Shopping-Malls – sie alle sind direkte Mitbewerber im Segment Freizeit-Quickies und inszenieren die schnellen Fluchten aus dem Alltag. Das Paradies auf Abruf.

Auch für Freizeit-Bäder gilt daher (bei aller nötigen Breite des Angebots): Themenführerschaft und inhaltliche Zuspitzung. Marktführer wie die Therme Erding fokussieren immer auf ihre Spitzenleistungen und bauen ihre Themenführerschaft – das „Rutschenparadies“ (20 Rutschen, 3 Levels von Family bis X-treme) – gemäss ihrer Profilierung kontinuierlich aus. Das Tropical Islands südlich von Berlin positioniert sich als Indoor-Regenwald und baut rund um dieses Thema sehr stringent seine tropischen (Wasser-)Erlebniswelten auf.

area47_event

Freizeitbäder haben – wenn sie kommunal geführt sind – einen schwierigen Spagat zwischen Daseinsvorsorge & ritueller Bespaßung (bei angedrehter Investitionsschraube) zu erfüllen. Das Angebots-Portfolio dreht sich dabei künftig immer um die strategische Achse:

    •  Socialising: ein Freibad ist per se ein buntes Soziotop & eine Datingzone, ein Ort der Pubertäts- und Initiationsriten („Arschbombe“), der Generationen von jungen Leuten in die Erwachsenenwelt eintauchen lässt
    • Family & Fun: multisensuelle Erlebnis-Module rund um Speed-Rutschen, Loopings und zielgruppenaffine Aquawelten in 3D wie etwa im klug konzipierten Aquapulco in Bad Schallerbach
    • Spannung & Entspannung: Motivpsychologisch geht es bei Wasser-Landschaften immer auch (sehr sublim) um Regression, schließlich ist kein Element emotional so stark besetzt und so sehr mit Mythen aufgeladen wie Wasser. Wir Menschen kommen aus dem (Frucht-)Wasser und es begleitet uns unser Leben lang. Freizeit-Landschaften sind immer auch Wasserlandschaften – wir kennen das z.B. aus einigen Alpen-Destinationen, die ihren traditionell schwachen Sommer erst mit Waterscapes (Hexenwasser, Murmliwasser etc.) in die Wachstumskurve hievten. Water-Lounges in Bädern, Cabrio-Lagunen u.a. mit hohem Privacy-Charakter vermitteln postmodernen Stressopfern das römische Lebensgefühl – dolce vita in der Horizontalen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Doch der moderne Konsument mit seinem hybriden Werteset braucht auch die Adrenalin-Dosis ums Eck – Activity-Zonen vom Waterclimbing bis zur Aqua-Fitness für Ältere sind daher notwendige – komplementäre – Angebote. Hybride Orte wie die Barfussbar mitten an der Zürcher Limmat treffen die komplexe Sehnsuchtswelt der Freizeit-Konsumenten auf leichtfüßig-wunderbare Art: tagsüber ein Schwimmbad (nur für Frauen – klare Positionierung), nachts ein hipper Ort für Kultur-Events, urban und am Wasser, barfuß und einfach – that’s it!

Letztlich gilt aber für ein Freizeitbad wie für jede andere Destination das Erfolgsparadigma der Erlebnis-Wirtschaft: hohe Dichte an infrastruktureller Exzellenz und Erlebnistiefe. Meiner Einschätzung nach haben Freizeitbäder vor allem bei Letzterem noch viel Luft nach oben. Die Zeit der rein quantitativen Erlebnis-Steigerung und der Kamikaze-Semantik (höher-schneller-weiter) ist auch bei den Bädern vorbei – diese additive Steigerung läuft erlebnisökonomisch irgendwann ins Leere. Es geht künftig nicht um höher, sondern um tiefer – um Erlebnistiefe eben und damit um dramaturgische Exzellenz und multisensuelles Story Telling (Marken-Geschichte, übersetzt in Space, LED, Sound, Haptik etc.).„Products fulfill needs. Experiences fulfill desires“ (M. Gobe).

credit_wörgler_wasserweltIm Kampf um Aufmerksamkeit zählt die Strahlkraft der Marke, die Magie des Ortes. Freizeitbäder sind dreidimensionale Erlebnis- und Markenräume – auch hier wird der USP zum UEP (Unique Emotional Proposition), zum emotionalen Mehrwert.

credit_wörgler_wasserwelt_01Es ist die hohe Kunst der Erlebnis-Ökonomie, die Marken-Persönlichkeit an allen Touch Points entlang der Dienstleistungskette stringent zu erzählen und über alle (analogen wie digitalen) Kanäle multisensuell zu platzieren. Beispielhaft gelungen ist dies etwa in der Wörgler Wasserwelt, die den Besucher schon auf der Website („Die Ruhe vor dem Turm“) in die Adrenalinwelt selbst-ironisch entführt (Button: „Ich habe keinen Schiss” bzw. “Ich habe Schiss“) – ein Versprechen, das später an allen Kontaktpunkten in der Wasserwelt auch eingelöst wird.

Wer die richtigen Zeichen setzt, lenkt die Erwartungshaltung der Kunden. Auch und gerade in einem Instant-Paradies, wie es nun mal jedes erfolgreiche Freizeitbad ist.

ewaAndreas Reiter sprach kürzlich auf dem Österreichischen Bäderkongress in Innsbruck sowie auf der Tagung der European Waterpark Association (EWA) in Gelsenkirchen über Themenführerschaft & Future Waterscapes. Den Vortrag auf der EWA-Tagung können Sie von unserer Website herunterladen: http://www.ztb-zukunft.com/pdf/reiter_wave.pdf

foto_water_1foto_water2

Veröffentlicht unter Consumer Trends, Positionierung, Tourismus-Trends | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar