Krisenmodus & Resilienz

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So viel Unsicherheit war selten. Die Märkte sind nervös, das Wachstum in Europa mehr als fragil (anders als in den USA oder in Asien), systemische Risiken nehmen zu, vom angeschlagenen Russland über anwachsende Flüchtlingsströme bis hin zu gravierenden interkulturellen Konflikten. Keine Frage, Europa ist im institutionalisierten Krisenmodus.

Aus der Risikoforschung wissen wir, dass Menschen Unsicherheiten bedrohlicher finden als eine konkrete Gefahr (der sie ja aktiv begegnen können). Das Streben nach (ökonomischer und sozialer) Sicherheit ist somit eines der großen Leitthemen für die nächsten Jahre. Je mehr tradierte Sicherheiten wegbrechen und Optionen aufpoppen, je mehr wir unsere Komfortzonen verlassen müssen, desto stärker wird die Sehnsucht des Einzelnen nach Haltegriffen. Es ist kein Zufall (und keinesfalls nur ökonomisch zu erklären), dass in Österreich aktuell 22,6 Prozent der 25-34-Jährigen im Hotel Mama wohnen.

01Die Jungen, beruflich an Provisorien und prekäre Praktika gewöhnt, sind Synonym für eine Gesellschaft im Übergang: zaghaft tastet sich diese voran, sammelt nur langsam Kraft für (dringend notwendige) radikale strukturelle Veränderungen. Zur Sicherheit bleibt man aber lieber bei inkrementellen Verbesserungen und – im wahrsten Sinn – beim Alten. Retro. Regional. Reduktion. Man greift zu Marken, die Orientierung versprechen, zu regionalen Produkten, die Komplexität reduzieren und vor globalen Umbrüchen schützen sollen. Slow Living als Fluchthelfer aus der digitalen Moderne.

Die Frage nach dem guten Leben steht bei den Millenials im Vordergrund. Ihr Herz gewinnen Unternehmen, die für das Common Good stehen und bewirken, dass sich der Konsument nicht mehr als Benutzeroberfläche und zweibeiniges Big Data-Tool fühlt.  Gefragt sind auch Anbieter von Erlebnissen, die dem Einzelnen Distinktion ermöglichen und somit das eigene Ich (über das Selfie hinaus) stärken.

Und wo bleibt die echte Innovation? Die radikale Neuerung? Auf diese werden wir noch warten und bis dahin im veganen Fitnessstudio eine Runde drehen müssen. Der disruptive Wandel (Internet der Dinge wie 3D-Drucker, selbstfahrende Autos, Industrie 4.0 usf.) nimmt jedoch langsam aber sicher an Fahrt auf. In einer Zeit, in der das Ende der Massenproduktion eingeläutet wird, in der Produktion und Dienstleistungen immer stärker dezentralisiert und in die Hände des Kunden gelegt werden, müssen Unternehmen agiler und resilienter werden.

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Die Widerstandskraft eines Systems wächst mit ihrer Kleinteiligkeit. Kleine Organisationen können Komplexität leichter reduzieren und den Veränderungen effizient pro aktiv begegnen – wenn sie nicht abgekapselt, sondern als Teil eines größeren Systems agieren. Das Small is beautiful-Paradigma bedient nicht nur den uralten Mythos David gegen Goliath. Kleine strategische Einheiten sind robuster gegenüber Krisen und navigieren smarter durch die Zeit der großen Transformation.

Scan0019Dieser Beitrag beruht auf einem Kommentar von Andreas Reiter für das Wirtschaftsmagazin Report (01/2015)

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Schleswig-Holstein: Wo das Glück wächst

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Die markantesten Destinations-Kampagnen werden – derzeit – im hohen Norden gemacht. Island zielt mit seinem wunderbaren Story Telling Inspired by Iceland (http://www.inspiredbyiceland.com) auf die Trüffelschweine ab, die abseits der touristischen Postkartenmotive inspirierende Erlebnisse suchen. Die Kampagne Do it for Denmark des Reiseveranstalters Spies Rejser wiederum will Pärchen im Urlaub nicht nur zu erotischem Glück animieren, sondern damit auch – verbunden mit Incentives wie „Eisprung-Rabatt“ – die niedrige Geburtenrate des Landes erhöhen (https://www.youtube.com/watch?v=vrO3TfJc9Qw).

Urlaub und Glück – die Verbindung ist so alt wie die Geschichte von Adam und Eva, die einst unschuldig glücklich im Garten Eden lebten. Als sie jedoch vom Baum der Erkenntnis naschten, wurden sie aus dem Paradies vertrieben. Dieser Sündenfall, die Vertreibung aus dem Paradies markierte nicht nur den Anfang der Migration, sondern auch den Beginn der touristischen – Glückssuche.

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Seit damals suchen Menschen immer wieder diesen Garten Eden Momente des Glücks, die dem Leben Sinn und Bedeutung verleihen, ein Leuchten in den Alltag zaubern. Sigmund Freud hatte noch behauptet, Glück sei im Schöpfungsplan nicht vorgesehen – der Mann hat sich bekanntlich in vielem geirrt, er hat ja auch noch nie ein Instagram-Foto gesehen. Sonst hätte er gewusst, dass eine Branche ganz besonders das temporäre Glück stimuliert: der Tourismus.

OLYMPUS DIGITAL CAMERATouristiker verkaufen schließlich keine Betten oder Sonnenuntergänge, sie sind Fluchthelfer aus dem Alltag, zuständig für das schnelle Glück: joy. Der Neuromarketer Hans-Georg Häusel hat in seinem klugen Buch ‚Think Limbic‘ die limbischen Bausteine des schnellen Glücks der Konsumenten ausgeleuchtet, es geht dabei im Kern immer um die Emotionen:

 

  • Balance: Erlebnisse, die Sicherheit bieten, an früher (z.B. an die Kindheit etc.) erinnern
  • Stimulanz: Das Neue, Ungewohnte suchen, die Belohnung, dem Alltag zu entfliehen
  • Dominanz: etwas Besonderes erleben, das mich abhebt von den anderen (=Status-Denken).

Destinationen sind dreidimensionale Erlebnisräume, die – mit einer orchestrierten Gesamtleistung der Gastgeber – diese Glücksgefühle beim Gast hervorrufen können. Glück entsteht dabei immer zwischen den Polen Über- und Unterforderung, im Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung. Es kann ein Aufgehen in einem konzentrierten, fast rauschhaften Zustand (z.B. Extremsport, Kunst, Exstase etc.) sein, ein Flow. Es kann aber ebenso gut auch in der Langeweile liegen, verstanden als lange Weile, als Pause zwischen den Tätigkeiten, in der man Energie tankt und sich neu auflädt.

Mutter und Kind im Watt_Glückswackstumsgebiet_Copyright Getty Images_tash

Kann man Glück kaufen? Ja, in Form von Erlebnissen (in der Postmoderne längst wichtiger zur eigenen Differenzierung als Produkte)… Erlebnissen, die man – so die Glücksforschung – am besten mit anderen teilt.  Mehr noch, man kann das schnelle Glück auch zum Wachstum bringen. Wo? In Schleswig-Holstein.

Das Tourismusland im hohen Norden positioniert sich mit seiner aktuellen Kampagne als „Glückwachstumsgebiet.“ Was der dortigen Tourismusagentur TASH an finanziellen Mitteln fehlt, macht sie mit enormer Kreativität und bemerkenswerten viralen Marketingaktionen wett.  Keine gestylten Models, kein Schönwetter-Tralala, sondern kantige, nordische Vibrations. Die touristischen Glücksbringer wissen, dass das Urlaubsglück im Dreiklang erforschenmarkierenteilen liegt; und so lassen die Akteure an den (un-)gewöhnlichsten Orten Magic Moments entstehen. Und kommunizieren diese in Pink, „der flüchtigsten aller Farben“ – wissend, dass das Glück temporär und vergänglich ist. Wer so achtsam mit Glück umgeht, der hat sich das seiner Gäste mehr als verdient.

©Kampagnen-Fotos: TASH, http://www.sh-business.de/

MLI_8430_AR_Andreas Reiter hielt auf dem Tourismustag Schleswig-Holstein im Dezember 2014 einen Vortrag über Touristiker als Glücks-Dealer. Die Präsentation können Sie von unserer Website herunterladen: http://www.ztb-zukunft.com/pdf/fit_future_sh.pdf

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Ein Hub für temporäre Identitäten: Bikini Berlin

25_hours_3 Die Digitalisierung verändert den städtischen Raum – so massiv wie es zuvor nur die Industrialisierung im 19. Jahrhundert getan hat. Sie hebt jegliche Grenzen auf zwischen Arbeit und Freizeit, Stadt und Land, zwischen Öffentlichem und Privatem, zwischen Tag und Nacht. Zugleich aber belebt nichts so sehr den städtischen Raum wie eben dieser digitale Switch. Je virtueller nämlich die Welt wird, desto stärker wird zugleich die Sehnsucht der Menschen nach realen, sinnlichen Erfahrungen, nach magischen Orten, die Bedeutung in sich tragen und Identifikation ermöglichen (nachhaltiger als in den flüchtigen sozialen Netzen).

In einer digitalen Gesellschaft, deren DNA die Ort- und Zeitlosigkeit ist, kommt insbesondere den Hubs der nomadischen Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu: den Bahnhöfen und Airports, den multifunktionalen Malls und Hotels, also den Umschlagplätzen der flüssigen Moderne. Und so geht es in der Stadt von morgen um einen gesunden Mix von unverrückbaren historischen Orten (eingespeichert ins kollektive Bewusstsein) und fluiden, offenen Stadt-Räumen. Wir werden künftig in unseren Innenstädten beides kultivieren die historische Atmosphäre ebenso wie das Temporäre (Pop-Up-Semantik, Container-Living u.a.) und das Hybride (offene, neue Formen der Nutzung, z.B. wenig genutzte Parkhäuser als Wohnraum).

„Die Digitalmoderne hat ein Faible für das Hybride. Sie verschleift, was eindeutig schien. Sie privatisiert das Öffentliche, veröffentlicht das Private, sie verunklart den Ort und die Zeit und die Funktionen.“ Hanno Rauterberg, Wir sind die Stadt

Bayerische Hausbau_bikini_281923980_Wo die Digitalisierung Stadt-Räume aufbricht, wo Branchen und Geschäftsmodelle immer virtueller werden (vom E-Commerce bis hin zum E-Banking), da wird der Stadtraum fragmentierter und kleinteiliger. Aus Vierteln werden Achtel, und aus diesen Sechzehntel. Die Akzentuierung kleinräumiger Identitäten ist eine der zentralen Aufgaben im städtischen Place Making, es geht dabei im Kern um „atmosphärische Bespielung“, um eine dreidimensionale Dramaturgie, um Story Telling, das Auflösen des lokalen Spirits in bewegenden Geschichten.

IMG_3242Eines der bemerkenswertesten Sechzehntel ist das Berliner Bikini-Haus, eine Concept Mall, letztes Jahr am Zoologischen Garten eröffnet. Bikini Berlin ist konzeptionell und atmosphärisch anders als die übrigen Shopping-Malls, die ja meist im uniformen Mainstream stecken – Dritte Orte als biografische Nicht-Orte gewissermaßen.

Bikini Berlin hingegen ist ein wunderbar inspirierender Hybridraum: einerseits ein ikonografischer Ort der Berliner Nachkriegszeit (neben der Gedächtniskirche) – behutsam revitalisiert, die Fassade ein dezenter Mix aus Historie und Moderne; andererseits eine avantgardistische Pop-up-Mall, mit kuratierten Concept-Stores und eigensinnigen Labels, dazu temporäre, experimentelle Retail-Konzepte. Bikini Berlin bietet – mit Stores, Kino, Gastronomie, Dienstleistern und Büros sowie dem 25hours-Hotel – auf engstem Raum eine urbane Erlebnisdichte, eine funktionale und räumliche Vermischung von Unterhaltung, Arbeiten und Freizeit, angelehnt an den Lebensrhythmus der Generation Y. Bayerische Hausbau_ bikini_1272613009_ Der experimentelle Pop-up-Bereich der Mall greift mit seinen reduzierten Boxen (flexible Modulsysteme aus Holz) den Genius Loci lässig auf, man denkt unwillkürlich an die Affenkäfige im benachbarten Zoo, auf den man von der Dachterrasse hinabschaut. Ein Narrativ, eine Marken-Geschichte, die auch vom integrierten 25hours-Hotel in Design und Story Telling – bewährt verspielt – wieder aufgegriffen wird: das Motiv im Berliner Ableger der Hotelkette ist diesmal der “Urban Jungle“.

stephanlemke.com für 25hours Hotels 25_Bikini_Urban_13_25hours_Hotel_Bikini_Berlin-Jungle-Room-L_-Ausblick_gross_ Wo sonst kann man in einem Hotelzimmer in einer Schaukel hoch über dem urbanen Dschungel liegen? Wer in der Monkey-Bar im letzten Stock des Hauses einen Cocktail schlürft und unten im Zoo unsere Vorfahren, die Affen herumturnen sieht, kommt dabei in den höchsten selbstreflexiven Genuss – ein Selfie besonderer Art.

https://www.bikiniberlin.de

Scan0017Andreas Reiter sprach auf der Tagung „Innenstadt verhandeln“ in Berlin im November 2014 über die Zukunft unserer Innenstädte. Die Präsentation können Sie hier von unserer Website herunterladen: http://www.ztb-zukunft.com/pdf/achtel_urban_berlin.pdf

http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/ExWoSt/Forschungsfelder/2011/InnovationenInnenstaedte/Veranstaltungen/2014_11_Konferenz_Innenstadt_verhandeln.html?nn=430172

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Meet and eat – der Küchentisch als Glücksort

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Was macht das Glück des Menschen aus? – guter Sex, gutes Essen und fröhliches Gärtnern. Alle drei Tätigkeiten haben mit sinnlichem Genuss zu tun, wobei das gemeinsame Essen die schönste Verbindung zwischen diesen drei Genüssen ist. Und dieses Essen findet am wohl wichtigsten Platz der Wohnung statt: am Tisch.

Der Tisch liegt auf der Achse des Guten: Bett-Bad-Küche. Entlang dieser Achse verdichtet sich das private Leben, konzentrieren sich die Alltags-Rituale, all die kleinen und großen Momente und speziellen Gesten, zu denen der Mensch fähig ist.

tisch_1_Je unsicherer und unberechenbarer die Welt wird, desto leidenschaftlicher inszeniert der Mensch seine private Rückzugsfläche – die eigene Wohnung. Rundherum wird alles schneller, brüchiger, durchlässiger – Arbeitstempo, Lebensstile, Biografien. Dieses fluide Leben macht auch die Immobilie mobiler, nicht nur beim Wohnen auf Zeit (z.B. Boarding-Häuser, pop-up-Container etc.) – das Wohnen wird generell (wie so vieles andere auch) lebenszyklischer und passt sich veränderten biografischen Anforderungen an. Hybride Lebensmuster (bei denen z.B. Arbeit & Freizeit stärker verschwimmen) spiegeln sich in neuen fließenden Raumkonzepten: erst fiel die Grenze zwischen Küche und Wohnzimmer, dann die zwischen Badezimmer und Schlafzimmer, jetzt wachsen Indoor- und Outdoor-Bereich stärker zusammen – das Haus holt sich die Natur herein und umgekehrt (Vorreiter für die Innengestaltung sind hier übrigens, wie so oft, Design-Hotels, bei denen man sich als Gast Anregungen für Zuhause holt).

Wenn rundum alles in Auflösung ist, dann wird ein Platz in der Wohnung emotional besonders aufgeladen: der Tisch. Der Küchentisch steht für Erdung, für Behaglichkeit, für sozialen Genuss. Allem High-Tech-Equipment und smarten Induktions-Kochfeldern (die man natürlich gerne nutzt) zum Trotz – die Küche ist und bleibt ein Psychotop. Die Technik steht im Hinter-, das Wohlbefinden im Vordergrund. War seit den 1960ern der Fernseher das soziale Lagerfeuer, um das herum sich der Clan versammelte, so verlor dieser durch Internet und mobilen Medien-Konsum diese Funktion zunehmend. Heute bildet wiederum der Küchentisch diese magische Feuerstelle – keine App wird ihn je ersetzen können.

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Die Küche ist und bleibt die anthropologische Konstante in der nervösen Pop-up-Kultur des frühen 21. Jahrhunderts. Sie ist ein Firewall vor den Umbrüchen „da draußen“, ein sozialer Ort in einer Welt der „Nicht-Orte“. Gut, da ist auch noch das Bett, doch dieses ist anders besetzt: im Bett liebt man und regeneriert sich, taucht ein in ein Second Life, jenes der Träume und Alpträume. Der Küchentisch hingegen ist erdig wie nichts sonst, hier wird – gemeinsam – geschnipselt, genossen, geplaudert, hier wird gelacht und gestritten und über das Leben sinniert. Nirgendwo kann man sich zudem selbst so gut in Ruhe lassen wie hier, etwa beim Frühstück, hinter der Zeitung versteckt.

02_kekseDer Küchentisch ist aber nicht nur ein ritueller Platz für die Gestaltung sozialer Nähe, sondern auch eine Bühne für die Selbst-Inszenierung und die eigene (kochkünstlerische) Kreativität. Mahlzeit! Zu den Essenszeiten klettert der Affe vom Baum (oder wo immer er sonst steckt) und hockt sich erwartungsvoll zu seinesgleichen. Hm, lecker. Bei jedem Bissen werden Signale ans Gehirn ausgesandt wie: Die muss mich aber lieben (Liebe geht durch den Magen)! Life is uncertain. Eat dessert first!… Wir haben mehr Stil als die behaarten Typen vom Nachbarstamm (und einen besseren Geschmack), sonst würden wir ja nicht zum Macadamia Nussöl greifen oder zum Bambussalz, oder?… Wie auch immer – wer so zufrieden kauend mit seinen Liebsten um den Tisch sitzt, ist vom Glück nur einen Tellerrand entfernt.

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Dieser Beitrag beruht auf Statements von Andreas Reiter in der jüngsten Gesprächsrunde WOHNEN, KOCHEN & ESSEN IM MORGEN – Gemeinsam an einem Tisch – im Rahmen der stuben21:gespräche, einer inspirierenden Reihe von Miele (www.miele.at) und stuben21 in der Miele Galerie in Wien.

Medien: http://www.falstaff.at/gourmetartikel/in-zukunft-denkt-der-kochtopf-fuer-uns-9315.html

Den Tisch zum Thema gestaltet stuben21, eine Wiener Design-Manufaktur, die die Küchenstube – klar und unangestrengt – in die Moderne übersetzt und für ihre internationale Kundschaft spannend neu adaptiert. http://www.stuben21.com

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Mehr Licht! Illumination als Pfeiler im städtischen Place Making

mqZu keiner Jahreszeit ist die Innen-Stadt emotional derart aufgeladen wie in diesen Wochen vor Weihnachten. Da sind die Vorfreuden der Adventszeit, die für den Winter typischen atmosphärischen Spannungspole – Hell und Dunkel, Kalt und Warm, Drinnen und Draußen – und das Glitzern der Weihnachtsbeleuchtung. Es ist dieser sinnliche Mix, der einen betört – der Duft von Glühwein, die leuchtenden Buden auf dem Weihnachtsmarkt, die Sterne über den Einkaufsstraßen – ein emotionales Leuchtfeuer, das einen Schritt für Schritt zurück in die eigene Kindheit führt. Licht hat im vorweihnachtlichen Story Telling eine zentrale Bedeutung, und die geht weit über die Inszenierung der Weihnachtsmärkte hinaus.

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Licht ist ja nicht nur Übermittler von Nachrichten und Energie, sondern insbesondere auch von Emotionen. Licht bringt die Menschen zum Staunen und Träumen, es beeinflusst unsere Stimmung, es akzentuiert – im Wechsel von Helligkeit und Schatten – Räume und Raum-Gefühle. Licht – als vierte Dimension und als fluider Baustoff – ist ein unschätzbares Kommunikations-Instrument – im Handel wie im Urban Design.

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Nicht nur die großen Lichtfestivals – von Lyon bis Eindhoven, von den Essener Lichtwochen bis zum Festival of Lights in Berlin – sind Magnete im Städte-Tourismus. Der strategische Einsatz von Licht ist generell ein Pfeiler des Urban Branding – immer mehr Städte haben einen eigenen Illuminierungs-Masterplan (der Pionier ist hier Lyon), um sich ins rechte Licht zu rücken, um spezielle Viertel und ikonografische Gebäude mit Licht zu akzentuieren sowie die Besucher-Ströme entsprechend zu lenken. Licht ist weit mehr als nur kosmetischer Aufputz, es ist das emotionale Ausrufezeichen im Setting von Symbolen, Signature Buildings und städtischen Landmarks. So wie im Retail-Bereich Marken- und Produktwelten mit Licht inszeniert werden, so müssen auch urbane Räume markenzentriert – also je nach ihrer kleinräumigen Identität – ausgeleuchtet werden.

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Innen-Städte sind begehbare Geschichte(n) in 3 D – dies wird besonders in der glitzernden Vorweihnachtszeit sicht- und spürbar. Stadt-Räume werden zu Bühnen ausgeleuchtet, die für Stadt-Konsumenten Erlebnisse und Identität schaffen. Licht ist dabei ein emotionaler Trigger, es erhöht die Verweildauer und stimuliert den Konsum. Der strategische Einsatz von Licht macht aus urbanen Räumen spannende Erlebnis-Welten und aus der Innenstadt eine Visitenkarte.

fotolia_2Konsum erfolgt im Spannungs-Dreieck Stimulanz, Dominanz und Balance, wie es der Neuromarketing-Experte Hans Georg Häusel treffend diagnostiziert hat – diese Spannung zwischen den Nutzer-Motiven gilt es auch im städtischen Raum zu halten und virtuos zu bespielen.

Städtisches Place Making mittels Licht-Inszenierung ist nur dann erfolgreich, wenn es gelingt, die Magie des Ortes in ein stimmiges Bühnenbild zu fassen.

Dabei müssen die 3 P’s

  • People
  • Place
  • Purpose

konsistent im Sinn der städtischen Identität in Geschichten und in narrative Lichträume übersetzt werden. Dann geht den Menschen ein Licht auf, wenn sie durch die nächtlichen Innenstädte flanieren.

Scan0006Andreas Reiter hielt vor kurzem einen Vortrag auf dem Stadtmarketingtag Nordrhein-Westfalen in Essen zum Thema Place Making und städtisches Lichtdesign.

Best-Of-Beispiel: Beeindruckende – weil markenzentrierte – Licht-Inszenierungen bietet MK Illumination. In vielen europäischen Städten bringt das leuchtende Story Telling des Innsbrucker Unternehmens die Menschen gerade jetzt zu Weihnachten zum Staunen. http://www.mk-illumination.at/

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Remix Identity: die Region als Identitäts-Labor

herkunftWenn etwas im frühen 21. Jahrhundert eine subtile Anstrengung erfordert – dann wohl die Ausformung der eigenen Persönlichkeit, der eigenen Identität: tradierte Sicherheiten brechen weg, biografische Optionen poppen auf. Alles ist möglich, nichts mehr ist festgezurrt und auf immer angelegt. „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“, brachte der Philosoph Richard David Precht die investigative Frage vor dem Badezimmerspiegel passend auf den Begriff.

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Identity Building wird zur lebenslangen Aufgabe, zur eigentlichen Lebenskunst in der Postmoderne, in der Brüche und Umbrüche aus biografischen Linien oft wilde Zacken machen („Gelungenes Leben besteht in gelungenen Umzügen“, Peter Sloterdijk). Der Lebens-Lauf als Cross Country-Run… Die Konstruktion der eigenen Identität besteht nicht selten in ihrer De-Konstruktion, in Phasen der schöpferischen Zerstörung und nachfolgenden Neuerfindung.

selfieKein Zufall, dass das Selfie die Kunstform der Generation Y (Why wie Warum) ist, eine Momentaufnahme der eigenen fragilen Identität, die ja zwei Klicks später wieder eine ganz andere sein kann.

Je mehr die Freestyle-Biografie zur Norm wird, je mehr sie in 6-Sekunden-Clips auf Vine zelebriert wird, desto stärker wächst die Sehnsucht des Einzelnen nach sozialer Zugehörigkeit und Resonanz. Diese kann man – mit Glück – in Liebesbeziehungen und Familien finden, am Arbeitsplatz und in Communities. Identität entsteht dabei immer zwischen den Antipoden: Betonung des Eigenen und Abgrenzung von Anderen – je fragiler die eigene Identität, desto stärker die Abgrenzung (das kennt man ja von unappetitlichen politischen Gruppierungen und grenznahen Stämmen).

hofmark_44Zukunft beruht schließlich auch auf Herkunft – und hier kommt unweigerlich der Begriff der Heimat ins Spiel. Heimat ist das Epizentrum der Emotionen, in ihr verschränken sich persönliche und kollektive Identität. Ein – historisch lange negativ besetzter – Begriff wird in einer global vernetzten Gesellschaft immer mehr rehabilitiert und neu aufgeladen als Lebensraum, der einem Zuhause ist und Identifikation bietet.

Je vielfältiger Europa wird, desto wichtiger wird es für die einzelnen Regionen, die eigenen Stärken herauszufiltern, sich zu differenzieren – in ihrer Alltagskultur, ihrem way of life, in ihrer Produkt-Semantik, kurz in ihrer Profilierung. Und so erleben wir ein teils originär-pfiffiges, teils bloß von Branding getriebenes Upcycling und Recycling regionaler Kulturen.

DSC_0922Im besten Fall aber gelingt ein produktives Mixen von Tradition und Moderne, mit dem uns die Kreativwirtschaft, die Touristiker, die Handwerker und Genussmittel-Hersteller überraschen… Regionale Identität (= Marke) dient nicht nur der Resilienz, sie wird zum Hebel der Regional-Entwicklung, stärkt lokale Wertschöpfungs-Netze und erhöht das soziale Kapital.

Damit die Region aber nicht zum Firewall vor der Moderne degeneriert und in allem Neuen gleich Trojaner sieht, die es abzuwehren gilt, muss sie sich nicht nur wirtschaftlich und touristisch öffnen, sondern vor allem mental. Moderne Gesellschaften sind nur dann langfristig erfolgreich, wenn sie kulturelle Diversität pflegen. Oder, wie es eine kluge Studie der Bertelsmann Stiftung (‚Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt‘) formuliert: „Moderne Gesellschaften beruhen nicht auf Solidarität, die aus Ähnlichkeit erwächst, sondern auf Solidarität, die auf Verschiedenheit und gegenseitiger Abhängigkeit fußt.“

???????????????????????????????Dieser Beitrag fasst einen Vortrag zusammen, den Andreas Reiter vor kurzem  zum Thema „Identität und Region“ in Wiltz/Luxemburg hielt, anlässlich der Gründung der dortigen EU-Leader-Region Éislek.

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Sharing City: warum die urbane Beteiligungskultur zunimmt

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Ist die glückliche Stadt eine die teilt? Ja. Die Sharing City hegt und pflegt ihr soziales Kapital und entwickelt mit ihrer Schwarm-Intelligenz Orte von kleinräumiger Lebensqualität. Öffentliche Räume sind immer auch soziale Räume, wo sich Beziehungen entfalten können.

Die flüssige Ökonomie des frühen 21. Jahrhunderts beruht auf den Kerntugenden der digitalen Gesellschaft – Vernetzung und Kollaboration. In diesem Sinn sind auch städtische Akteure Teil eines beweglichen Ökosystems, in dem die soziale und ökonomische Wertschöpfung verstärkt partizipativ erfolgt. In unseren Städten wächst denn auch eine (nicht selten kreative) Beteiligungskultur, die Verwaltung und Bürger, Wirtschaft und Konsumenten vernetzt.

IMG_2644Der partizipative Wertewandel ist längst in der breiten Bevölkerung angekommen. So wollen 76 Prozent aller (deutschen) BürgerInnen und 75 Prozent der EntscheiderInnen, dass die Bevölkerung bei wichtigen Fragen zu öffentlichen Themen mitredet und ihre Positionen darlegt, bevor die Politik entscheidet (Quelle: Bertelsmann Stiftung, „Partizipation im Wandel… Städte im Fokus“). Keine Frage, die Macht der Crowd, der interaktive Virus verändern das atmosphärische Design der Stadt und die städtischen Gestaltungs-Prozesse. Diese Beteiligung hat aber – das muss klar gesagt werden – auch ihre strategischen (in jedem Einzelfall speziell auszulotenden) Grenzen in einer Demokratie, in der gewählte Repräsentanten eine finale Entscheidung treffen müssen.

Fact ist, die virale Beteiligungs-Kultur verändert das Gewebe der Stadt – von Nachbarschafts-Projekten über Stadtentwicklung bis hin zur Stärkung lokaler Ökonomien (CoWorking Spaces etc.), von der blühenden Sharing Economy (Repair Cafés, Food Sharing etc.) und Social Business-Modelle bis hin zu (umstrittenen) touristischen Formen des Teilens wie AirBnb und Uber.

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Aus passiven Stadt-Konsumenten werden aktive Stadt-Prosumenten, die sich den öffentlichen Raum erobern und diesen – also ihr unmittelbares Lebensumfeld – gemeinsam mit anderen (mit) entwickeln wollen. Diese Partizipationsmuster sind nicht mehr umzukehren, sie sind die Grundmelodie einer digital vernetzten Gesellschaft, die (konditioniert durchs Internet) auch ihre physische Realität und ihre Lebensräume selbst mitgestalten will.

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Für die Stadt-Politik ist dieses partizipative Muster nicht immer einfach zu handhaben – Konflikte unter den Akteuren sind vorprogrammiert. Kluge Verwaltungen (und davon gibt es immer mehr) sind agil und reagieren proaktiv – wenn ein Baum gefällt wird, hängt die Stadt vorsorglich eine Informationstafel an den betreffenden Ort, dass der Baum aus Krankheitsgründen leider ausgetauscht werden muss und morgen um 10.30 ein neuer gepflanzt wird…

Das Hauptmotiv der Bürgerbeteiligung liegt m.A.n. in einem legitimen Bedürfnis: jenem nach Akzentuierung städtischer Lebensqualität. Das Lokale, die eigene Nachbarschaft, erhalten eine aufgeladene emotionale Bedeutung in einer „Welt der Nicht-Orte“, die (so der Anthropologe Marc Augé) „keine Identität stiften, keine gemeinsame Erinnerung erzeugen und keine sozialen Beziehungen schaffen.“ Diese Orte „des kollektiven Identitätsverlusts” (die es in jeder Stadt gibt) werden nun aber nicht mehr einfach so hingenommen – nein, sie wollen verbessert, verschönert und mit Leben beseelt werden – es muss ja nicht gleich Urban Knitting sein (wo Laternenpfähle biedermeierlich mit Strickwaren behübscht werden).

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Allerorts engagieren sich Bürger für das „Common Good“, kämpfen für die Aufwertung städtischer Lebensräume (diese sollen naturgemäß leistbar, sozial und ökologisch verträglich sein). Viele Stadtbewohner wehren sich in Initiativen gegen die „da oben“, die nun langsam erkennen, dass aus dem Bürger, dem verwalteten Objekt, ein nun handelndes Subjekt geworden ist. Im Gegensatz zu den historischen 68ern sind die Aufbegehrenden heute keine freien Radikalen, sondern arrivierte Bürger aus der gesellschaftlichen Mitte.

Logo-Stadtisten_klein_rgbDa picknicken am Sonntag Menschen wie du und ich auf Stuttgarter Plätzen und diskutieren ihre Ideen zur Stadtgestaltung, verfassen das Stadtistische Manifest („Stadtisten sind keine Statisten. Statisten stehen am Rand oder im Hintergrund des Geschehens – Stadtisten wollen ins Zentrum der politischen Gestaltung”). Dort kippen Bürger in Jena in einer Bürgerbefragung mehrheitlich die Pläne zur Bebauung des zentralen Eichplatzes und entwickeln störrisch eine eigene Vision von innerstädtischer Lebensqualität.

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Das soziale Kapital treibt bunte Blüten – es ist ein Asset einer lebendigen Stadtkultur. In Rosenheim und anderen bayerischen Städten gestalten Architekten – vom Bund gefördert – kreative „Stadtoasen“, schaffen gemeinsam mit Jugendlichen soziale Aktionsräume für eben diese (oft vernachlässigte) Gruppe, in Hamburg turnen Arbeitslose und Manager gemeinsam im Park (Green Gym) und legen Beete an – inzwischen schicken Firmen wie Tchibo oder Ergo ihre Mitarbeiter in den Park. In Innsbruck belebt Die Bäckerei – eine Kulturbackstube – den städtischen Raum, entwickelt experimentelle, hybride Orte (wo sich Arbeit und Freizeit vermischen), z.B. Coworking-Spaces. Letztere werden ja inzwischen auch von kommunaler Seite als Instrument der Aufwertung von Immobilien und maroder innerstädtischer Zonen eingesetzt.

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„Wir sind die Stadt“ ist allerorts das interaktive Leitmotiv: und so malen biedere Hausfrauen und honorige Gewerbetreibende über Nacht einen Zebrastreifen als sicheren Übergang aufs Pflaster ihrer Straße, oder es finanzieren Bewohner lokale Crowdfunding-Projekte in ihrer Nachbarschaft (eine Fußgängerbrücke in Rotterdam, ein Pool im Hudson River, New York usf.). Es ist nicht nur das Unbehagen der Stadtbürger gegen wachsende soziale Ungleichheit und politische Missstände (von San Francisco über Istanbul bis Hongkong), es ist in unseren Breiten vor allem das Bedürfnis, das eigene Wohlergehen verantwortungsvoll mit dem kollektiven zu verbinden. Shared City eben.

 

Andreas Reiter hielt vor kurzem bei einer Tagung von Stadtmarketing Austria einen Vortrag zum Thema “Urbane Beteiligungstrends” http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20141007_OTS0040/beteiligungstrends-und-kollaborative-beziehungen-in-staedten-bild

Links zu interessanten städtischen Initiativen (jeweils auch Foto-Credits):

http://www.diebaeckerei.at/

http://www.die-stadtisten.de/

http://www.jenapolis.de/

http://www.stadtoasen-rosenheim.de/

http://www.heilendestadt.de

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