Ein Hub für temporäre Identitäten: Bikini Berlin

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Die Digitalisierung verändert den städtischen Raum - so massiv wie es zuvor nur die Industrialisierung im 19. Jahrhundert getan hat. Sie hebt jegliche Grenzen auf - zwischen Arbeit und Freizeit, Stadt und Land, zwischen Öffentlichem und Privatem, zwischen Tag und Nacht. Zugleich aber belebt nichts so sehr den städtischen Raum wie eben dieser digitale Switch. Je virtueller nämlich die Welt wird, desto stärker wird zugleich die Sehnsucht der Menschen nach realen, sinnlichen Erfahrungen, nach magischen Orten, die Bedeutung in sich tragen und Identifikation ermöglichen (nachhaltiger als in den flüchtigen sozialen Netzen).

In einer digitalen Gesellschaft, deren DNA die Ort- und Zeitlosigkeit ist, kommt insbesondere den Hubs der nomadischen Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu: den Bahnhöfen und Airports, den multifunktionalen Malls und Hotels, also den Umschlagplätzen der flüssigen Moderne. Und so geht es in der Stadt von morgen um einen gesunden Mix von unverrückbaren historischen Orten (eingespeichert ins kollektive Bewusstsein) und fluiden, offenen Stadt-Räumen. Wir werden künftig in unseren Innenstädten beides kultivieren die historische Atmosphäre ebenso wie das Temporäre (Pop-Up-Semantik, Container-Living u.a.) und das Hybride (offene, neue Formen der Nutzung, z.B. wenig genutzte Parkhäuser als Wohnraum).

„Die Digitalmoderne hat ein Faible für das Hybride. Sie verschleift, was eindeutig schien. Sie privatisiert das Öffentliche, veröffentlicht das Private, sie verunklart den Ort und die Zeit und die Funktionen.“ Hanno Rauterberg, Wir sind die Stadt

Bayerische Hausbau_bikini_281923980_Wo die Digitalisierung Stadt-Räume aufbricht, wo Branchen und Geschäftsmodelle immer virtueller werden (vom E-Commerce bis hin zum E-Banking), da wird der Stadtraum fragmentierter und kleinteiliger. Aus Vierteln werden Achtel, und aus diesen Sechzehntel. Die Akzentuierung kleinräumiger Identitäten ist eine der zentralen Aufgaben im städtischen Place Making, es geht dabei im Kern um „atmosphärische Bespielung“, um eine dreidimensionale Dramaturgie, um Story Telling, das Auflösen des lokalen Spirits in bewegenden Geschichten.

IMG_3242Eines der bemerkenswertesten Sechzehntel ist das Berliner Bikini-Haus, eine Concept Mall, letztes Jahr am Zoologischen Garten eröffnet. Bikini Berlin ist konzeptionell und atmosphärisch anders als die übrigen Shopping-Malls, die ja meist im uniformen Mainstream stecken – Dritte Orte als biografische Nicht-Orte gewissermaßen.

Bikini Berlin hingegen ist ein wunderbar inspirierender Hybridraum: einerseits ein ikonografischer Ort der Berliner Nachkriegszeit (neben der Gedächtniskirche) – behutsam revitalisiert, die Fassade ein dezenter Mix aus Historie und Moderne; andererseits eine avantgardistische Pop-up-Mall, mit kuratierten Concept-Stores und eigensinnigen Labels, dazu temporäre, experimentelle Retail-Konzepte. Bikini Berlin bietet – mit Stores, Kino, Gastronomie, Dienstleistern und Büros sowie dem 25hours-Hotel – auf engstem Raum eine urbane Erlebnisdichte, eine funktionale und räumliche Vermischung von Unterhaltung, Arbeiten und Freizeit, angelehnt an den Lebensrhythmus der Generation Y.

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Der experimentelle Pop-up-Bereich der Mall greift mit seinen reduzierten Boxen (flexible Modulsysteme aus Holz) den Genius Loci lässig auf, man denkt unwillkürlich an die Affenkäfige im benachbarten Zoo, auf den man von der Dachterrasse hinabschaut. Ein Narrativ, eine Marken-Geschichte, die auch vom integrierten 25hours-Hotel in Design und Story Telling – bewährt verspielt – wieder aufgegriffen wird: das Motiv im Berliner Ableger der Hotelkette ist diesmal der “Urban Jungle“.

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Wo sonst kann man in einem Hotelzimmer in einer Schaukel hoch über dem urbanen Dschungel liegen? Wer in der Monkey-Bar im letzten Stock des Hauses einen Cocktail schlürft und unten im Zoo unsere Vorfahren, die Affen herumturnen sieht, kommt dabei in den höchsten selbstreflexiven Genuss – ein Selfie besonderer Art.

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Scan0017Andreas Reiter sprach auf der Tagung „Innenstadt verhandeln“ in Berlin im November 2014 über die Zukunft unserer Innenstädte. Die Präsentation können Sie hier von unserer Website herunterladen: http://www.ztb-zukunft.com/pdf/achtel_urban_berlin.pdf

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Meet and eat – der Küchentisch als Glücksort

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Was macht das Glück des Menschen aus? - guter Sex, gutes Essen und fröhliches Gärtnern. Alle drei Tätigkeiten haben mit sinnlichem Genuss zu tun, wobei das gemeinsame Essen die schönste Verbindung zwischen diesen drei Genüssen ist. Und dieses Essen findet am wohl wichtigsten Platz der Wohnung statt: am Tisch.

Der Tisch liegt auf der Achse des Guten: Bett-Bad-Küche. Entlang dieser Achse verdichtet sich das private Leben, konzentrieren sich die Alltags-Rituale, all die kleinen und großen Momente und speziellen Gesten, zu denen der Mensch fähig ist.

tisch_1_Je unsicherer und unberechenbarer die Welt wird, desto leidenschaftlicher inszeniert der Mensch seine private Rückzugsfläche – die eigene Wohnung. Rundherum wird alles schneller, brüchiger, durchlässiger – Arbeitstempo, Lebensstile, Biografien. Dieses fluide Leben macht auch die Immobilie mobiler, nicht nur beim Wohnen auf Zeit (z.B. Boarding-Häuser, pop-up-Container etc.) – das Wohnen wird generell (wie so vieles andere auch) lebenszyklischer und passt sich veränderten biografischen Anforderungen an. Hybride Lebensmuster (bei denen z.B. Arbeit & Freizeit stärker verschwimmen) spiegeln sich in neuen fließenden Raumkonzepten: erst fiel die Grenze zwischen Küche und Wohnzimmer, dann die zwischen Badezimmer und Schlafzimmer, jetzt wachsen Indoor- und Outdoor-Bereich stärker zusammen – das Haus holt sich die Natur herein und umgekehrt (Vorreiter für die Innengestaltung sind hier übrigens, wie so oft, Design-Hotels, bei denen man sich als Gast Anregungen für Zuhause holt).

Wenn rundum alles in Auflösung ist, dann wird ein Platz in der Wohnung emotional besonders aufgeladen: der Tisch. Der Küchentisch steht für Erdung, für Behaglichkeit, für sozialen Genuss. Allem High-Tech-Equipment und smarten Induktions-Kochfeldern (die man natürlich gerne nutzt) zum Trotz – die Küche ist und bleibt ein Psychotop. Die Technik steht im Hinter-, das Wohlbefinden im Vordergrund. War seit den 1960ern der Fernseher das soziale Lagerfeuer, um das herum sich der Clan versammelte, so verlor dieser durch Internet und mobilen Medien-Konsum diese Funktion zunehmend. Heute bildet wiederum der Küchentisch diese magische Feuerstelle – keine App wird ihn je ersetzen können.

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Die Küche ist und bleibt die anthropologische Konstante in der nervösen Pop-up-Kultur des frühen 21. Jahrhunderts. Sie ist ein Firewall vor den Umbrüchen „da draußen“, ein sozialer Ort in einer Welt der „Nicht-Orte“. Gut, da ist auch noch das Bett, doch dieses ist anders besetzt: im Bett liebt man und regeneriert sich, taucht ein in ein Second Life, jenes der Träume und Alpträume. Der Küchentisch hingegen ist erdig wie nichts sonst, hier wird – gemeinsam – geschnipselt, genossen, geplaudert, hier wird gelacht und gestritten und über das Leben sinniert. Nirgendwo kann man sich zudem selbst so gut in Ruhe lassen wie hier, etwa beim Frühstück, hinter der Zeitung versteckt.

02_kekseDer Küchentisch ist aber nicht nur ein ritueller Platz für die Gestaltung sozialer Nähe, sondern auch eine Bühne für die Selbst-Inszenierung und die eigene (kochkünstlerische) Kreativität. Mahlzeit! Zu den Essenszeiten klettert der Affe vom Baum (oder wo immer er sonst steckt) und hockt sich erwartungsvoll zu seinesgleichen. Hm, lecker. Bei jedem Bissen werden Signale ans Gehirn ausgesandt wie: Die muss mich aber lieben (Liebe geht durch den Magen)! Life is uncertain. Eat dessert first!… Wir haben mehr Stil als die behaarten Typen vom Nachbarstamm (und einen besseren Geschmack), sonst würden wir ja nicht zum Macadamia Nussöl greifen oder zum Bambussalz, oder?… Wie auch immer – wer so zufrieden kauend mit seinen Liebsten um den Tisch sitzt, ist vom Glück nur einen Tellerrand entfernt.

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Dieser Beitrag beruht auf Statements von Andreas Reiter in der jüngsten Gesprächsrunde WOHNEN, KOCHEN & ESSEN IM MORGEN – Gemeinsam an einem Tisch – im Rahmen der stuben21:gespräche, einer inspirierenden Reihe von Miele (www.miele.at) und stuben21 in der Miele Galerie in Wien.

Medien: http://www.falstaff.at/gourmetartikel/in-zukunft-denkt-der-kochtopf-fuer-uns-9315.html

Den Tisch zum Thema gestaltet stuben21, eine Wiener Design-Manufaktur, die die Küchenstube – klar und unangestrengt – in die Moderne übersetzt und für ihre internationale Kundschaft spannend neu adaptiert. http://www.stuben21.com

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Mehr Licht! Illumination als Pfeiler im städtischen Place Making

mqZu keiner Jahreszeit ist die Innen-Stadt emotional derart aufgeladen wie in diesen Wochen vor Weihnachten. Da sind die Vorfreuden der Adventszeit, die für den Winter typischen atmosphärischen Spannungspole - Hell und Dunkel, Kalt und Warm, Drinnen und Draußen – und das Glitzern der Weihnachtsbeleuchtung. Es ist dieser sinnliche Mix, der einen betört – der Duft von Glühwein, die leuchtenden Buden auf dem Weihnachtsmarkt, die Sterne über den Einkaufsstraßen – ein emotionales Leuchtfeuer, das einen Schritt für Schritt zurück in die eigene Kindheit führt. Licht hat im vorweihnachtlichen Story Telling eine zentrale Bedeutung, und die geht weit über die Inszenierung der Weihnachtsmärkte hinaus.

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Licht ist ja nicht nur Übermittler von Nachrichten und Energie, sondern insbesondere auch von Emotionen. Licht bringt die Menschen zum Staunen und Träumen, es beeinflusst unsere Stimmung, es akzentuiert – im Wechsel von Helligkeit und Schatten – Räume und Raum-Gefühle. Licht – als vierte Dimension und als fluider Baustoff – ist ein unschätzbares Kommunikations-Instrument – im Handel wie im Urban Design.

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Nicht nur die großen Lichtfestivals - von Lyon bis Eindhoven, von den Essener Lichtwochen bis zum Festival of Lights in Berlin – sind Magnete im Städte-Tourismus. Der strategische Einsatz von Licht ist generell ein Pfeiler des Urban Branding – immer mehr Städte haben einen eigenen Illuminierungs-Masterplan (der Pionier ist hier Lyon), um sich ins rechte Licht zu rücken, um spezielle Viertel und ikonografische Gebäude mit Licht zu akzentuieren sowie die Besucher-Ströme entsprechend zu lenken. Licht ist weit mehr als nur kosmetischer Aufputz, es ist das emotionale Ausrufezeichen im Setting von Symbolen, Signature Buildings und städtischen Landmarks. So wie im Retail-Bereich Marken- und Produktwelten mit Licht inszeniert werden, so müssen auch urbane Räume markenzentriert – also je nach ihrer kleinräumigen Identität – ausgeleuchtet werden.

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Innen-Städte sind begehbare Geschichte(n) in 3 D – dies wird besonders in der glitzernden Vorweihnachtszeit sicht- und spürbar. Stadt-Räume werden zu Bühnen ausgeleuchtet, die für Stadt-Konsumenten Erlebnisse und Identität schaffen. Licht ist dabei ein emotionaler Trigger, es erhöht die Verweildauer und stimuliert den Konsum. Der strategische Einsatz von Licht macht aus urbanen Räumen spannende Erlebnis-Welten und aus der Innenstadt eine Visitenkarte.

fotolia_2Konsum erfolgt im Spannungs-Dreieck Stimulanz, Dominanz und Balance, wie es der Neuromarketing-Experte Hans Georg Häusel treffend diagnostiziert hat – diese Spannung zwischen den Nutzer-Motiven gilt es auch im städtischen Raum zu halten und virtuos zu bespielen.

Städtisches Place Making mittels Licht-Inszenierung ist nur dann erfolgreich, wenn es gelingt, die Magie des Ortes in ein stimmiges Bühnenbild zu fassen.

Dabei müssen die 3 P’s

  • People
  • Place
  • Purpose

konsistent im Sinn der städtischen Identität in Geschichten und in narrative Lichträume übersetzt werden. Dann geht den Menschen ein Licht auf, wenn sie durch die nächtlichen Innenstädte flanieren.

Scan0006Andreas Reiter hielt vor kurzem einen Vortrag auf dem Stadtmarketingtag Nordrhein-Westfalen in Essen zum Thema Place Making und städtisches Lichtdesign.

Best-Of-Beispiel: Beeindruckende – weil markenzentrierte – Licht-Inszenierungen bietet MK Illumination. In vielen europäischen Städten bringt das leuchtende Story Telling des Innsbrucker Unternehmens die Menschen gerade jetzt zu Weihnachten zum Staunen. http://www.mk-illumination.at/

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Remix Identity: die Region als Identitäts-Labor

herkunftWenn etwas im frühen 21. Jahrhundert eine subtile Anstrengung erfordert – dann wohl die Ausformung der eigenen Persönlichkeit, der eigenen Identität: tradierte Sicherheiten brechen weg, biografische Optionen poppen auf. Alles ist möglich, nichts mehr ist festgezurrt und auf immer angelegt. „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“, brachte der Philosoph Richard David Precht die investigative Frage vor dem Badezimmerspiegel passend auf den Begriff.

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Identity Building wird zur lebenslangen Aufgabe, zur eigentlichen Lebenskunst in der Postmoderne, in der Brüche und Umbrüche aus biografischen Linien oft wilde Zacken machen („Gelungenes Leben besteht in gelungenen Umzügen“, Peter Sloterdijk). Der Lebens-Lauf als Cross Country-Run… Die Konstruktion der eigenen Identität besteht nicht selten in ihrer De-Konstruktion, in Phasen der schöpferischen Zerstörung und nachfolgenden Neuerfindung.

selfieKein Zufall, dass das Selfie die Kunstform der Generation Y (Why wie Warum) ist, eine Momentaufnahme der eigenen fragilen Identität, die ja zwei Klicks später wieder eine ganz andere sein kann.

Je mehr die Freestyle-Biografie zur Norm wird, je mehr sie in 6-Sekunden-Clips auf Vine zelebriert wird, desto stärker wächst die Sehnsucht des Einzelnen nach sozialer Zugehörigkeit und Resonanz. Diese kann man – mit Glück – in Liebesbeziehungen und Familien finden, am Arbeitsplatz und in Communities. Identität entsteht dabei immer zwischen den Antipoden: Betonung des Eigenen und Abgrenzung von Anderen – je fragiler die eigene Identität, desto stärker die Abgrenzung (das kennt man ja von unappetitlichen politischen Gruppierungen und grenznahen Stämmen).

hofmark_44Zukunft beruht schließlich auch auf Herkunft – und hier kommt unweigerlich der Begriff der Heimat ins Spiel. Heimat ist das Epizentrum der Emotionen, in ihr verschränken sich persönliche und kollektive Identität. Ein – historisch lange negativ besetzter – Begriff wird in einer global vernetzten Gesellschaft immer mehr rehabilitiert und neu aufgeladen als Lebensraum, der einem Zuhause ist und Identifikation bietet.

Je vielfältiger Europa wird, desto wichtiger wird es für die einzelnen Regionen, die eigenen Stärken herauszufiltern, sich zu differenzieren – in ihrer Alltagskultur, ihrem way of life, in ihrer Produkt-Semantik, kurz in ihrer Profilierung. Und so erleben wir ein teils originär-pfiffiges, teils bloß von Branding getriebenes Upcycling und Recycling regionaler Kulturen.

DSC_0922Im besten Fall aber gelingt ein produktives Mixen von Tradition und Moderne, mit dem uns die Kreativwirtschaft, die Touristiker, die Handwerker und Genussmittel-Hersteller überraschen… Regionale Identität (= Marke) dient nicht nur der Resilienz, sie wird zum Hebel der Regional-Entwicklung, stärkt lokale Wertschöpfungs-Netze und erhöht das soziale Kapital.

Damit die Region aber nicht zum Firewall vor der Moderne degeneriert und in allem Neuen gleich Trojaner sieht, die es abzuwehren gilt, muss sie sich nicht nur wirtschaftlich und touristisch öffnen, sondern vor allem mental. Moderne Gesellschaften sind nur dann langfristig erfolgreich, wenn sie kulturelle Diversität pflegen. Oder, wie es eine kluge Studie der Bertelsmann Stiftung (‚Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt‘) formuliert: „Moderne Gesellschaften beruhen nicht auf Solidarität, die aus Ähnlichkeit erwächst, sondern auf Solidarität, die auf Verschiedenheit und gegenseitiger Abhängigkeit fußt.“

???????????????????????????????Dieser Beitrag fasst einen Vortrag zusammen, den Andreas Reiter vor kurzem  zum Thema „Identität und Region“ in Wiltz/Luxemburg hielt, anlässlich der Gründung der dortigen EU-Leader-Region Éislek.

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Sharing City: warum die urbane Beteiligungskultur zunimmt

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Ist die glückliche Stadt eine die teilt? Ja. Die Sharing City hegt und pflegt ihr soziales Kapital und entwickelt mit ihrer Schwarm-Intelligenz Orte von kleinräumiger Lebensqualität. Öffentliche Räume sind immer auch soziale Räume, wo sich Beziehungen entfalten können.

Die flüssige Ökonomie des frühen 21. Jahrhunderts beruht auf den Kerntugenden der digitalen Gesellschaft – Vernetzung und Kollaboration. In diesem Sinn sind auch städtische Akteure Teil eines beweglichen Ökosystems, in dem die soziale und ökonomische Wertschöpfung verstärkt partizipativ erfolgt. In unseren Städten wächst denn auch eine (nicht selten kreative) Beteiligungskultur, die Verwaltung und Bürger, Wirtschaft und Konsumenten vernetzt.

IMG_2644Der partizipative Wertewandel ist längst in der breiten Bevölkerung angekommen. So wollen 76 Prozent aller (deutschen) BürgerInnen und 75 Prozent der EntscheiderInnen, dass die Bevölkerung bei wichtigen Fragen zu öffentlichen Themen mitredet und ihre Positionen darlegt, bevor die Politik entscheidet (Quelle: Bertelsmann Stiftung, „Partizipation im Wandel… Städte im Fokus“). Keine Frage, die Macht der Crowd, der interaktive Virus verändern das atmosphärische Design der Stadt und die städtischen Gestaltungs-Prozesse. Diese Beteiligung hat aber – das muss klar gesagt werden – auch ihre strategischen (in jedem Einzelfall speziell auszulotenden) Grenzen in einer Demokratie, in der gewählte Repräsentanten eine finale Entscheidung treffen müssen.

Fact ist, die virale Beteiligungs-Kultur verändert das Gewebe der Stadt - von Nachbarschafts-Projekten über Stadtentwicklung bis hin zur Stärkung lokaler Ökonomien (CoWorking Spaces etc.), von der blühenden Sharing Economy (Repair Cafés, Food Sharing etc.) und Social Business-Modelle bis hin zu (umstrittenen) touristischen Formen des Teilens wie AirBnb und Uber.

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Better Neighbourhood

Aus passiven Stadt-Konsumenten werden aktive Stadt-Prosumenten, die sich den öffentlichen Raum erobern und diesen – also ihr unmittelbares Lebensumfeld – gemeinsam mit anderen (mit) entwickeln wollen. Diese Partizipationsmuster sind nicht mehr umzukehren, sie sind die Grundmelodie einer digital vernetzten Gesellschaft, die (konditioniert durchs Internet) auch ihre physische Realität und ihre Lebensräume selbst mitgestalten will.

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Für die Stadt-Politik ist dieses partizipative Muster nicht immer einfach zu handhaben – Konflikte unter den Akteuren sind vorprogrammiert. Kluge Verwaltungen (und davon gibt es immer mehr) sind agil und reagieren proaktiv - wenn ein Baum gefällt wird, hängt die Stadt vorsorglich eine Informationstafel an den betreffenden Ort, dass der Baum aus Krankheitsgründen leider ausgetauscht werden muss und morgen um 10.30 ein neuer gepflanzt wird…

Das Hauptmotiv der Bürgerbeteiligung liegt m.A.n. in einem legitimen Bedürfnis: jenem nach Akzentuierung städtischer Lebensqualität. Das Lokale, die eigene Nachbarschaft, erhalten eine aufgeladene emotionale Bedeutung in einer „Welt der Nicht-Orte“, die (so der Anthropologe Marc Augé) „keine Identität stiften, keine gemeinsame Erinnerung erzeugen und keine sozialen Beziehungen schaffen.“ Diese Orte „des kollektiven Identitätsverlusts” (die es in jeder Stadt gibt) werden nun aber nicht mehr einfach so hingenommen – nein, sie wollen verbessert, verschönert und mit Leben beseelt werden – es muss ja nicht gleich Urban Knitting sein (wo Laternenpfähle biedermeierlich mit Strickwaren behübscht werden).

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Allerorts engagieren sich Bürger für das „Common Good“, kämpfen für die Aufwertung städtischer Lebensräume (diese sollen naturgemäß leistbar, sozial und ökologisch verträglich sein). Viele Stadtbewohner wehren sich in Initiativen gegen die „da oben“, die nun langsam erkennen, dass aus dem Bürger, dem verwalteten Objekt, ein nun handelndes Subjekt geworden ist. Im Gegensatz zu den historischen 68ern sind die Aufbegehrenden heute keine freien Radikalen, sondern arrivierte Bürger aus der gesellschaftlichen Mitte.

Logo-Stadtisten_klein_rgbDa picknicken am Sonntag Menschen wie du und ich auf Stuttgarter Plätzen und diskutieren ihre Ideen zur Stadtgestaltung, verfassen das Stadtistische Manifest („Stadtisten sind keine Statisten. Statisten stehen am Rand oder im Hintergrund des Geschehens – Stadtisten wollen ins Zentrum der politischen Gestaltung”). Dort kippen Bürger in Jena in einer Bürgerbefragung mehrheitlich die Pläne zur Bebauung des zentralen Eichplatzes und entwickeln störrisch eine eigene Vision von innerstädtischer Lebensqualität.

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Das soziale Kapital treibt bunte Blüten – es ist ein Asset einer lebendigen Stadtkultur. In Rosenheim und anderen bayerischen Städten gestalten Architekten – vom Bund gefördert – kreative „Stadtoasen“, schaffen gemeinsam mit Jugendlichen soziale Aktionsräume für eben diese (oft vernachlässigte) Gruppe, in Hamburg turnen Arbeitslose und Manager gemeinsam im Park (Green Gym) und legen Beete an – inzwischen schicken Firmen wie Tchibo oder Ergo ihre Mitarbeiter in den Park. In Innsbruck belebt Die Bäckerei – eine Kulturbackstube – den städtischen Raum, entwickelt experimentelle, hybride Orte (wo sich Arbeit und Freizeit vermischen), z.B. Coworking-Spaces. Letztere werden ja inzwischen auch von kommunaler Seite als Instrument der Aufwertung von Immobilien und maroder innerstädtischer Zonen eingesetzt.

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„Wir sind die Stadt“ ist allerorts das interaktive Leitmotiv: und so malen biedere Hausfrauen und honorige Gewerbetreibende über Nacht einen Zebrastreifen als sicheren Übergang aufs Pflaster ihrer Straße, oder es finanzieren Bewohner lokale Crowdfunding-Projekte in ihrer Nachbarschaft (eine Fußgängerbrücke in Rotterdam, ein Pool im Hudson River, New York usf.). Es ist nicht nur das Unbehagen der Stadtbürger gegen wachsende soziale Ungleichheit und politische Missstände (von San Francisco über Istanbul bis Hongkong), es ist in unseren Breiten vor allem das Bedürfnis, das eigene Wohlergehen verantwortungsvoll mit dem kollektiven zu verbinden. Shared City eben.

 

Andreas Reiter hielt vor kurzem bei einer Tagung von Stadtmarketing Austria einen Vortrag zum Thema “Urbane Beteiligungstrends” http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20141007_OTS0040/beteiligungstrends-und-kollaborative-beziehungen-in-staedten-bild

Links zu interessanten städtischen Initiativen (jeweils auch Foto-Credits):

http://www.diebaeckerei.at/

http://www.die-stadtisten.de/

http://www.jenapolis.de/

http://www.stadtoasen-rosenheim.de/

http://www.heilendestadt.de

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Gardening – das letzte Glück der Postmoderne

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Das Glück des postmodernen Städters ruht auf drei Pfeilern: Sex, Social Cooking und – Gärtnern. Alle drei haben mit Genuss zu tun, wobei Gärtnern wohl das langlebigste Vergnügen ist.

Über 45 Millionen Deutsche bewirtschaften einen eigenen Garten, 150.000 Kleingartenvereine gibt’s im Geburtsland des Schrebergartens, in Österreich wiederum werden rund 40.000 Kleingärten gehegt und gepflegt. Nein, nicht nur bierbäuchige Gartenzwerg-Karrikaturen schlurfen durch diese Psychotope, auch immer mehr junge Familien aus urbanen Leitmilieus bevölkern Lauben und grüne Lungen.

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Die boomende Gardening-Bewegung kennt viele Ausprägungen – ob das Züchten der eigenen Pimientos auf dem Balkon, ob verwinkelter Bauerngarten hinterm Haus, ob cool designte Landschaftsgärten, militärisch gestutzte Buchshecken oder das Guerilla Gardening, bei dem sich Nachbarn wie du und ich Brachland im städtischen Raum „untertan“ machen und den Beton zum Blühen bringen. Streuobst, ick hör dir trapsen.

P1030268_Gesellschaftskritiker rümpfen widerwillig die Nase - „Der deutsche Garten, er ist auch ein Narkotikum“ (Georg Seeßlen), die Garten-Center jubilieren und die Hipster (Achtung: Flower-Selfie mit geblümtem Bart) buchen ungerührt einen mehrsprachigen Kompost-Workshop im Nachbarschaftsgarten. Alles Schwachsinn, kleinbürgerliche Selbstverwirklichung oder gar antikapitalistischer Reflex im Szeneviertel?

Sowohl als auch. In einer städtischen Welt der „Nicht-Orte“ (Marc Augé) ndelt der eigene Garten zahlreiche antizivilisatorische Sehnsüchte. Er ist nicht nur eine Insel der Entschleunigung inmitten einer nervösen Pop up-Kultur, ein Symbol des Groundings. Der Garten ist die (erdige) Antithese zum disruptiven Wachstum der digitalen Ökonomie – Pflanzen wachsen allmählich, nach eigenem Rhythmus, sie gehorchen dem Gesetz der Evolution und nicht dem der Revolution. Dieser überschaubare und – dabei nicht wirklich kalkulierbare – Lebenszyklus eines Gartens, dieser beständige Wechsel von Wachsen und Vergehen, von Blühen und Verblühen ist es, wonach sich der digitale Nomade sehnt.

2008, als die strukturelle Krise der westlichen Markt-Gesellschaft sichtbar ihren Anfang nahm, konnte man dieses Phänomen noch als Reflex gegen die Auswüchse der Wachstumsideologie abtun. Eigene Tomaten auf dem Balkon züchten, die Kräuter für das Pesto – selbst Promis brüsteten sich damals mit dieser Selbstversorgung auf der Dachterrasse.

Doch in den letzten Jahren ist der Garten raumgreifend mehr und mehr zur Ersatz-Religion geworden, zur Firewall vor Performance-Denken und konsumistischer Monokultur.  Back to earth: die eigenen Finger schmutzig machen, säen, pflegen – und irgendwann (hoffentlich) auch ernten.

Der eigene (und sei er noch so kleine) Garten widerspiegelt die Sehnsucht nach wildem, ungezähmten Wachstum, nach Aufblühen der eigenen Freiheit. Der Garten ist der letzte Zufluchtsort des Städters, den dieser (außer seinem Körper via Body Design mit Piercings, Tattoos etc.) nach seinem Willen gestalten kann.

green_gymSoziale und ökologische Werte gehen in urbanen Garten-Projekten eine spannende Symbiose ein – Urban Gardening als Crowd Sourcing mit dem grünen Daumen, als grüne Landmark wie die High Line in New York, ein blühendes Beispiel für Bottom up-Initiativen und der wohl schönste grüne Catwalk weltweit. Immer mehr Häuser lassen an ihren Fassaden vertikale Gärten emporwachsen (Monsieur Blanc sei Dank), in Tokyo vermietet eine Bahngesellschaft neuerdings Gartenbeete auf dem Bahnhofsdach - an Pendler, die sich dort gärtnernd von anstrengenden Zugfahrten erholen können. In London gibt es an an einer Buslinie mehrere „essbare Gärten“ (eingetragene Marke: ‘The Edible Bus Stop’). Und dass Fitness im Park (Green Gym) angenehm zielführender ist als im Studio, spricht sich auch herum. Naturräume haben bekanntlich eine regenerative Wirkung und reduzieren Stress.

DSC_0153Die Postmoderne lebt von und mit Paradoxien. Eine davon lautet: die Stadt von morgen wird grüner, Stadt und Natur verschmelzen immer mehr. Es ist in der Tat ein Zeichen des guten Lebens, wenn man abends seine Pflanzen auf dem Balkon gießt, ihnen beim Wachsen zusieht und zufrieden in den Himmel über den Dächern der Stadt schaut. Oder wie Hanno Rauterberg in seinem klugen Buch „Wir sind die Stadt“ schrieb: „Wer gärtnert, lebt in Erwartung“.

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Flow oder die selektive Geschwindigkeit

slow_1Sommer ist’s, Haupturlaubszeit. Es ist die große Stunde der Entschleunigungs-Apostel und Gesellschaftskritiker, die zur Muße aufrufen, zum Mut zur Faulheit, zum Ausstieg auf Zeit. Unsere hyper-nervöse Gesellschaft, stets am Rande des Burn-Out, soll nun (und sei es nur für zwei Wochen) alles eine Spur langsamer machen als gewohnt. Oder am besten gar nichts. Die Zeitverschwendung, von Max Weber einst als kapitalistische Todsünde gebrandmarkt, wird zur Heilsleere. „Ich gründe eine Müßig-Gang… Alles, was man machen könnte, mach ich nicht“, gibt Judith Holofernes in einem Song den politisch korrekten Takt der Müßig-Gänger an. Happy Summertime.

Die Botschafter der „reinen Leere“ verkünden, dass nur der produktiv sein kann, der sich im Urlaub vom Alltags-Müll befreit und von allen (digitalen wie analogen) Übeln der Zivilisation quasi entleert. Sommerloch gewissermaßen. Man muss kein Zen-Liebhaber sein, um diesen Gedanken charmant (und gleichzeitig albern) zu finden: die Freizeit als Container, in dem man den stressigen Alltag der Nonstop-Gesellschaft entsorgt.

Zugegeben: so viel Stress wie heute war nie. Wir haben zu viele Optionen, müssen uns ständig updaten, unsere innere (immer längere) to do-Liste abarbeiten. Das gilt auch für die Freizeit, die längst keine freie Zeit mehr ist. Doch was tun? Nichts?

slow_travelEs gibt (eine Menge) Leute, die haben für dieses Problem die richtige Lösung (ich freilich habe mit dieser Lösung ein Problem) – der gute Mensch konsumiert slow: Slow Food, Slow Fashion, Slow TV, besucht Slow Cities (ein fragwürdiges Marken-Label – ich kenne mindestens zwei Slow Cities, bei denen man sich erstmal durch eine riesige Gewerbezone am Standrand quälen muss, um dann im adretten Zentrum drei „authentische“ Handwerker und ein Lokal mit regionaler Küche zu finden).

balanceSlow ist sexy. Ich teile diese Vorliebe nicht wirklich. Nicht weil ich ein Wachstumsfetischist wäre – ich halte das rein quantitative Wachstums-Paradigma für eine Sackgasse. Und klar ist: Qualität erfordert Zeit (in Herstellung wie Konsum). Ich bin auch ein großer Anhänger von ritualisierten Auszeiten, von Pausen als unbeschriebenen Zeit-Räumen zwischen den Aktivitäten. Aber eine moralische Bewertung von schnell (=schlecht) und langsam (=gut) widerstrebt mir. Zum einen ist der Mensch adaptiv, passt sich der Umwelt an und entwickelt stets neue Kultur-Techniken und Überlebensstrategien, auch im Umgang mit der Beschleunigung (vgl. „Durch die Eisenbahn wird der Raum getötet, und es bleibt nur noch die Zeit übrig“, Heinrich Heine, 1843). Zum andern ist die Vorstellung und Aneignung von Zeit immer eng an die jeweilige Kultur angebunden (und etwa in Asien eine völlig andere als in Europa).

Der (scharfsinnige) Zeit-Soziologe Hartmut Rosa betont immer wieder, wie sehr der Zeitmangel das bestimmende Lebensgefühl unserer Hochleistungsgesellschaft ist: je effizienter wir produzieren, je stärker wir das Wachstum ankurbeln, desto mehr geraten wir unter Zeitstress. Beschleunigung wird laut Rosa dort – ich ergänze: nur dort – zum Problem, „wo sie zur Entfremdung führt, zum Selbst- und Weltverlust“.

P1030062Wenn es keine fixen Zeitfenster mehr gibt, wenn alles ineinander fließt (z.B. Arbeit und Freizeit), kommen wir mit linearen Strategien (slow oder fast) nicht weiter. Nur wer Gegensätze versöhnt (z.B. Arbeit und Freizeit), wer die Zwischenräume zwischen Eigenzeit und „Alltagszeit“ bespielt, wer zwischen Stress und Langeweile oszilliert, zwischen Geschwindigkeit und Ruhe, Standbein und Spielbein – der kommt in den Genuss des „guten Lebens“.

motobike_sai_gonZeit-Souveränität beruht auf selektiver Geschwindigkeit. Wer je mit einem Motorroller durch die Straßen von Hanoi inmitten Tausender anderer Biker geswingt ist, ein Einzelner in der Masse, der schlafwandlerisch die eigene Geschwindigkeit mit jener der Anderen synchronisiert und sich so wie ein Surfer auf den Wellen durch den Großstadt-Dschungel bewegt, der kennt dieses höchste aller Gefühle: Flow. Fließen – zwischen schnell und langsam. F(ast) + (S)low = Flow. So einfach kann das Glück sein.

Interview Andreas Reiter in der Tiroler Tageszeitung zum Thema: http://www.tt.com/lebensart/freizeit/9009410-91/andreas-reiter-es-geht-um-die-richtige-geschwindigkeit.csp

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