Feinsinnig: warum der Bregenzerwald die kultivierteste Alpenregion ist

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In unserer Aufmerksamkeits-Ökonomie spielt das Schöne eine tragende Rolle. Aber was ist Schönheit? Liegt sie tatsächlich im Auge des Betrachters, dann müsste Selfie-Queen Kim Kardashian (aktuell 43,1 Millionen Follower auf Instagram und 34,4 Millionen auf Twitter) so ziemlich eine Schönheit sein. „Ohne Verhüllung gibt es keine Schönheit“, weiß der Berliner Philosoph Byung-Chul Han (“Die Errettung des Schönen”) und demaskiert aber gleich das Gefällige, das Glatte als Schönheitsideal unserer Zeit: “Das Glatte ist die Signatur der Gegenwart. Es verbindet Skulpturen von Jeff Koons, iPhone und Brazilian Waxing miteinander.“

bregenzerwald_1Gut, also Instagram mit seiner glatten Ästhetik beiseite und auf zur Suche nach dem wahren Schönen. Ich fand es vor kurzem – analog – im Bregenzerwald in Vorarlberg.

Dieses westlichste Bundesland Österreichs besitzt, mehr als andere Alpenregionen, ein Höchstmaß an Lebenskultur sowie eine Balance harter und weicher Standortfaktoren:

  • umsichtige und zukunftsorientierte Regionalentwicklung: das dicht besiedelte Rheintal mit seinen 29 Gemeinden wird polyzentrisch und multifunktional hinsichtlich seiner Einrichtungen bespielt, mit Wachstumsachsen entlang der zur Stadt-Bahn ausgebauten Eisenbahn
  • regionale Wirtschaftskreisläufe sind hier keine Marketingblase, sondern bewährte Praxis
  • hohe Anforderungen an die Gestaltung von (individuellen wie kollektiven) Lebensräumen und an Produkt-Qualität (Manufaktur statt Industrie)
  • ein überaus geschärfter Sinn für (Alltags-)Kultur und Gemeinsinn.

adlerDas ohnehin schon bemerkenswerte Vorarlberger Streben nach Exzellenz potenziert sich im Bregenzerwald. Ob Baukunst (Holzarchitektur) oder Genussmittel (allen voran der Käse), ob gepflegte Kulturlandschaften, Kunst oder Handwerk – hier konzentriert sich mehr als anderswo die Schönheit jenseits des Gefälligen, des Glatten. Kaum eine Region weltweit verfügt über eine derartige Dichte an hochwertiger Holz-Architektur, setzt derart harmonisch alte und neue Baukultur in Beziehung, bei privaten Wohnhäusern wie bei kommunalen Bauten (Rathaus, Schulen, Feuerwehr etc.), und das noch im kleinsten Dorf.

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Handwerkskunst trifft hier auf High Tech, regionale Identität auf Weltoffenheit. Wo sonst wäre in einem kleinen Ort (wie z.B. Andelsbuch) ein Rathaus möglich, das mit seiner kühn-modernen Formensprache in jedem skandinavischen Szenebezirk stehen könnte. Wo sonst legen Bewohner beim Bau ihrer Häuser höchsten Wert auf handwerkliche und bauliche Stimmigkeit oder transformieren alte Bausubstanz behutsam und mutig in neue Wohnwelten. Hier ist das schöne Leben zu Hause. „Urlaub für Feinsinnige“, lautet nicht zufällig der Claim der Tourismus-Destination.

brunnenDie Schönheit des Bregenzerwaldes beruht auf einem Höchstmaß an ästhetischer Sensibilität der Bewohner. Achtsamkeit bestimmt die DNA der „Wälder“ und durchdringt jeden Lebensbereich. Nun ist ja Achtsamkeit – verstanden als Mindfulness – unter urbanen Entschleunigungs-Fetischisten („Keine Whatsapp vor dem Frühstück“) und Slow Living-Anhängern mit ihren selbstgefertigten Holzbrillen und veganen Eiscocktails gerade ziemlich angesagt. Bei den Bewohnern des Bregenzerwaldes gehört sie jedoch seit eh und je zur genetischen Grundausstattung.

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Konzentrat der kultivierten Feinsinnigkeit sind für mich die sieben Busstationen („Bushüsle“) in Krumbach. Internationale Architekten (darunter ein chinesischer Pritzker-Preisträger!) stellten hier – kostenlos und weil’s eine Ehre für sie ist, etwas beizutragen zum Dialog mit der einheimischen Baukunst – ungewöhnliche Bushaltestellen in die Landschaft. Diese Installationen gehören zum Besten, was es an narrativer Erlebnisarchitektur in Europa gibt. Ach ja, sogar das Warten (auf den Bus) hat hier mit Achtsamkeit zu tun. Einfach. Schön.

http://www.kulturkrumbach.at/

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Summer in the City

limmat_4_phoca_thumb_l_38_Start_LIM_2080 35 Grad im Schatten, Tag für Tag. Dieser Sommer hat es in sich. Wenn man gerade nicht irgendwo in Island oder im Salzkammergut als Klimaflüchtling abgetaucht ist, dann sind diese Hitzeperioden (die Statistik versteht darunter „drei oder mehr Tage in Folge mit über 30 Grad Celsius“) ein Handicap. Vor allem in den Städten. Alles geht langsamer, dysfunktionaler.

eis_2Da sind diese triefenden Hitzetage, wo man sich nachts schweißgebadet von einer Bettseite auf die andere rollt und auch tagsüber selten einen klaren Gedanken fassen kann. Tage, an denen Horden von Touristen und Einheimischen in zu kurzen Hosen und veganen Sandalen durch die Straßen schlurfen, auf der Suche nach Eiswürfel oder einem rettenden Baum. Schweißtreibende Tage, an denen man wieder mal merkt: mit leichtem Gepäck zu reisen ist klüger. Hot in the City.

sommer_park Ich liebe solche Tage. Und Städte im fetten Sommer. Denn da zeigt sich ihre wahre Qualität: haben sie genügend Grünflächen und Schatten spendende Parks? Sind sie gut durchlüftet? Sind sie nah genug am Wasser gebaut? Kann man sie locker mit dem Rad durchqueren? usf. Da zeigt sich dann auch, wie dürftig manche Städte-Rankings für „Liveable Cities“ sind (z.B. jene von Monocle) und was Städte im Sommer wirklich cool macht.

Städtische Lebensqualität ist mehr als die sattsam herunterdeklinierte Glücksformel 8/80. Klar, eine Stadt sollte für 8-Jährige wie für 80-Jährige funktionieren, sollte „walkable“ sein, also fußläufig gut durchquerbar sein, sie muss ein effizientes öffentliches Verkehrssystem ebenso wie sozialräumliche Qualitäten haben, die zu Interaktion und Kommunikation einladen usf. Und natürlich braucht sie ausreichend Grünflächen und begrünte Gebäude (Fassaden, Dachgärten etc.) sowie  Frischluftschneisen. Solche ökologischen Maßnahmen stehen inzwischen in jedem zweiten kommunalen Anti Heating-Maßnahmen-Katalog.

summer_city_02Doch gerade jetzt im Sommer merkt man: der echte urbane Hot Spot ist ein Cool Spot. Städte werden in Zukunft nicht nur grüner – sondern vor allem blauer. Die dramaturgische Bespielung von Wasser ist ein entscheidender Gradmesser von städtischer Lebensqualität, nicht nur im Kampf gegen zunehmende urbane Hitzeinseln. Begehrt sind künftig jene Städte, die ihre Wasseradern als dreidimensionalen Erlebnisraum inszenieren und nicht nur austauschbare Waterfronts anbieten mit Szenelokalen und Public Lounges.

Städte werden im wahrsten Sinn des Wortes, fluider, flüssiger.

Wasserlandschaften erzeugen einen Flow wie kaum ein anderer städtischer Raum. Der Mensch kommt aus dem Wasser, und strebt auch in seiner Freizeit dahin. Städte wie Barcelona, Vancouver oder Sydney sind nicht zufällig so begehrt und attraktiv: die Antipoden Urbanität und Natur werden hier vor allem durch das Wasser versöhnt. Alles fließt. Wer je durch Kopenhagen entlang seiner Wasserstraßen geradelt ist, weiß wovon ich rede. Der Freizeit-Konsument mit seinem hybriden Werteset („sowohl als auch“) sucht bei seinen Erlebnissen die eingebaute Erregungskurve ebenso wie die Chillout-Dosis. Wakeboard und Elektroboot. Eisbach und Gardens by the Bay. Erfolgreiche Erlebnisräume im und am Wasser aktivieren beim Kunden zwei Gefühlszonen: Serotonin (Glück) und Adrenalin (Kicks).

Neidvoll blickt man nach Zürich mit seinen wunderbaren Seebädern („Badis“) und Flußlandschaften. Die Barfussbar mit ihren abendlichen Kultur-Events ist mit das Beste, was einer europäischen Metropole passieren kann. Passend dazu hat diese Stadt ein traditionelles Sommer-Ritual: das Limmatschwimmen (bei dem die Bewohner wohlig plaudernd („Plauschschwimmen“) durch die Stadt schwimmen). Auch Basel hat ein solches Community-Ritual, das „Rheintreiben“: hier springt man ebenfalls von der Brücke und lässt sich den Rhein hinab treiben. barfussbar

Moderne Urbaniten zieht es an den Fluss. Von London über München bis Berlin entwickelt man derzeit Projekte zum Thema „Flussbaden“, Schwimmen in städtischen Flüssen. Meist sind dies Crowd Sourcing-Projekte, bottom-up-getrieben, da und dort (wie in München) hängt sich dann auch ein Bürgermeister dran, das steigert die Chancen auf Realisierung. In Berlin soll ein Flussbad am kleinen Spreekanal entstehen. An der Museumsinsel, mitten in Berlin.

Die Vorreiter haben erkannt: Städte der Zukunft ssen mit allen Wassern gewaschen sein.

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Festivals: Hochdosierte Glücksmomente

Sommernachtsgala2009-Foto_Werner_Kmetitsch5_creidtSommer ist’s und damit auch Festivalzeit. Festivals sind, wie Events, tragende Pfeiler einer erlebnisorientierten Freizeit-Kultur und eines blühenden Kultur-Tourismus. Jetzt, im Juli und August, ziehen sie uns wieder in ihren Bann, die unzähligen Theater- und Musik-Festivals. Festivals sind Fluchthelfer aus dem Alltag, rituelle Auszeiten an oft magischen Locations (ob Burgruine oder Seebühne im Schilf, wo man sich auch durch Stechmücken oder eigenwillige Operetten-Arrangements nicht in seiner Genusshaltung beirren lässt).

„Herausgehobenes Angebot“ (Franz Willnauer), herausgehobene Zeit, herausgehobener Ort – das sind die Pfeiler eines gelungenen Festivals. Keine Frage: eine Gesellschaft braucht besondere Rituale, die den Menschen aus seinem Alltagstrott heraus katapultieren. Kurze Fluchten, schnelles Glück.

Waren Festspiele ursprünglich an eine kulturelle Elite adressiert, so sprechen sie heute vielfach ein breites Publikum an, sind oft Publikum-Events und Mainstream-Magneten. Als solche gehorchen sie, mehr oder weniger, den vier Grundgesetzen der Erlebnis-Inszenierung (Entertainment, Education, Ästhetik, Alltagsflucht – wie Pine/Gilmore einst die Erlebnis-Achsen der Experience Economy vordefinierten). Premium-Events wie die Salzburger Festspiele, in denen sich der alternde Geld– und Vorstandsvorsitzenden-Adel exklusiv abfeiert, scheinen heute ebenso aus der Zeit gefallen zu sein wie der verkopfte Anspruch des deutschen Kulturphilosophen Bazon Brock: ein Festival solle eine „Zivilisationsagentur“ sein, also ein Treiber gesellschaftlicher Veränderungen.

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Festivals sind aber mehr als inspirierende Auszeiten und kulturelles Entertainment. Festivals sind für Kommunen und Regionen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, vor allem in ländlichen Regionen. Kultur ist ein – ursprünglich – weicher Standortfaktor und erhöht als solcher die Lebensqualität auch der Bewohner vor Ort. Neuere Standortuntersuchungen belegen aber, dass sich Kultur in einer innovationsgetriebenen Wissensgesellschaft zunehmend vom weichen zum harten Standortfaktor entwickeln kann. Insbesondere in wissensbasierten Regionen (die auf Hochqualifizierte angewiesen sind) ist Kultur ein wichtiges Kriterium bei der Standortwahl von Unternehmen. Ausgaben für Kultur führen zu Spill-Over-Effekten in der regionalen Wirtschaft und zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Der Return on Investment beläuft sich, so zeigen Analysen zur Umweg-Rentabilität von Festivals, auf im Schnitt 1:4 (ein investierter Euro generiert einen vierfachen Rückfluss in der regionalen Wirtschaft). Die Ansiedlung / Förderung von Festivals ist heute – Niederösterreich zeigt dies beispielhaft vor – Zeichen einer zukunftsorientierten Standortpolitik.

Auditorium fisheye_photographer Leigh Simpson_niedrig_credit_2Unbestritten ist der Image-Wert eines Festivals für den jeweiligen Standort. Festivals als Key Events sind ein nachhaltiges Instrument der Marken-Kommunikation. Sie sind Treiber der Stadt-Marke (z.B. Salzburg: „Die Bühne der Welt“) oder, wie etwa im Fall von Bregenz, ein Motor der konsistenten Entwicklung der Stadt zur „Kultur- und Festspielstadt“ und stimulieren damit weitere Kulturprojekte vor Ort („Creating a City through Events“).

Der Positionierungs-Druck auf Festivals nimmt jedoch stark zu. Die Festival-Landschaft in Europa ist heute so dicht wie noch nie – allein in Deutschland gibt es rund 500 Musik-Festivals, im kleinen Burgenland kommt man rund um den Neusiedlersee auf bald mehr Sommer-Festivals als Mückenstiche. Die Umweltbedingungen aber werden schwieriger, ob rückläufige Subventionen der öffentlichen Hand oder selektives Sponsoring von Unternehmen.

Festivals müssen sich daher als herausragendes Marken-Erlebnis differenzieren. Im Wettbewerb um Aufmerksamkeit geht es um die Etablierung eines Alleinstellungs-Merkmals und somit um Einzigartigkeit (Uniqueness) hinsichtlich Location (z.B. die „größte Seebühne der Welt“), Programmation und ganzheitliche Erlebnis-Inszenierung.

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Erfolgreiche Festivals betreiben Mood Management erster Güte und inszenieren ein ganzheitliches Erlebnis, das rund um die Bühne ein (markenzentriertes) Feuerwerk an ästhetischen und kulinarischen Genüssen entfacht. Unerreicht ist hier das englische Glyndebourne („Genussvolle Pause“): Gäste, die in festlicher Abendrobe bei Champagner und mit Picknickkörben zwischen Schafen sitzen und an Rosenstöcken vorbei wandeln… und dann im Saal nebenan herausragende Opernaufführungen genießen. Britische Lässigkeit, Country-Style und höchster Kunstgenuss in einem.

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Aber auch Österreich spielt in der ersten Liga der Festival-Inszenierung. In Grafenegg / Niederösterreich z.B. wird ebenfalls auf kultivierte und doch lässige Weise ein Ausnahmezustand inszeniert. Glück auf Zeit entsteht hier in einzigartiger Kulisse und bei anspruchsvollen Klängen. Das Musikerlebnis ist in ein außergewöhnliches Setting eingebettet: die Bühne inmitten des weitläufigen Schlossparks („32 Hektar Klassik“), der gelungene Mix von futuristischem Wolkenturm und altem Schloss, von Picknick auf der Wiese und Cocktail in der cool designten neuen Bar Wolke 7… Beeindruckendes Place Making und magische Momente, die den „Staub des Alltags“ weit weg pusten.

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Urban Selfie – die Stadt der Zukunft

riverside_1 Bevor wir die Zukunft der Stadt ausleuchten, gehen wir zurück in ihre Vergangenheit – Zukunft braucht Herkunft. Und diese liegt in den Genen der Nomaden, die seit jeher in kleinen Horden aus ihren unwirtlichen Lebensbedingungen hinter die schützenden Mauern der Stadt flüchteten.

Die „Arrival City“ (Doug Saunders) ist in der Tat eine anthropologische Konstante, die Stadt seit jeher Sehnsuchtsort und Landeplatz von Nomaden. Städte sind aber nicht nur Zielorte, sondern vor allem Möglichkeitsorte („Stadtluft macht frei“). Der Philosoph Peter Sloterdijk sieht im Bahnhof das Symbol dieses Ankommens – ja, aber heute haben wir es mit einer Vielzahl an Transitorten zu tun, die vielfältige Funktionen haben: ankommen, verweilen, abfahren, wiederkommen. Gerade diese Transiträume sind die Knotenpunkte einer mobilen Gesellschaft, hier verdichten sich Menschen und Waren, Informationen und Gefühle. In einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft werden diese „Dritten Orte“ (Airports, Stadien, Malls, U-Bahnstationen usf.) wichtiger, als stark frequentierte Räume der physischen Begegnung.

Peter Sloterdijk beschreibt die Stadt als „Eifersuchts-Generator“. Dieses poetologische Bild aufgreifend, würde ich den Begriff Eifersucht durch „Eitelkeiten“ ersetzen und diesen durch „Identitäten“– die Stadt ist ein Spielplatz der Eitelkeiten, eine Manifestation unterschiedlichster Identitäten, eine Selfie-MaschineErfolgreiches Stadt-Marketing domestiziert nun all die Eitelkeiten der städtischen Anspruchsgruppen (Bürger, Investoren, Politiker etc.) oder versucht sie zumindest auszubalancieren. Die Stadt der Zukunft wirft – das zeigen auch die Beiträge auf diesem Kongress – drei große Themenkreise auf:

  • Die soziale Stadt
  • Die Stadt und ihre Lebensqualität
  • Das Bild der Stadt (Urban Branding).

kopenhagen_maria_11 Die soziale Stadt

Stadt ist von jeher Vielfalt, Diversität. Nur Städte, die kulturelle Vielfalt leben und weiter entwickeln, sind in einer globalen Gesellschaft überlebensfähig. Diversität ist ein Zeichen von urbaner Resilienz, von Krisenfestigkeit. In einer flüssigen Stadtgesellschaft ist das soziale Kapital eine entscheidende Größe. Man muss kein Sozialromantiker sein – aber der partizipative Wertewandel ist evident: 76% der Bürger und 75% der Entscheider in Deutschland wollen „bei wichtigen Fragen mitreden“ (Quelle: Bertelsmann Stiftung). Aus passiven Stadt-Konsumenten werden aktive Mitgestalter („Wir sind die Stadt“). Dazu gehören blühende Social Business-Aktivitäten, Crowd Sourcing usf. Stadtkultur ist vernetzte Bürgerkultur. Einer von oben verordneten „Bürgerbeteiligung“ hält der Stadtplaner Klaus Selle zu Recht den „Eigen-Sinn“ entgegen, die Partizipation „auf Augenhöhe“ sowie die Selbstorganisation der Stadt-Akteure.

Die Stadt und ihre Lebensqualität

20140420_192933Lebensqualität ist das Betriebssystem einer Stadt, der Feel Good-Faktor ihre heimliche Leitwährung. Dazu gehören sozialräumliche und atmosphärische Qualitäten, die den lokalen Spirit übersetzen und Sehnsüchte wie Wünsche bündeln. Auf der operativen Ebene erfordert dies seitens der Städte ein smartes Touchpoint-Management (Kunden-Kontaktpunkte), Erlebnisräume, die zu Kommunikation und Inspiration einladen, neue (kuratierte) Handelsformate, die zum Shopping verführen etc.

Im Kern geht es, ich wiederhole mich da immer wieder gerne, um die Verwandlung von (austauschbaren) Nicht-Orten in (attraktive) Orte, um eine Balanced City. Wenn etwas städtische Lebensqualität symbolisiert, dann ist es ein lebendiger, offener (Stadt-)Platz, die Piazza, die Agora etc. Dieser Marktplatz der Ideen, Waren und Konspiration ist die Herzkammer der Stadt-Gesellschaft – sie wird in einer digitalen Gesellschaft noch wichtiger. Der Platz ist das wichtigste städtische Kulturgut.

piran_platz_2 Das Bild der Stadt

Wer macht das Bild der Stadt? Die Bürger oder die Stadt-Marketer? Gibt es eine verbindliche Identität in diesem flüssigen Ökosystem? Kann man Städte branden? Meine Position dazu ist bekannt: jeder Organismus hat seinen genetischen Code, die Kleinstadt ebenso wie die Metropole. Städtische Komplexität lässt sich in der Marken-Profilierung wunderbar reduzieren. Unter der einen Dachmarke aber gilt es all die vielen kleinräumigen Identitäten (Achtel statt Viertel) zu beherbergen und zu akzentuieren. Lokale Mikro-Brands, die die Vielfalt der Stadt widerspiegeln.

IMG_2515 Und welche Rolle hat in diesem komplexen Geflecht das Stadtmarketing von morgen? Stadtmarketer sind Agenten des Wandels und als solche multifunktionale Helden: Community-Manager, Dompteure der Eitelkeiten, Standort-Entwickler im Konjunktiv. Insofern passt der Begriff des „Urban Curators“, wie ihn der Designtheoretiker Friedrich von Borries in die Debatte wirft, wunderbar. Der Stadt-Marketer als Kümmerer, als Kurator, der mit seiner Expertise und seinem sozialen Geschick die städtischen Puzzlesteine zusammenfügt und strategisch in Beziehung setzt…

stadt_bremenDieser Beitrag fasst einen Vortrag von Andreas Reiter zusammen, mit dem er vor kurzem auf dem Deutschen Stadtmarketingtag 2015 in Bremen Aussagen der anderen Referenten (Peter Sloterdijk, Klaus Selle, Friedrich von Borries, Christoph Burmann u.a.) kommentierte und mit seinem Ausblick auf die Zukunft verband.

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Smart Living – wie die Millennials leben und arbeiten

die_baeckerei_coworking Wir leben in einer Zeit der Umbrüche. Disruptive Technologien, hybride Märkte und vernetzte Konsumenten bilden ein dynamisches Ökosystem. Unternehmen haben es dabei auch mit einem neuen – für sie oft befremdlichen – „Betriebssystem“ zu tun: der Schwarm-Intelligenz der Generation Y.

Wie tickt diese Generation der zwischen 1980-1997 Geborenen, die weltweit in wenigen Jahren über die Hälfte der Arbeitnehmer stellt, wie lebt und wie arbeitet sie? Bei aller Inhomogenität, die es innerhalb dieser Generation gibt, lassen sich einige verbindliche Grundwerte heraus destillieren, ein generatives Mindset:

Soziale Intelligenz: Die Millennials sind digitale Sozialisten, sie teilen: Information, Erfahrungen, Produkte. Sie gehen pragmatisch mit Besitz um, nutzen häufig (nicht nur digitalisierte) Produkte anstatt sie besitzen zu wollen (Sharing Economy). Sie sind mobil vernetzt – 27 Prozent der Österreicher bis 29 Jahre sind ständig online (Quelle: Telekom Austria 2014).

Die Wissensarbeiter unter ihnen arbeiten mobil, flexible Arbeitszeiten und -Orte sind für sie ein Zeichen für Lebensqualität. Zum Austausch treffen sie sich in ihren digitalen Oasen wie Whats App, Twitter, Instragram etc., die sie auch für ihre Selbst-Inszenierung nutzen (der Selfie-Stick ist der Zauberstab einer nach sozialem Feedback hungernden Generation). Die Mehrheit arbeitet noch an fixen Arbeitsplätzen, die wachsende Zahl der projektorientierten Agenten trifft sich jedoch in Co-Working-Spaces, Cloud-Worker verdingen sich auf Online-Plattformen wie Clickworker.

IMG_2635 Die Millennials bevorzugen kooperative Organisationskulturen und flache Hierarchen, sie gehen davon aus, dass sich Wissen durch Teilen vermehrt. Kollaboration (vertikale wie horizontale) ist für sie eine Kulturtechnik auf dem Weg in eine immer komplexere Zukunft. Die eigene Peer-Gruppe fungiert dabei als Kurator und Filter von Informationen und Erfahrungen. In Zeiten der totalen Interkonnektivität fließen Informationen nicht mehr von oben nach unten, sondern zirkulär. Jeder ist Sender wie Empfänger, Netze organisieren sich selbst. Zentrum und Peripherie verschwimmen: bei den Zürcher Verkehrsbetrieben etwa bewerben sich die Chefs (mit Videoclip) bei ihren künftigen Mitarbeitern. Man mag das als Recruiting-Aktionismus abtun, aber es trifft den interaktiven Geist der Digital Natives.

housingDie Millennials (meist gut ausgebildet) mussten sich ihre Biografie von der Volksschule an in einem extrem wettbewerbsorientierten Umfeld selbst basteln – sie sind daher selbstorganisiert und treiben das Thema Intrapreneurship in den Unternehmen voran. Mehr Freiheit geht einher mit mehr Verantwortung. Ihre innere Unabhängigkeit ziehen sie nicht nur aus dem Wissen um ihre künftige demografische Alleinstellung (mehr Alte, weniger Junge), sondern auch aus dem Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Sie wissen, dass fast jede Branche automatisiert und durch Robots substituiert werden kann: Medien, Banken, Dienstleister, das Internet der Dinge schafft selbst Jobs von Hochqualifizierten ab (Rechtssoftware so manchen Juristen)… Das macht sie zu Selbst-Unternehmern in eigener Sache.

Work-Life-Blending: Die Millennials verbinden Arbeit und Privatleben auf selbstverständliche Weise (und nicht durch Management oder Gewerkschaften verordnete Work-Life-Balance). Arbeitsorte und Arbeitszeiten sind nicht mehr klar definiert – der Mobile Worker arbeitet von überall her, die Cloud ist ubiquitär, die Arbeit geht fließend über ins Privatleben. Unternehmen, die orts- und zeitunabhängiges Arbeiten und damit eine bessere Fokussierung auf das jeweils Wichtigste ermöglichen, können auf höhere Loyalität zählen.

Dem starken Leistungsdruck, dem die Millennials von Anfang an ausgesetzt waren, setzen sie das Ideal eines ausbalancierten Lebens entgegen (Arbeit und Familie, Karriere und Freizeit), sie werden dabei von „traditionellen“ Werten geleitet. Sicherheit ist den jungen Millennials wichtig – der Öffentliche Dienst (geregelte Arbeitszeiten), Wissenschaft und Kultur liegen nicht zufällig im Ranking der attraktivsten Branchen bei deutschen Studenten voran (Quelle: Ernst und Young). Die Millennial-Variante der Sicherheit heißt Flexicurity.

Die Digital Natives bewegen sich selbstverständlich 24 Stunden in der digitalen Welt. Als Agenten des Wandels treiben sie die digitale Ökonomie (disruptive Geschäftsmodelle, smart und mobil) voran. Das hindert sie keineswegs daran, Slow-Kulturen in ihrem Alltag zu integrieren und starke Sympathie für beständige Kulturtechniken wie Manufaktur, Handwerk, gesunden Genuss (Slow Food, vegan etc.) zu entwickeln.

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Werte wie Selbstverwirklichung, Suche nach Sinn etc. sind starke Leitmotive gerade auch am Arbeitsplatz. Der emotionale Trigger „Sinnsuche“ gilt laut Jugendforscher Klaus Hurrelmann für jeden Zweiten unter den jungen Arbeitnehmern. Sinnstiftende Arbeit ja, aber am Wochenende will man seine Ruhe haben. Unter den Millennials ist die Zahl intrinsisch motivierter Arbeitnehmer signifikant höher – traditionelle Incentives wie Gehaltserhöhung etc. sind nicht mehr in dem Maße wirkungsvoll (Arbeit hat für die Millennials weniger mit Status zu tun als mit persönlicher Entfaltung und Integrität). Arbeitszeit ist schließlich Lebenszeit. CIMG7706_Arbeit wird daher in verschiedenen Lebenszyklen anders definiert, das Konzept der  (lebenslangen) Vollbeschäftigung hat sich überlebt, Arbeitsphasen wechseln mit Auszeiten, mit Wiedereinstieg, prekäre Phasen mit Weiterbildung, Semi-Entrepreneurship usf…

 „Unsere Karrieren gleiten in Wellen dahin: Auf Phasen, in denen wir uns voll auf den Beruf konzentrieren, folgen Phasen, in denen wir andere Schwerpunkte setzen. Manchmal fahren wir auch weg, sehr weit weg…“ (Quelle: Kerstin Bund (2014), Glück schlägt Geld)

Gerade weil die eigene Biografie derart volatil und unsicher ist, steht für die Millennials die Frage nach Stabilität und nach dem guten Leben im Vordergrund. Unternehmen, die für das Common Good stehen und gesellschaftlich verantwortlich handeln, werden bevorzugt. Generell ist Achtsamkeit – sich selbst und der Welt gegenüber – ein hoher Wert.

Dieser Text ist die Zusammenfassung eines Vortrags, den Andreas Reiter beim Industrieforum Niederösterreich der Industriellenvereinigung hielt. http://www.iv-net.at/lg/noe/b682

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Krisenmodus & Resilienz

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So viel Unsicherheit war selten. Die Märkte sind nervös, das Wachstum in Europa mehr als fragil (anders als in den USA oder in Asien), systemische Risiken nehmen zu, vom angeschlagenen Russland über anwachsende Flüchtlingsströme bis hin zu gravierenden interkulturellen Konflikten. Keine Frage, Europa ist im institutionalisierten Krisenmodus.

Aus der Risikoforschung wissen wir, dass Menschen Unsicherheiten bedrohlicher finden als eine konkrete Gefahr (der sie ja aktiv begegnen können). Das Streben nach (ökonomischer und sozialer) Sicherheit ist somit eines der großen Leitthemen für die nächsten Jahre. Je mehr tradierte Sicherheiten wegbrechen und Optionen aufpoppen, je mehr wir unsere Komfortzonen verlassen müssen, desto stärker wird die Sehnsucht des Einzelnen nach Haltegriffen. Es ist kein Zufall (und keinesfalls nur ökonomisch zu erklären), dass in Österreich aktuell 22,6 Prozent der 25-34-Jährigen im Hotel Mama wohnen.

01Die Jungen, beruflich an Provisorien und prekäre Praktika gewöhnt, sind Synonym für eine Gesellschaft im Übergang: zaghaft tastet sich diese voran, sammelt nur langsam Kraft für (dringend notwendige) radikale strukturelle Veränderungen. Zur Sicherheit bleibt man aber lieber bei inkrementellen Verbesserungen und – im wahrsten Sinn – beim Alten. Retro. Regional. Reduktion. Man greift zu Marken, die Orientierung versprechen, zu regionalen Produkten, die Komplexität reduzieren und vor globalen Umbrüchen schützen sollen. Slow Living als Fluchthelfer aus der digitalen Moderne.

Die Frage nach dem guten Leben steht bei den Millenials im Vordergrund. Ihr Herz gewinnen Unternehmen, die für das Common Good stehen und bewirken, dass sich der Konsument nicht mehr als Benutzeroberfläche und zweibeiniges Big Data-Tool fühlt.  Gefragt sind auch Anbieter von Erlebnissen, die dem Einzelnen Distinktion ermöglichen und somit das eigene Ich (über das Selfie hinaus) stärken.

Und wo bleibt die echte Innovation? Die radikale Neuerung? Auf diese werden wir noch warten und bis dahin im veganen Fitnessstudio eine Runde drehen müssen. Der disruptive Wandel (Internet der Dinge wie 3D-Drucker, selbstfahrende Autos, Industrie 4.0 usf.) nimmt jedoch langsam aber sicher an Fahrt auf. In einer Zeit, in der das Ende der Massenproduktion eingeläutet wird, in der Produktion und Dienstleistungen immer stärker dezentralisiert und in die Hände des Kunden gelegt werden, müssen Unternehmen agiler und resilienter werden.

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Die Widerstandskraft eines Systems wächst mit ihrer Kleinteiligkeit. Kleine Organisationen können Komplexität leichter reduzieren und den Veränderungen effizient pro aktiv begegnen – wenn sie nicht abgekapselt, sondern als Teil eines größeren Systems agieren. Das Small is beautiful-Paradigma bedient nicht nur den uralten Mythos David gegen Goliath. Kleine strategische Einheiten sind robuster gegenüber Krisen und navigieren smarter durch die Zeit der großen Transformation.

Scan0019Dieser Beitrag beruht auf einem Kommentar von Andreas Reiter für das Wirtschaftsmagazin Report (01/2015)

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Schleswig-Holstein: Wo das Glück wächst

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Die markantesten Destinations-Kampagnen werden – derzeit – im hohen Norden gemacht. Island zielt mit seinem wunderbaren Story Telling Inspired by Iceland (http://www.inspiredbyiceland.com) auf die Trüffelschweine ab, die abseits der touristischen Postkartenmotive inspirierende Erlebnisse suchen. Die Kampagne Do it for Denmark des Reiseveranstalters Spies Rejser wiederum will Pärchen im Urlaub nicht nur zu erotischem Glück animieren, sondern damit auch – verbunden mit Incentives wie „Eisprung-Rabatt“ – die niedrige Geburtenrate des Landes erhöhen (https://www.youtube.com/watch?v=vrO3TfJc9Qw).

Urlaub und Glück – die Verbindung ist so alt wie die Geschichte von Adam und Eva, die einst unschuldig glücklich im Garten Eden lebten. Als sie jedoch vom Baum der Erkenntnis naschten, wurden sie aus dem Paradies vertrieben. Dieser Sündenfall, die Vertreibung aus dem Paradies markierte nicht nur den Anfang der Migration, sondern auch den Beginn der touristischen – Glückssuche.

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Seit damals suchen Menschen immer wieder diesen Garten Eden Momente des Glücks, die dem Leben Sinn und Bedeutung verleihen, ein Leuchten in den Alltag zaubern. Sigmund Freud hatte noch behauptet, Glück sei im Schöpfungsplan nicht vorgesehen – der Mann hat sich bekanntlich in vielem geirrt, er hat ja auch noch nie ein Instagram-Foto gesehen. Sonst hätte er gewusst, dass eine Branche ganz besonders das temporäre Glück stimuliert: der Tourismus.

OLYMPUS DIGITAL CAMERATouristiker verkaufen schließlich keine Betten oder Sonnenuntergänge, sie sind Fluchthelfer aus dem Alltag, zuständig für das schnelle Glück: joy. Der Neuromarketer Hans-Georg Häusel hat in seinem klugen Buch ‚Think Limbic‘ die limbischen Bausteine des schnellen Glücks der Konsumenten ausgeleuchtet, es geht dabei im Kern immer um die Emotionen:

 

  • Balance: Erlebnisse, die Sicherheit bieten, an früher (z.B. an die Kindheit etc.) erinnern
  • Stimulanz: Das Neue, Ungewohnte suchen, die Belohnung, dem Alltag zu entfliehen
  • Dominanz: etwas Besonderes erleben, das mich abhebt von den anderen (=Status-Denken).

Destinationen sind dreidimensionale Erlebnisräume, die – mit einer orchestrierten Gesamtleistung der Gastgeber – diese Glücksgefühle beim Gast hervorrufen können. Glück entsteht dabei immer zwischen den Polen Über- und Unterforderung, im Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung. Es kann ein Aufgehen in einem konzentrierten, fast rauschhaften Zustand (z.B. Extremsport, Kunst, Exstase etc.) sein, ein Flow. Es kann aber ebenso gut auch in der Langeweile liegen, verstanden als lange Weile, als Pause zwischen den Tätigkeiten, in der man Energie tankt und sich neu auflädt.

Mutter und Kind im Watt_Glückswackstumsgebiet_Copyright Getty Images_tash

Kann man Glück kaufen? Ja, in Form von Erlebnissen (in der Postmoderne längst wichtiger zur eigenen Differenzierung als Produkte)… Erlebnissen, die man – so die Glücksforschung – am besten mit anderen teilt.  Mehr noch, man kann das schnelle Glück auch zum Wachstum bringen. Wo? In Schleswig-Holstein.

Das Tourismusland im hohen Norden positioniert sich mit seiner aktuellen Kampagne als „Glückwachstumsgebiet.“ Was der dortigen Tourismusagentur TASH an finanziellen Mitteln fehlt, macht sie mit enormer Kreativität und bemerkenswerten viralen Marketingaktionen wett.  Keine gestylten Models, kein Schönwetter-Tralala, sondern kantige, nordische Vibrations. Die touristischen Glücksbringer wissen, dass das Urlaubsglück im Dreiklang erforschenmarkierenteilen liegt; und so lassen die Akteure an den (un-)gewöhnlichsten Orten Magic Moments entstehen. Und kommunizieren diese in Pink, „der flüchtigsten aller Farben“ – wissend, dass das Glück temporär und vergänglich ist. Wer so achtsam mit Glück umgeht, der hat sich das seiner Gäste mehr als verdient.

©Kampagnen-Fotos: TASH, http://www.sh-business.de/

MLI_8430_AR_Andreas Reiter hielt auf dem Tourismustag Schleswig-Holstein im Dezember 2014 einen Vortrag über Touristiker als Glücks-Dealer. Die Präsentation können Sie von unserer Website herunterladen: http://www.ztb-zukunft.com/pdf/fit_future_sh.pdf

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