Festivals: Hochdosierte Glücksmomente

Sommernachtsgala2009-Foto_Werner_Kmetitsch5_creidtSommer ist’s und damit auch Festivalzeit. Festivals sind, wie Events, tragende Pfeiler einer erlebnisorientierten Freizeit-Kultur und eines blühenden Kultur-Tourismus. Jetzt, im Juli und August, ziehen sie uns wieder in ihren Bann, die unzähligen Theater- und Musik-Festivals. Festivals sind Fluchthelfer aus dem Alltag, rituelle Auszeiten an oft magischen Locations (ob Burgruine oder Seebühne im Schilf, wo man sich auch durch Stechmücken oder eigenwillige Operetten-Arrangements nicht in seiner Genusshaltung beirren lässt).

„Herausgehobenes Angebot“ (Franz Willnauer), herausgehobene Zeit, herausgehobener Ort – das sind die Pfeiler eines gelungenen Festivals. Keine Frage: eine Gesellschaft braucht besondere Rituale, die den Menschen aus seinem Alltagstrott heraus katapultieren. Kurze Fluchten, schnelles Glück.

Waren Festspiele ursprünglich an eine kulturelle Elite adressiert, so sprechen sie heute vielfach ein breites Publikum an, sind oft Publikum-Events und Mainstream-Magneten. Als solche gehorchen sie, mehr oder weniger, den vier Grundgesetzen der Erlebnis-Inszenierung (Entertainment, Education, Ästhetik, Alltagsflucht – wie Pine/Gilmore einst die Erlebnis-Achsen der Experience Economy vordefinierten). Premium-Events wie die Salzburger Festspiele, in denen sich der alternde Geld– und Vorstandsvorsitzenden-Adel exklusiv abfeiert, scheinen heute ebenso aus der Zeit gefallen zu sein wie der verkopfte Anspruch des deutschen Kulturphilosophen Bazon Brock: ein Festival solle eine „Zivilisationsagentur“ sein, also ein Treiber gesellschaftlicher Veränderungen.

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Festivals sind aber mehr als inspirierende Auszeiten und kulturelles Entertainment. Festivals sind für Kommunen und Regionen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, vor allem in ländlichen Regionen. Kultur ist ein – ursprünglich – weicher Standortfaktor und erhöht als solcher die Lebensqualität auch der Bewohner vor Ort. Neuere Standortuntersuchungen belegen aber, dass sich Kultur in einer innovationsgetriebenen Wissensgesellschaft zunehmend vom weichen zum harten Standortfaktor entwickeln kann. Insbesondere in wissensbasierten Regionen (die auf Hochqualifizierte angewiesen sind) ist Kultur ein wichtiges Kriterium bei der Standortwahl von Unternehmen. Ausgaben für Kultur führen zu Spill-Over-Effekten in der regionalen Wirtschaft und zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Der Return on Investment beläuft sich, so zeigen Analysen zur Umweg-Rentabilität von Festivals, auf im Schnitt 1:4 (ein investierter Euro generiert einen vierfachen Rückfluss in der regionalen Wirtschaft). Die Ansiedlung / Förderung von Festivals ist heute – Niederösterreich zeigt dies beispielhaft vor – Zeichen einer zukunftsorientierten Standortpolitik.

Auditorium fisheye_photographer Leigh Simpson_niedrig_credit_2Unbestritten ist der Image-Wert eines Festivals für den jeweiligen Standort. Festivals als Key Events sind ein nachhaltiges Instrument der Marken-Kommunikation. Sie sind Treiber der Stadt-Marke (z.B. Salzburg: „Die Bühne der Welt“) oder, wie etwa im Fall von Bregenz, ein Motor der konsistenten Entwicklung der Stadt zur „Kultur- und Festspielstadt“ und stimulieren damit weitere Kulturprojekte vor Ort („Creating a City through Events“).

Der Positionierungs-Druck auf Festivals nimmt jedoch stark zu. Die Festival-Landschaft in Europa ist heute so dicht wie noch nie – allein in Deutschland gibt es rund 500 Musik-Festivals, im kleinen Burgenland kommt man rund um den Neusiedlersee auf bald mehr Sommer-Festivals als Mückenstiche. Die Umweltbedingungen aber werden schwieriger, ob rückläufige Subventionen der öffentlichen Hand oder selektives Sponsoring von Unternehmen.

Festivals müssen sich daher als herausragendes Marken-Erlebnis differenzieren. Im Wettbewerb um Aufmerksamkeit geht es um die Etablierung eines Alleinstellungs-Merkmals und somit um Einzigartigkeit (Uniqueness) hinsichtlich Location (z.B. die „größte Seebühne der Welt“), Programmation und ganzheitliche Erlebnis-Inszenierung.

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Erfolgreiche Festivals betreiben Mood Management erster Güte und inszenieren ein ganzheitliches Erlebnis, das rund um die Bühne ein (markenzentriertes) Feuerwerk an ästhetischen und kulinarischen Genüssen entfacht. Unerreicht ist hier das englische Glyndebourne („Genussvolle Pause“): Gäste, die in festlicher Abendrobe bei Champagner und mit Picknickkörben zwischen Schafen sitzen und an Rosenstöcken vorbei wandeln… und dann im Saal nebenan herausragende Opernaufführungen genießen. Britische Lässigkeit, Country-Style und höchster Kunstgenuss in einem.

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Aber auch Österreich spielt in der ersten Liga der Festival-Inszenierung. In Grafenegg / Niederösterreich z.B. wird ebenfalls auf kultivierte und doch lässige Weise ein Ausnahmezustand inszeniert. Glück auf Zeit entsteht hier in einzigartiger Kulisse und bei anspruchsvollen Klängen. Das Musikerlebnis ist in ein außergewöhnliches Setting eingebettet: die Bühne inmitten des weitläufigen Schlossparks („32 Hektar Klassik“), der gelungene Mix von futuristischem Wolkenturm und altem Schloss, von Picknick auf der Wiese und Cocktail in der cool designten neuen Bar Wolke 7… Beeindruckendes Place Making und magische Momente, die den „Staub des Alltags“ weit weg pusten.

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Urban Selfie – die Stadt der Zukunft

riverside_1 Bevor wir die Zukunft der Stadt ausleuchten, gehen wir zurück in ihre Vergangenheit – Zukunft braucht Herkunft. Und diese liegt in den Genen der Nomaden, die seit jeher in kleinen Horden aus ihren unwirtlichen Lebensbedingungen hinter die schützenden Mauern der Stadt flüchteten.

Die „Arrival City“ (Doug Saunders) ist in der Tat eine anthropologische Konstante, die Stadt seit jeher Sehnsuchtsort und Landeplatz von Nomaden. Städte sind aber nicht nur Zielorte, sondern vor allem Möglichkeitsorte („Stadtluft macht frei“). Der Philosoph Peter Sloterdijk sieht im Bahnhof das Symbol dieses Ankommens – ja, aber heute haben wir es mit einer Vielzahl an Transitorten zu tun, die vielfältige Funktionen haben: ankommen, verweilen, abfahren, wiederkommen. Gerade diese Transiträume sind die Knotenpunkte einer mobilen Gesellschaft, hier verdichten sich Menschen und Waren, Informationen und Gefühle. In einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft werden diese „Dritten Orte“ (Airports, Stadien, Malls, U-Bahnstationen usf.) wichtiger, als stark frequentierte Räume der physischen Begegnung.

Peter Sloterdijk beschreibt die Stadt als „Eifersuchts-Generator“. Dieses poetologische Bild aufgreifend, würde ich den Begriff Eifersucht durch „Eitelkeiten“ ersetzen und diesen durch „Identitäten“– die Stadt ist ein Spielplatz der Eitelkeiten, eine Manifestation unterschiedlichster Identitäten, eine Selfie-MaschineErfolgreiches Stadt-Marketing domestiziert nun all die Eitelkeiten der städtischen Anspruchsgruppen (Bürger, Investoren, Politiker etc.) oder versucht sie zumindest auszubalancieren. Die Stadt der Zukunft wirft – das zeigen auch die Beiträge auf diesem Kongress – drei große Themenkreise auf:

  • Die soziale Stadt
  • Die Stadt und ihre Lebensqualität
  • Das Bild der Stadt (Urban Branding).

kopenhagen_maria_11 Die soziale Stadt

Stadt ist von jeher Vielfalt, Diversität. Nur Städte, die kulturelle Vielfalt leben und weiter entwickeln, sind in einer globalen Gesellschaft überlebensfähig. Diversität ist ein Zeichen von urbaner Resilienz, von Krisenfestigkeit. In einer flüssigen Stadtgesellschaft ist das soziale Kapital eine entscheidende Größe. Man muss kein Sozialromantiker sein – aber der partizipative Wertewandel ist evident: 76% der Bürger und 75% der Entscheider in Deutschland wollen „bei wichtigen Fragen mitreden“ (Quelle: Bertelsmann Stiftung). Aus passiven Stadt-Konsumenten werden aktive Mitgestalter („Wir sind die Stadt“). Dazu gehören blühende Social Business-Aktivitäten, Crowd Sourcing usf. Stadtkultur ist vernetzte Bürgerkultur. Einer von oben verordneten „Bürgerbeteiligung“ hält der Stadtplaner Klaus Selle zu Recht den „Eigen-Sinn“ entgegen, die Partizipation „auf Augenhöhe“ sowie die Selbstorganisation der Stadt-Akteure.

Die Stadt und ihre Lebensqualität

20140420_192933Lebensqualität ist das Betriebssystem einer Stadt, der Feel Good-Faktor ihre heimliche Leitwährung. Dazu gehören sozialräumliche und atmosphärische Qualitäten, die den lokalen Spirit übersetzen und Sehnsüchte wie Wünsche bündeln. Auf der operativen Ebene erfordert dies seitens der Städte ein smartes Touchpoint-Management (Kunden-Kontaktpunkte), Erlebnisräume, die zu Kommunikation und Inspiration einladen, neue (kuratierte) Handelsformate, die zum Shopping verführen etc.

Im Kern geht es, ich wiederhole mich da immer wieder gerne, um die Verwandlung von (austauschbaren) Nicht-Orten in (attraktive) Orte, um eine Balanced City. Wenn etwas städtische Lebensqualität symbolisiert, dann ist es ein lebendiger, offener (Stadt-)Platz, die Piazza, die Agora etc. Dieser Marktplatz der Ideen, Waren und Konspiration ist die Herzkammer der Stadt-Gesellschaft – sie wird in einer digitalen Gesellschaft noch wichtiger. Der Platz ist das wichtigste städtische Kulturgut.

piran_platz_2 Das Bild der Stadt

Wer macht das Bild der Stadt? Die Bürger oder die Stadt-Marketer? Gibt es eine verbindliche Identität in diesem flüssigen Ökosystem? Kann man Städte branden? Meine Position dazu ist bekannt: jeder Organismus hat seinen genetischen Code, die Kleinstadt ebenso wie die Metropole. Städtische Komplexität lässt sich in der Marken-Profilierung wunderbar reduzieren. Unter der einen Dachmarke aber gilt es all die vielen kleinräumigen Identitäten (Achtel statt Viertel) zu beherbergen und zu akzentuieren. Lokale Mikro-Brands, die die Vielfalt der Stadt widerspiegeln.

IMG_2515 Und welche Rolle hat in diesem komplexen Geflecht das Stadtmarketing von morgen? Stadtmarketer sind Agenten des Wandels und als solche multifunktionale Helden: Community-Manager, Dompteure der Eitelkeiten, Standort-Entwickler im Konjunktiv. Insofern passt der Begriff des „Urban Curators“, wie ihn der Designtheoretiker Friedrich von Borries in die Debatte wirft, wunderbar. Der Stadt-Marketer als Kümmerer, als Kurator, der mit seiner Expertise und seinem sozialen Geschick die städtischen Puzzlesteine zusammenfügt und strategisch in Beziehung setzt…

stadt_bremenDieser Beitrag fasst einen Vortrag von Andreas Reiter zusammen, mit dem er vor kurzem auf dem Deutschen Stadtmarketingtag 2015 in Bremen Aussagen der anderen Referenten (Peter Sloterdijk, Klaus Selle, Friedrich von Borries, Christoph Burmann u.a.) kommentierte und mit seinem Ausblick auf die Zukunft verband.

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Smart Living – wie die Millennials leben und arbeiten

die_baeckerei_coworking Wir leben in einer Zeit der Umbrüche. Disruptive Technologien, hybride Märkte und vernetzte Konsumenten bilden ein dynamisches Ökosystem. Unternehmen haben es dabei auch mit einem neuen – für sie oft befremdlichen – „Betriebssystem“ zu tun: der Schwarm-Intelligenz der Generation Y.

Wie tickt diese Generation der zwischen 1980-1997 Geborenen, die weltweit in wenigen Jahren über die Hälfte der Arbeitnehmer stellt, wie lebt und wie arbeitet sie? Bei aller Inhomogenität, die es innerhalb dieser Generation gibt, lassen sich einige verbindliche Grundwerte heraus destillieren, ein generatives Mindset:

Soziale Intelligenz: Die Millennials sind digitale Sozialisten, sie teilen: Information, Erfahrungen, Produkte. Sie gehen pragmatisch mit Besitz um, nutzen häufig (nicht nur digitalisierte) Produkte anstatt sie besitzen zu wollen (Sharing Economy). Sie sind mobil vernetzt – 27 Prozent der Österreicher bis 29 Jahre sind ständig online (Quelle: Telekom Austria 2014).

Die Wissensarbeiter unter ihnen arbeiten mobil, flexible Arbeitszeiten und -Orte sind für sie ein Zeichen für Lebensqualität. Zum Austausch treffen sie sich in ihren digitalen Oasen wie Whats App, Twitter, Instragram etc., die sie auch für ihre Selbst-Inszenierung nutzen (der Selfie-Stick ist der Zauberstab einer nach sozialem Feedback hungernden Generation). Die Mehrheit arbeitet noch an fixen Arbeitsplätzen, die wachsende Zahl der projektorientierten Agenten trifft sich jedoch in Co-Working-Spaces, Cloud-Worker verdingen sich auf Online-Plattformen wie Clickworker.

IMG_2635 Die Millennials bevorzugen kooperative Organisationskulturen und flache Hierarchen, sie gehen davon aus, dass sich Wissen durch Teilen vermehrt. Kollaboration (vertikale wie horizontale) ist für sie eine Kulturtechnik auf dem Weg in eine immer komplexere Zukunft. Die eigene Peer-Gruppe fungiert dabei als Kurator und Filter von Informationen und Erfahrungen. In Zeiten der totalen Interkonnektivität fließen Informationen nicht mehr von oben nach unten, sondern zirkulär. Jeder ist Sender wie Empfänger, Netze organisieren sich selbst. Zentrum und Peripherie verschwimmen: bei den Zürcher Verkehrsbetrieben etwa bewerben sich die Chefs (mit Videoclip) bei ihren künftigen Mitarbeitern. Man mag das als Recruiting-Aktionismus abtun, aber es trifft den interaktiven Geist der Digital Natives.

housingDie Millennials (meist gut ausgebildet) mussten sich ihre Biografie von der Volksschule an in einem extrem wettbewerbsorientierten Umfeld selbst basteln – sie sind daher selbstorganisiert und treiben das Thema Intrapreneurship in den Unternehmen voran. Mehr Freiheit geht einher mit mehr Verantwortung. Ihre innere Unabhängigkeit ziehen sie nicht nur aus dem Wissen um ihre künftige demografische Alleinstellung (mehr Alte, weniger Junge), sondern auch aus dem Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Sie wissen, dass fast jede Branche automatisiert und durch Robots substituiert werden kann: Medien, Banken, Dienstleister, das Internet der Dinge schafft selbst Jobs von Hochqualifizierten ab (Rechtssoftware so manchen Juristen)… Das macht sie zu Selbst-Unternehmern in eigener Sache.

Work-Life-Blending: Die Millennials verbinden Arbeit und Privatleben auf selbstverständliche Weise (und nicht durch Management oder Gewerkschaften verordnete Work-Life-Balance). Arbeitsorte und Arbeitszeiten sind nicht mehr klar definiert – der Mobile Worker arbeitet von überall her, die Cloud ist ubiquitär, die Arbeit geht fließend über ins Privatleben. Unternehmen, die orts- und zeitunabhängiges Arbeiten und damit eine bessere Fokussierung auf das jeweils Wichtigste ermöglichen, können auf höhere Loyalität zählen.

Dem starken Leistungsdruck, dem die Millennials von Anfang an ausgesetzt waren, setzen sie das Ideal eines ausbalancierten Lebens entgegen (Arbeit und Familie, Karriere und Freizeit), sie werden dabei von „traditionellen“ Werten geleitet. Sicherheit ist den jungen Millennials wichtig – der Öffentliche Dienst (geregelte Arbeitszeiten), Wissenschaft und Kultur liegen nicht zufällig im Ranking der attraktivsten Branchen bei deutschen Studenten voran (Quelle: Ernst und Young). Die Millennial-Variante der Sicherheit heißt Flexicurity.

Die Digital Natives bewegen sich selbstverständlich 24 Stunden in der digitalen Welt. Als Agenten des Wandels treiben sie die digitale Ökonomie (disruptive Geschäftsmodelle, smart und mobil) voran. Das hindert sie keineswegs daran, Slow-Kulturen in ihrem Alltag zu integrieren und starke Sympathie für beständige Kulturtechniken wie Manufaktur, Handwerk, gesunden Genuss (Slow Food, vegan etc.) zu entwickeln.

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Werte wie Selbstverwirklichung, Suche nach Sinn etc. sind starke Leitmotive gerade auch am Arbeitsplatz. Der emotionale Trigger „Sinnsuche“ gilt laut Jugendforscher Klaus Hurrelmann für jeden Zweiten unter den jungen Arbeitnehmern. Sinnstiftende Arbeit ja, aber am Wochenende will man seine Ruhe haben. Unter den Millennials ist die Zahl intrinsisch motivierter Arbeitnehmer signifikant höher – traditionelle Incentives wie Gehaltserhöhung etc. sind nicht mehr in dem Maße wirkungsvoll (Arbeit hat für die Millennials weniger mit Status zu tun als mit persönlicher Entfaltung und Integrität). Arbeitszeit ist schließlich Lebenszeit. CIMG7706_Arbeit wird daher in verschiedenen Lebenszyklen anders definiert, das Konzept der  (lebenslangen) Vollbeschäftigung hat sich überlebt, Arbeitsphasen wechseln mit Auszeiten, mit Wiedereinstieg, prekäre Phasen mit Weiterbildung, Semi-Entrepreneurship usf…

 „Unsere Karrieren gleiten in Wellen dahin: Auf Phasen, in denen wir uns voll auf den Beruf konzentrieren, folgen Phasen, in denen wir andere Schwerpunkte setzen. Manchmal fahren wir auch weg, sehr weit weg…“ (Quelle: Kerstin Bund (2014), Glück schlägt Geld)

Gerade weil die eigene Biografie derart volatil und unsicher ist, steht für die Millennials die Frage nach Stabilität und nach dem guten Leben im Vordergrund. Unternehmen, die für das Common Good stehen und gesellschaftlich verantwortlich handeln, werden bevorzugt. Generell ist Achtsamkeit – sich selbst und der Welt gegenüber – ein hoher Wert.

Dieser Text ist die Zusammenfassung eines Vortrags, den Andreas Reiter beim Industrieforum Niederösterreich der Industriellenvereinigung hielt. http://www.iv-net.at/lg/noe/b682

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Krisenmodus & Resilienz

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So viel Unsicherheit war selten. Die Märkte sind nervös, das Wachstum in Europa mehr als fragil (anders als in den USA oder in Asien), systemische Risiken nehmen zu, vom angeschlagenen Russland über anwachsende Flüchtlingsströme bis hin zu gravierenden interkulturellen Konflikten. Keine Frage, Europa ist im institutionalisierten Krisenmodus.

Aus der Risikoforschung wissen wir, dass Menschen Unsicherheiten bedrohlicher finden als eine konkrete Gefahr (der sie ja aktiv begegnen können). Das Streben nach (ökonomischer und sozialer) Sicherheit ist somit eines der großen Leitthemen für die nächsten Jahre. Je mehr tradierte Sicherheiten wegbrechen und Optionen aufpoppen, je mehr wir unsere Komfortzonen verlassen müssen, desto stärker wird die Sehnsucht des Einzelnen nach Haltegriffen. Es ist kein Zufall (und keinesfalls nur ökonomisch zu erklären), dass in Österreich aktuell 22,6 Prozent der 25-34-Jährigen im Hotel Mama wohnen.

01Die Jungen, beruflich an Provisorien und prekäre Praktika gewöhnt, sind Synonym für eine Gesellschaft im Übergang: zaghaft tastet sich diese voran, sammelt nur langsam Kraft für (dringend notwendige) radikale strukturelle Veränderungen. Zur Sicherheit bleibt man aber lieber bei inkrementellen Verbesserungen und – im wahrsten Sinn – beim Alten. Retro. Regional. Reduktion. Man greift zu Marken, die Orientierung versprechen, zu regionalen Produkten, die Komplexität reduzieren und vor globalen Umbrüchen schützen sollen. Slow Living als Fluchthelfer aus der digitalen Moderne.

Die Frage nach dem guten Leben steht bei den Millenials im Vordergrund. Ihr Herz gewinnen Unternehmen, die für das Common Good stehen und bewirken, dass sich der Konsument nicht mehr als Benutzeroberfläche und zweibeiniges Big Data-Tool fühlt.  Gefragt sind auch Anbieter von Erlebnissen, die dem Einzelnen Distinktion ermöglichen und somit das eigene Ich (über das Selfie hinaus) stärken.

Und wo bleibt die echte Innovation? Die radikale Neuerung? Auf diese werden wir noch warten und bis dahin im veganen Fitnessstudio eine Runde drehen müssen. Der disruptive Wandel (Internet der Dinge wie 3D-Drucker, selbstfahrende Autos, Industrie 4.0 usf.) nimmt jedoch langsam aber sicher an Fahrt auf. In einer Zeit, in der das Ende der Massenproduktion eingeläutet wird, in der Produktion und Dienstleistungen immer stärker dezentralisiert und in die Hände des Kunden gelegt werden, müssen Unternehmen agiler und resilienter werden.

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Die Widerstandskraft eines Systems wächst mit ihrer Kleinteiligkeit. Kleine Organisationen können Komplexität leichter reduzieren und den Veränderungen effizient pro aktiv begegnen – wenn sie nicht abgekapselt, sondern als Teil eines größeren Systems agieren. Das Small is beautiful-Paradigma bedient nicht nur den uralten Mythos David gegen Goliath. Kleine strategische Einheiten sind robuster gegenüber Krisen und navigieren smarter durch die Zeit der großen Transformation.

Scan0019Dieser Beitrag beruht auf einem Kommentar von Andreas Reiter für das Wirtschaftsmagazin Report (01/2015)

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Schleswig-Holstein: Wo das Glück wächst

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Die markantesten Destinations-Kampagnen werden – derzeit – im hohen Norden gemacht. Island zielt mit seinem wunderbaren Story Telling Inspired by Iceland (http://www.inspiredbyiceland.com) auf die Trüffelschweine ab, die abseits der touristischen Postkartenmotive inspirierende Erlebnisse suchen. Die Kampagne Do it for Denmark des Reiseveranstalters Spies Rejser wiederum will Pärchen im Urlaub nicht nur zu erotischem Glück animieren, sondern damit auch – verbunden mit Incentives wie „Eisprung-Rabatt“ – die niedrige Geburtenrate des Landes erhöhen (https://www.youtube.com/watch?v=vrO3TfJc9Qw).

Urlaub und Glück – die Verbindung ist so alt wie die Geschichte von Adam und Eva, die einst unschuldig glücklich im Garten Eden lebten. Als sie jedoch vom Baum der Erkenntnis naschten, wurden sie aus dem Paradies vertrieben. Dieser Sündenfall, die Vertreibung aus dem Paradies markierte nicht nur den Anfang der Migration, sondern auch den Beginn der touristischen – Glückssuche.

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Seit damals suchen Menschen immer wieder diesen Garten Eden Momente des Glücks, die dem Leben Sinn und Bedeutung verleihen, ein Leuchten in den Alltag zaubern. Sigmund Freud hatte noch behauptet, Glück sei im Schöpfungsplan nicht vorgesehen – der Mann hat sich bekanntlich in vielem geirrt, er hat ja auch noch nie ein Instagram-Foto gesehen. Sonst hätte er gewusst, dass eine Branche ganz besonders das temporäre Glück stimuliert: der Tourismus.

OLYMPUS DIGITAL CAMERATouristiker verkaufen schließlich keine Betten oder Sonnenuntergänge, sie sind Fluchthelfer aus dem Alltag, zuständig für das schnelle Glück: joy. Der Neuromarketer Hans-Georg Häusel hat in seinem klugen Buch ‚Think Limbic‘ die limbischen Bausteine des schnellen Glücks der Konsumenten ausgeleuchtet, es geht dabei im Kern immer um die Emotionen:

 

  • Balance: Erlebnisse, die Sicherheit bieten, an früher (z.B. an die Kindheit etc.) erinnern
  • Stimulanz: Das Neue, Ungewohnte suchen, die Belohnung, dem Alltag zu entfliehen
  • Dominanz: etwas Besonderes erleben, das mich abhebt von den anderen (=Status-Denken).

Destinationen sind dreidimensionale Erlebnisräume, die – mit einer orchestrierten Gesamtleistung der Gastgeber – diese Glücksgefühle beim Gast hervorrufen können. Glück entsteht dabei immer zwischen den Polen Über- und Unterforderung, im Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung. Es kann ein Aufgehen in einem konzentrierten, fast rauschhaften Zustand (z.B. Extremsport, Kunst, Exstase etc.) sein, ein Flow. Es kann aber ebenso gut auch in der Langeweile liegen, verstanden als lange Weile, als Pause zwischen den Tätigkeiten, in der man Energie tankt und sich neu auflädt.

Mutter und Kind im Watt_Glückswackstumsgebiet_Copyright Getty Images_tash

Kann man Glück kaufen? Ja, in Form von Erlebnissen (in der Postmoderne längst wichtiger zur eigenen Differenzierung als Produkte)… Erlebnissen, die man – so die Glücksforschung – am besten mit anderen teilt.  Mehr noch, man kann das schnelle Glück auch zum Wachstum bringen. Wo? In Schleswig-Holstein.

Das Tourismusland im hohen Norden positioniert sich mit seiner aktuellen Kampagne als „Glückwachstumsgebiet.“ Was der dortigen Tourismusagentur TASH an finanziellen Mitteln fehlt, macht sie mit enormer Kreativität und bemerkenswerten viralen Marketingaktionen wett.  Keine gestylten Models, kein Schönwetter-Tralala, sondern kantige, nordische Vibrations. Die touristischen Glücksbringer wissen, dass das Urlaubsglück im Dreiklang erforschenmarkierenteilen liegt; und so lassen die Akteure an den (un-)gewöhnlichsten Orten Magic Moments entstehen. Und kommunizieren diese in Pink, „der flüchtigsten aller Farben“ – wissend, dass das Glück temporär und vergänglich ist. Wer so achtsam mit Glück umgeht, der hat sich das seiner Gäste mehr als verdient.

©Kampagnen-Fotos: TASH, http://www.sh-business.de/

MLI_8430_AR_Andreas Reiter hielt auf dem Tourismustag Schleswig-Holstein im Dezember 2014 einen Vortrag über Touristiker als Glücks-Dealer. Die Präsentation können Sie von unserer Website herunterladen: http://www.ztb-zukunft.com/pdf/fit_future_sh.pdf

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Ein Hub für temporäre Identitäten: Bikini Berlin

25_hours_3 Die Digitalisierung verändert den städtischen Raum – so massiv wie es zuvor nur die Industrialisierung im 19. Jahrhundert getan hat. Sie hebt jegliche Grenzen auf zwischen Arbeit und Freizeit, Stadt und Land, zwischen Öffentlichem und Privatem, zwischen Tag und Nacht. Zugleich aber belebt nichts so sehr den städtischen Raum wie eben dieser digitale Switch. Je virtueller nämlich die Welt wird, desto stärker wird zugleich die Sehnsucht der Menschen nach realen, sinnlichen Erfahrungen, nach magischen Orten, die Bedeutung in sich tragen und Identifikation ermöglichen (nachhaltiger als in den flüchtigen sozialen Netzen).

In einer digitalen Gesellschaft, deren DNA die Ort- und Zeitlosigkeit ist, kommt insbesondere den Hubs der nomadischen Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu: den Bahnhöfen und Airports, den multifunktionalen Malls und Hotels, also den Umschlagplätzen der flüssigen Moderne. Und so geht es in der Stadt von morgen um einen gesunden Mix von unverrückbaren historischen Orten (eingespeichert ins kollektive Bewusstsein) und fluiden, offenen Stadt-Räumen. Wir werden künftig in unseren Innenstädten beides kultivieren die historische Atmosphäre ebenso wie das Temporäre (Pop-Up-Semantik, Container-Living u.a.) und das Hybride (offene, neue Formen der Nutzung, z.B. wenig genutzte Parkhäuser als Wohnraum).

„Die Digitalmoderne hat ein Faible für das Hybride. Sie verschleift, was eindeutig schien. Sie privatisiert das Öffentliche, veröffentlicht das Private, sie verunklart den Ort und die Zeit und die Funktionen.“ Hanno Rauterberg, Wir sind die Stadt

Bayerische Hausbau_bikini_281923980_Wo die Digitalisierung Stadt-Räume aufbricht, wo Branchen und Geschäftsmodelle immer virtueller werden (vom E-Commerce bis hin zum E-Banking), da wird der Stadtraum fragmentierter und kleinteiliger. Aus Vierteln werden Achtel, und aus diesen Sechzehntel. Die Akzentuierung kleinräumiger Identitäten ist eine der zentralen Aufgaben im städtischen Place Making, es geht dabei im Kern um „atmosphärische Bespielung“, um eine dreidimensionale Dramaturgie, um Story Telling, das Auflösen des lokalen Spirits in bewegenden Geschichten.

IMG_3242Eines der bemerkenswertesten Sechzehntel ist das Berliner Bikini-Haus, eine Concept Mall, letztes Jahr am Zoologischen Garten eröffnet. Bikini Berlin ist konzeptionell und atmosphärisch anders als die übrigen Shopping-Malls, die ja meist im uniformen Mainstream stecken – Dritte Orte als biografische Nicht-Orte gewissermaßen.

Bikini Berlin hingegen ist ein wunderbar inspirierender Hybridraum: einerseits ein ikonografischer Ort der Berliner Nachkriegszeit (neben der Gedächtniskirche) – behutsam revitalisiert, die Fassade ein dezenter Mix aus Historie und Moderne; andererseits eine avantgardistische Pop-up-Mall, mit kuratierten Concept-Stores und eigensinnigen Labels, dazu temporäre, experimentelle Retail-Konzepte. Bikini Berlin bietet – mit Stores, Kino, Gastronomie, Dienstleistern und Büros sowie dem 25hours-Hotel – auf engstem Raum eine urbane Erlebnisdichte, eine funktionale und räumliche Vermischung von Unterhaltung, Arbeiten und Freizeit, angelehnt an den Lebensrhythmus der Generation Y. Bayerische Hausbau_ bikini_1272613009_ Der experimentelle Pop-up-Bereich der Mall greift mit seinen reduzierten Boxen (flexible Modulsysteme aus Holz) den Genius Loci lässig auf, man denkt unwillkürlich an die Affenkäfige im benachbarten Zoo, auf den man von der Dachterrasse hinabschaut. Ein Narrativ, eine Marken-Geschichte, die auch vom integrierten 25hours-Hotel in Design und Story Telling – bewährt verspielt – wieder aufgegriffen wird: das Motiv im Berliner Ableger der Hotelkette ist diesmal der “Urban Jungle“.

stephanlemke.com für 25hours Hotels 25_Bikini_Urban_13_25hours_Hotel_Bikini_Berlin-Jungle-Room-L_-Ausblick_gross_ Wo sonst kann man in einem Hotelzimmer in einer Schaukel hoch über dem urbanen Dschungel liegen? Wer in der Monkey-Bar im letzten Stock des Hauses einen Cocktail schlürft und unten im Zoo unsere Vorfahren, die Affen herumturnen sieht, kommt dabei in den höchsten selbstreflexiven Genuss – ein Selfie besonderer Art.

https://www.bikiniberlin.de

Scan0017Andreas Reiter sprach auf der Tagung „Innenstadt verhandeln“ in Berlin im November 2014 über die Zukunft unserer Innenstädte. Die Präsentation können Sie hier von unserer Website herunterladen: http://www.ztb-zukunft.com/pdf/achtel_urban_berlin.pdf

http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/ExWoSt/Forschungsfelder/2011/InnovationenInnenstaedte/Veranstaltungen/2014_11_Konferenz_Innenstadt_verhandeln.html?nn=430172

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Meet and eat – der Küchentisch als Glücksort

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Was macht das Glück des Menschen aus? – guter Sex, gutes Essen und fröhliches Gärtnern. Alle drei Tätigkeiten haben mit sinnlichem Genuss zu tun, wobei das gemeinsame Essen die schönste Verbindung zwischen diesen drei Genüssen ist. Und dieses Essen findet am wohl wichtigsten Platz der Wohnung statt: am Tisch.

Der Tisch liegt auf der Achse des Guten: Bett-Bad-Küche. Entlang dieser Achse verdichtet sich das private Leben, konzentrieren sich die Alltags-Rituale, all die kleinen und großen Momente und speziellen Gesten, zu denen der Mensch fähig ist.

tisch_1_Je unsicherer und unberechenbarer die Welt wird, desto leidenschaftlicher inszeniert der Mensch seine private Rückzugsfläche – die eigene Wohnung. Rundherum wird alles schneller, brüchiger, durchlässiger – Arbeitstempo, Lebensstile, Biografien. Dieses fluide Leben macht auch die Immobilie mobiler, nicht nur beim Wohnen auf Zeit (z.B. Boarding-Häuser, pop-up-Container etc.) – das Wohnen wird generell (wie so vieles andere auch) lebenszyklischer und passt sich veränderten biografischen Anforderungen an. Hybride Lebensmuster (bei denen z.B. Arbeit & Freizeit stärker verschwimmen) spiegeln sich in neuen fließenden Raumkonzepten: erst fiel die Grenze zwischen Küche und Wohnzimmer, dann die zwischen Badezimmer und Schlafzimmer, jetzt wachsen Indoor- und Outdoor-Bereich stärker zusammen – das Haus holt sich die Natur herein und umgekehrt (Vorreiter für die Innengestaltung sind hier übrigens, wie so oft, Design-Hotels, bei denen man sich als Gast Anregungen für Zuhause holt).

Wenn rundum alles in Auflösung ist, dann wird ein Platz in der Wohnung emotional besonders aufgeladen: der Tisch. Der Küchentisch steht für Erdung, für Behaglichkeit, für sozialen Genuss. Allem High-Tech-Equipment und smarten Induktions-Kochfeldern (die man natürlich gerne nutzt) zum Trotz – die Küche ist und bleibt ein Psychotop. Die Technik steht im Hinter-, das Wohlbefinden im Vordergrund. War seit den 1960ern der Fernseher das soziale Lagerfeuer, um das herum sich der Clan versammelte, so verlor dieser durch Internet und mobilen Medien-Konsum diese Funktion zunehmend. Heute bildet wiederum der Küchentisch diese magische Feuerstelle – keine App wird ihn je ersetzen können.

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Die Küche ist und bleibt die anthropologische Konstante in der nervösen Pop-up-Kultur des frühen 21. Jahrhunderts. Sie ist ein Firewall vor den Umbrüchen „da draußen“, ein sozialer Ort in einer Welt der „Nicht-Orte“. Gut, da ist auch noch das Bett, doch dieses ist anders besetzt: im Bett liebt man und regeneriert sich, taucht ein in ein Second Life, jenes der Träume und Alpträume. Der Küchentisch hingegen ist erdig wie nichts sonst, hier wird – gemeinsam – geschnipselt, genossen, geplaudert, hier wird gelacht und gestritten und über das Leben sinniert. Nirgendwo kann man sich zudem selbst so gut in Ruhe lassen wie hier, etwa beim Frühstück, hinter der Zeitung versteckt.

02_kekseDer Küchentisch ist aber nicht nur ein ritueller Platz für die Gestaltung sozialer Nähe, sondern auch eine Bühne für die Selbst-Inszenierung und die eigene (kochkünstlerische) Kreativität. Mahlzeit! Zu den Essenszeiten klettert der Affe vom Baum (oder wo immer er sonst steckt) und hockt sich erwartungsvoll zu seinesgleichen. Hm, lecker. Bei jedem Bissen werden Signale ans Gehirn ausgesandt wie: Die muss mich aber lieben (Liebe geht durch den Magen)! Life is uncertain. Eat dessert first!… Wir haben mehr Stil als die behaarten Typen vom Nachbarstamm (und einen besseren Geschmack), sonst würden wir ja nicht zum Macadamia Nussöl greifen oder zum Bambussalz, oder?… Wie auch immer – wer so zufrieden kauend mit seinen Liebsten um den Tisch sitzt, ist vom Glück nur einen Tellerrand entfernt.

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Dieser Beitrag beruht auf Statements von Andreas Reiter in der jüngsten Gesprächsrunde WOHNEN, KOCHEN & ESSEN IM MORGEN – Gemeinsam an einem Tisch – im Rahmen der stuben21:gespräche, einer inspirierenden Reihe von Miele (www.miele.at) und stuben21 in der Miele Galerie in Wien.

Medien: http://www.falstaff.at/gourmetartikel/in-zukunft-denkt-der-kochtopf-fuer-uns-9315.html

Den Tisch zum Thema gestaltet stuben21, eine Wiener Design-Manufaktur, die die Küchenstube – klar und unangestrengt – in die Moderne übersetzt und für ihre internationale Kundschaft spannend neu adaptiert. http://www.stuben21.com

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