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Urban Vibes: Wie unsere Städte auch morgen brummen

Städte sind ein einziges Zukunftsversprechen – mit all ihrer kreativen Schwarmintelligenz, ihrem diversen Gen-Pool und ihrer ureigensten Kraft, sich ständig zu erneuern. Diese Erneuerungskraft ist aktuell auch dringend notwendig – die Haushalte europäischer Kommunen sind extrem angespannt.

Selbst traditionell einkommensstarke Städte müssen derzeit kräftig den Rotstift ansetzen. Stuttgart etwa nimmt aufgrund der eingebrochenen Autoindustrie nur noch halb so viel an Gewerbesteuern (rund 700 Mio EUR) ein, 2023 waren es noch knapp 1,5 Milliarden EUR. Es ist überall dasselbe Bild: die Städte haben sinkende Einnahmen und steigende Ausgaben (auch wegen vom Bund übertragener Aufgaben, v.a. Sozial- und Pflegeleistungen etc.) und leiden unter explodierenden Schulden. Investitionen und Zuwendungen werden gekürzt, in Berlin etwa radikal in der Kulturszene (was die DNA der Stadt durchrüttelt), in Wien – ausgerechnet im Roten Wien – bei etablierten Sozial-Transfers.

Aber die Städte werden auch diese Krise wuppenwenn sie denn ihre städtischen Ökosysteme neu durchmischen und das, was sie stark macht, neu zusammensetzen: kulturelles Erbe und Kreativwirtschaft, Wissenschaft und Tourismus, High Tech & Brain Industries. Städte sind Umschlagplätze von Talenten und Zukunftsbildern im Rohzustand. Sie stehen für kreative Abweichungen, für Dichte und Diversität – also für innovative Problemlösung. Je mehr Städte ihre Diversität pflegen, je mehr sie Silos aufbrechen und miteinander verzahnen, desto zukunftsfitter machen sie sich als Standort.

Neue Möglichkeiten entstehen, wenn „intelligente Systeme nicht nur assimilieren, sondern in der Lage sind zu akkumulieren“ (Peter Kruse). Europäische Städte haben dann eine große Zukunft vor sich, wenn sie ihr kulturelles Gedächtnis in innovative Spannungs-Muster einbetten, diese mit Schlüssel-Industrien verbinden und mit ihrer lokalen Lebensqualität aufladen.    

Einer Branche kommt bei dieser Verdichtung eine besondere Bedeutung zu: dem (touristischen) Stadtmarketing. Tourismus ist mehr als Frequenzbringer, mehr als Monetarisierung der städtischen Points of Interest. Tourismus ist ein strategischer Hebel für die stetige Verbesserung der lokalen Lebensqualität und für die urbane Leistungsbilanz zugleich. Viele Städte in Europa haben dank ihrer außergewöhnlichen Stadtkultur (urbanes Flair, Lifestyle-Hubs, historisches Erbe u.a.) eine große Anziehungskraft. Diese Trigger gilt es für eine vorausschauende Transformation zu nutzen.

Junge Talente UND touristische Besucher:innen werden durch einen energetischen Lifestyle angezogen, durch eine vibrierende Gastronomie- und Clubszene, durch lässige Orte, an denen sie „abhängen“ können. Sie suchen nach Resonanzorten, die nicht „fertig“ sind, sondern durchlässig, die Leben und Arbeiten neu durchmischen, die sie weg führen vom (passiven) Besuch und hin zum (persönlichen) Austausch, zum Mitwirken und zur Erkenntnis.

Damit unsere alten europäischen Städte kein Living Museum für Touristen werden, kein History Land mit Eintrittsschranken und Tagesticket, braucht es ein Upcycling ihrer Funktionen, durch eine strategische Verknüpfung von

  • kulturellem Erbe und jungem Leben, Old History & Young Brains
  • Wissen & Produktion, Manufaktur & Lifestyle.

Städte, die diesem hybriden Entwicklungspfad folgen, haben eine Resilienz-Strategie. Sie siedeln Campus, Spin-Offs und Start-ups in den Innenstädten oder in zentrumsnahen Quartieren an und schaffen damit Takt gebende Reallabore. Kongresse finden ambulant statt, quer über ein Quartier verteilt und nicht mehr in einer geschlossenen Meeting-Location. Wissenschaft verlässt den Campus und wird im urbanen Raum erlebbar (Science to City), Arbeitsorte werden Freizeitorte und umgekehrt (Co-Working, Bleisure, Maker Spaces etc.), Remote Worker wollen beide Lebensbereiche verbinden.

Städte sind soziale Systeme, aus den Wechselbeziehungen der Akteure entfalten sich ihre Stärke und ihre Zukunftsfähigkeit. Dies erfordert Co-Kreation, ob als Kulturstadt, Wissenshub oder als Tech-Standort… und mitreißende Narrative, mit denen die Stadt ihre Zukunft erzählt und gestaltet. Städte wie z.B. Aarhus, Lissabon, München mit seinem Werksviertel oder Helsinki zeigen dies beispielhaft.

Tourismus und Stadtmarketing können – in Co-Produktion mit Standort-Management, Kreativszene und Wissenschaft – die kulturelle Tiefe unserer Städte mit lebensfroher Lässigkeit verbinden, können identitätsstiftende Events und inspirierende Dritte Orte mit entwickeln und in Sehnsuchts-Narrative verpacken. Mit diesem Impact tragen sie zum städtischen Gemeinwohl bei und stärken systemisch die städtische Resilienz.

Wir vom ZTB Zukunftsbüro begleiten, seit vielen Jahren, Städte und städtische Destinationen bei ihrer Transformation hin zu attraktiven, resilienten Standorten, und sind gerne auch inspirierender Gesprächspartner für Medien:

Interview Radio Bremen, Die Stadt der Zukunft (Nov. 2024)

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