Try an Error! Die Zukunft entsteht auch aus Fehlern

Den einen Masterplan für die Zukunft gibt es ebenso wenig wie die eine Zukunft. Deshalb ist strategisches Denken in Möglichkeiten so wichtig. Zukunft entwickelt man aus einer robusten und gleichzeitig elastischen Vision, aus „strategischem Vergessen“ (dem Verlernen von vielem bislang Gewohnten). Operativ wichtig ist natürlich das Drehen an den richtigen Stellschrauben, und manchmal auch ein sanfter Tritt in den Hintern… Move your ass and your mind will follow, wie man in Kalifornien sagt.

Ob Zukunft auch Zufall ist? Darüber streiten sich Theologen, Philosophen, Kognitionspsychologen und Mathematiker. Deterministen meinen ja, alles was passiert, sei zwangsläufige Folge von vorhergehenden Ereignissen. Fact ist, dass Menschen dazu neigen, in Wahrscheinlichkeiten zu denken, in bestimmte wiederkehrende Muster eine Gesetzmäßigkeit hinein zu interpretieren. Das ist praktisch, denn es reduziert ja die Komplexität, die Ungewissheit. Der Plan ersetzt bekanntlich den Irrtum durch Zufall.

Zukunft ist somit ein Cocktail aus strategischem Denken, aus Inspiration und Transpiration, aus Zufall und, nicht zu vergessen, aus Fehlern.

Die Geschichte der Innovation ist auch eine Geschichte der (scheinbaren) Misserfolge. Kolumbus wollte ja eigentlich Indien entdecken und entdeckte durch einen Irrtum Amerika. Auch Viagra sollte ursprünglich etwas anderes werden – der Pharmakonzern Pfizer forschte nach einem Mittel gegen Bluthochdruck, dabei stieß man „zufällig“ auf eine Nebenwirkung: die Potenzsteigerung. Die blaue Pille ist somit ein „Abfallprodukt“, ein genialer „Fehler“ wie so viele Innovationen. Die Post-it-Haftnotiz, ein weltweiter Blockbuster und nicht mehr wegzudenken aus unserem Alltag, ist auch so ein „Fehler“. Die ursprüngliche entwickelte Klebemasse war ein Flopp, weil sie nicht dauerhaft haftete. Erst Jahre später wurde sie neu „entdeckt“ als Kleber für Notizen, der haftet und sich ebenso leicht wieder löst: die Post-it-Haftnotiz.

Ein Problem lösen, erfordert sich von ihm zu lösen. Dasselbe gilt für Fehler. Wir müssen Fehler und Misserfolge positiv umdeuten lernen. Sie können Bausteine für eine bessere Zukunft sein. Erfolgreiche Menschen schaffen es, Scheitern in Erfolg umzuwandeln. Reinhold Messner hat deswegen seine Extrem-Abenteuer überlebt, weil er immer wieder in Notsituationen kurz vor dem Gipfel umgekehrt ist – sein Scheitern war somit Voraussetzung für den nächsten Erfolg. Das ist vielleicht die größte Kunst.

Was ein Fehler ist, weiß man ja immer erst hinterher. Wer aber vergangene Misserfolge, Fehler etc. richtig analysiert, ist besser gewappnet für die Zukunft. Firmen wie Individuen könnten beispielsweise von einem „Wiki für Misserfolge“ profitieren, eben um diese in Zukunft zu vermeiden. Eine konstruktive Fehler-Kultur ist Kennzeichen innovativer Unternehmen. Letztlich aber muss man in der Lernkurve viel früher ansetzen – in der Schule, bei den Kindern, denen man Vertrauen und Ermutigung entgegenbringt, gerade wenn sie mal danebenhauen. Try an Error!

Dieser Text ist ein kurzer Auszug eines Interviews mit Andreas Reiter in der 2. Ausgabe von „2012. Das vielleicht letzte Magazin der Welt“. Das ZTB Zukunftsbüro begleitet beratend dieses ambitionierte Magazin-Projekt aus dem Hause Red Bull, das sich 2012 monatlich dem – von den Mayas für den 21.12.2012 prognostizierten – Weltuntergang nähert, dabei der Apokalypse ein Schnippchen schlägt, indem es die Zukunft gewitzt von neuem entwirft.

http://www.2012.at

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