Future Meeting: Gehung statt Sitzung

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Die Zahlen sind vielversprechend: Wien lag jetzt jahrelang weltweit an erster Stelle als Kongress-Stadt, auch Salzburg und Tirol performten sehr gut. Der Tagungsmarkt entwickelt sich jedoch in einem hoch kompetitiven Umfeld. Es gilt, die Veränderungen zu antizipieren, neue Formate und kreative Layouts für Tagungen vor den Wettbewerbern zu entwickeln.

Der Wandel ist disruptiv, markiert von (erkennbaren) Brüchen und (überraschenden) Umbrüchen. Die großen Treiber – quasi die Hintergrundfolie – der Veränderung sind:

    • sozio-demografischer Wandel
    • Urbanisierung
    • Interkonnektivität
    • Wissens-Gesellschaft
    • Nachhaltigkeit (ist ohnehin ein Basis-Kriterium).

tagungVon all diesen Treibern hat zweifellos die wissensbasierte Gesellschaft mit ihrem Paradigma des Lebenslangen Lernens die größte Schubwirkung auf die Tagungswirtschaft. Längere Lebensarbeitszeiten (Arbeiten bis 70, 72 Jahre), alternde Belegschaften mit erhöhtem Druck zum permanenten Updating des Wissens sowie neue kollaborative Tools (Crowd Sourcing) machen den Wissens-Transfer und damit Meetings (in welcher Form immer) überlebensnotwendig für den Erfolg von Unternehmen und Organisationen.

Die technologischen Umwälzungen

    • Augmented Reality
    • Sharing-Toolkit (Holographie, Holodecks etc.)
    • M2M-Kommunikation

beschleunigen die nomadische Gesellschaft, in der nicht nur die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen, sondern die Menschen generell – unabhängig von Zeit und Raum – miteinander kommunizieren und sich austauschen.

Das Betriebssystem der Meeting-Wirtschaft wird neu aufgesetzt. Die quantitative Steigerungsspirale (schneller, höher, weiter) läuft ins Leere. Die Überdrüber-Location von heute (Sprungschanze, Sky-Lounge im 127.Stock eines mega-coolen Towers (Achtung: Weitblick!) oder das als Eventspace umfunktionierte Umspannwerk) ist der Tranquilizer von morgen. Tagungsorte brauchen natürlich eine hohe Dichte an infrastruktureller und Service-Exzellenz. Die Themen Markenzentrierung (Branded Meeting), Service-Design und Nachhaltigkeit (Green / Blue Meeting) sind Querschnittsthemen, sie stellen eine Basisanforderung dar, generieren aber künftig keine Differenzierung.

Erfolgreiche Tagungen liegen auf der Achse des Guten:

    • Infrastruktur- und Service-Exzellenz
    • Kognitive Kreativität
    • Narrative Erlebnis-Räume.

DSC_0663_neu_Dieser strategische Dreiklang zielt auf eine Wissensgesellschaft ab, die Wissen künftig stärker spielerisch, interaktiv und multisensuell vermehrt. Er fokussiert aber auch den (saturierten) Kunden – dieser wird zum Experience Hacker, der neue Erfahrungen und Erlebnisse abseits des Mainstreams sucht, sie de-konstruiert und daraus Image-Gewinn erzielt (Status-Stories).

Tagungen sollten, na klar, das Bruttomental-Produkt der Wissensgesellschaft erhöhen. Das geht nur, wenn möglichst divergente Akteure in der Crowd zusammenwirken und ihre kognitive Kreativität abseits des bisherigen Sender-Empfänger-Modells zum Explodieren bringen. Neue Formate (wie sie auch unseren Schulen gut täten) heißt: kurze Einheiten (20 min), Rollen-Wechsel, schneller Switch zwischen Spannung-Entspannung, Brain-Body, Adrenalin-Chillout, und immer wieder zwischendurch raus aus den Sälen – Gehung statt Sitzung usf. Wissenstransfer muss spielerisch und in ungewohnten narrativen Erfahrungsräumen erfolgen.

IMG_0723„Die Teilhabe symmetrisiert die Lehre…; das Hören begleitet die Rede; das Sichdrehen des alten Eisbergs fördert die Zirkulation, die auf Einanderhören beruht… An die Stelle des Kollektivs… tritt nun, unverhohlen virtuell, das Konnektiv.“ (Michel Serres).

Mit der zunehmenden Virtualisierung (Virtual Reality) geht eine Hybridisierung der Formate, der Locations und der Zeitstruktur einher. Eine vernetzte Gesellschaft braucht andere – interaktive – Tagungsformate, die Experten-Inputs und Schwarm-Intelligenz unangestrengt und effizient verknüpfen. Dieses kollaborative Prinzip gilt für Wissenschafts-Kongresse ebenso wie für Firmen-Meetings.

Die DNA der Tagung von morgen:

    • Narrative Erfahrungs-Räume
    • Wissens-Sharing & Ergebnisorientierung
    • Hybride Formate:
      • Location (Flex Space)
      • Layout (z.B. Gehung statt Sitzung)
      • Virtual Reality.

CIMG5691Um aus Tagungen mehr an Inspiration mitzunehmen, ist die Verknüpfung von theoretischen Inputs mit Kunst und humanistischen Orchideen-Themen („Eroberung des Nutzlosen“, R. Messner) wichtig, die spielerische Aktivierung von Body und Mind, von linker und rechter Gehirnhälfte. Immer wissend, dass wir „vor atemberaubenden Möglichkeiten stehen, die als unlösbare Probleme verkleidet sind“ (John Gardner).

conventionAndreas Reiter hielt vor kurzem auf der Jahrestagung des „Austrian Convention Bureau“ im Design Center Linz einen Vortrag über Future Meeting. Die Präsentation können Sie hier von unserer Website herunterladen:

http://www.ztb-zukunft.com/pdf/future_meeting_linz.pdf

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