Summer in the City

limmat_4_phoca_thumb_l_38_Start_LIM_2080 35 Grad im Schatten, Tag für Tag. Dieser Sommer hat es in sich. Wenn man gerade nicht irgendwo in Island oder im Salzkammergut als Klimaflüchtling abgetaucht ist, dann sind diese Hitzeperioden (die Statistik versteht darunter „drei oder mehr Tage in Folge mit über 30 Grad Celsius“) ein Handicap. Vor allem in den Städten. Alles geht langsamer, dysfunktionaler.

eis_2Da sind diese triefenden Hitzetage, wo man sich nachts schweißgebadet von einer Bettseite auf die andere rollt und auch tagsüber selten einen klaren Gedanken fassen kann. Tage, an denen Horden von Touristen und Einheimischen in zu kurzen Hosen und veganen Sandalen durch die Straßen schlurfen, auf der Suche nach Eiswürfel oder einem rettenden Baum. Schweißtreibende Tage, an denen man wieder mal merkt: mit leichtem Gepäck zu reisen ist klüger. Hot in the City.

sommer_park Ich liebe solche Tage. Und Städte im fetten Sommer. Denn da zeigt sich ihre wahre Qualität: haben sie genügend Grünflächen und Schatten spendende Parks? Sind sie gut durchlüftet? Sind sie nah genug am Wasser gebaut? Kann man sie locker mit dem Rad durchqueren? usf. Da zeigt sich dann auch, wie dürftig manche Städte-Rankings für „Liveable Cities“ sind (z.B. jene von Monocle) und was Städte im Sommer wirklich cool macht.

Städtische Lebensqualität ist mehr als die sattsam herunterdeklinierte Glücksformel 8/80. Klar, eine Stadt sollte für 8-Jährige wie für 80-Jährige funktionieren, sollte „walkable“ sein, also fußläufig gut durchquerbar sein, sie muss ein effizientes öffentliches Verkehrssystem ebenso wie sozialräumliche Qualitäten haben, die zu Interaktion und Kommunikation einladen usf. Und natürlich braucht sie ausreichend Grünflächen und begrünte Gebäude (Fassaden, Dachgärten etc.) sowie  Frischluftschneisen. Solche ökologischen Maßnahmen stehen inzwischen in jedem zweiten kommunalen Anti Heating-Maßnahmen-Katalog.

summer_city_02Doch gerade jetzt im Sommer merkt man: der echte urbane Hot Spot ist ein Cool Spot. Städte werden in Zukunft nicht nur grüner – sondern vor allem blauer. Die dramaturgische Bespielung von Wasser ist ein entscheidender Gradmesser von städtischer Lebensqualität, nicht nur im Kampf gegen zunehmende urbane Hitzeinseln. Begehrt sind künftig jene Städte, die ihre Wasseradern als dreidimensionalen Erlebnisraum inszenieren und nicht nur austauschbare Waterfronts anbieten mit Szenelokalen und Public Lounges.

Städte werden im wahrsten Sinn des Wortes, fluider, flüssiger.

Wasserlandschaften erzeugen einen Flow wie kaum ein anderer städtischer Raum. Der Mensch kommt aus dem Wasser, und strebt auch in seiner Freizeit dahin. Städte wie Barcelona, Vancouver oder Sydney sind nicht zufällig so begehrt und attraktiv: die Antipoden Urbanität und Natur werden hier vor allem durch das Wasser versöhnt. Alles fließt. Wer je durch Kopenhagen entlang seiner Wasserstraßen geradelt ist, weiß wovon ich rede. Der Freizeit-Konsument mit seinem hybriden Werteset („sowohl als auch“) sucht bei seinen Erlebnissen die eingebaute Erregungskurve ebenso wie die Chillout-Dosis. Wakeboard und Elektroboot. Eisbach und Gardens by the Bay. Erfolgreiche Erlebnisräume im und am Wasser aktivieren beim Kunden zwei Gefühlszonen: Serotonin (Glück) und Adrenalin (Kicks).

Neidvoll blickt man nach Zürich mit seinen wunderbaren Seebädern („Badis“) und Flußlandschaften. Die Barfussbar mit ihren abendlichen Kultur-Events ist mit das Beste, was einer europäischen Metropole passieren kann. Passend dazu hat diese Stadt ein traditionelles Sommer-Ritual: das Limmatschwimmen (bei dem die Bewohner wohlig plaudernd („Plauschschwimmen“) durch die Stadt schwimmen). Auch Basel hat ein solches Community-Ritual, das „Rheintreiben“: hier springt man ebenfalls von der Brücke und lässt sich den Rhein hinab treiben. barfussbar

Moderne Urbaniten zieht es an den Fluss. Von London über München bis Berlin entwickelt man derzeit Projekte zum Thema „Flussbaden“, Schwimmen in städtischen Flüssen. Meist sind dies Crowd Sourcing-Projekte, bottom-up-getrieben, da und dort (wie in München) hängt sich dann auch ein Bürgermeister dran, das steigert die Chancen auf Realisierung. In Berlin soll ein Flussbad am kleinen Spreekanal entstehen. An der Museumsinsel, mitten in Berlin.

Die Vorreiter haben erkannt: Städte der Zukunft ssen mit allen Wassern gewaschen sein.

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