Cool Spots, Lost Places – Reisen der Zukunft

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Wir sind im Jahr 2033. Die Millennials sind jetzt im besten Alter, einige leben noch mit ihrer Jugendliebe aus Snapchat-Zeiten zusammen (Ø 1,6 Kinder) und kämpfen mit Vitamin C-Duschen gegen ihre ersten Fältchen an. Was (und wo) machen sie im Urlaub?

Das Urlaubsverhalten ist 2033 noch fragmentierter, Destinationen sind wesentlich schneller und günstiger erreichbar – transkontinentale Billigflieger (vor allem zwischen Asien und Europa), vollautomatisierte Budget-Hotels u.a. machen Fernreisen noch erschwinglicher.

Andrey Armyagov_Fotolia_108859032_SCool Spots

Sun & Beach dominiert weiterhin, macht ein Drittel des Reisevolumens aus. Aufgrund des Klimawandels verschieben sich jedoch die Reiseströme vom Süden in den Norden, also z.B. vom Mittelmeer (Algen, 40 Grad) hin in kühlere Bergregionen, etwa ins Salzkammergut. Aus Hot Spots werden Cool Spots – Skandinavien boomt, die Millennials fahren zum Baden nach Südschweden, zum E-Biken nach Norwegen. Trend-Destinationen wie Island limitieren bereits zwangsläufig die Besucherzahlen im Sommer (First come, first serve).

IMG_3754Die Millennials, reiseerfahren wie noch keine Generation vor ihnen, Erasmuserprobt und Asienaffin, sind volatile Zeitgenossen. Kurz und intensiv ist ihr Leitmotto,  Reisen wird immersiv, es geht um tiefe, multisensorische Erfahrungen.  Sie erwarten sich kuratierte Reise-Erlebnisse, von Algorithmen passgenau auf ihre Vorlieben und aktuelle Stimmung hin abgestimmt (durch z.B. Screening ihrer sozialen Netze, Tracking-Daten u.a.). Außergewöhnliche Erfahrungen (nicht Produkte) sind der Luxus von morgen – ein Retreat in Buthan, eine Expedition zu Königspinguinen auf Feuerland etc., Volunteering in einem Waisenhaus in Kambodscha usf. Persönliche Dienstleistungen (Face-to-Face) sind – in einer von Bots, Service-Robotern und Avataren bestimmten Dienstleistungskette – ebenfalls Premium und müssen extra bezahlt werden.

Lost Places

Die Very Experienced People (VEP’s) suchen bedeutungsvolle“ Geschichten, die ihrem Ego Prestige verleihen und möglichst viele Likes im Netz. Daher boomen die Lost Places wie Iran, Nordkorea, Laos. Zum Skifahren geht’s 2033 nach Georgien oder Nordkorea, für einen Edge of the world-Trip nach Sibirien (z.B. an den Vulkan Kamchatka), einmal noch auf die von Überschwemmung bedrohten Südsee-Inseln wie Tuvalu oder in die aufgelassene Bergarbeiterstadt Pyramiden auf Spitzbergen, die einen mit ihrer surrealen postindustriellen Kulisse inmitten der Arktis irritiert.

Pyramiden settlement at Svalbard, Spitzbergen

In einer von KI (Künstlicher Intelligenz) dominierten Welt, in der uns Taxidrohnen vom Airport in die Stadt bringen (z.B. in Abu Dhabi), in der wir von intelligenten Kissen in den Schlaf massiert werden, in der Spa-Anwendungen aufgrund von DNA-Analysen individuell zusammengestellt werden, in dieser vom Algorithmus durchkomponierten Customer Journey (wo auch der Sitznachbar im Flieger von KI nach Lifestyle-Affinitäten passend ausgewählt wird) sind diese Lost Places die letzten Orte, die Spannung versprechen. Orte, die das Unvorhersehbare, das Überraschende und das Magische als Urlaubsversprechen in sich tragen – ein kostbares Narrativ in einer – durch Profiling und Predictionlangweilig gewordenen Welt.

Die 4 T’s – Trendstädte von morgen

Dazu passen auch die Trendstädte von morgen – die 4 T’s: Teheran, Tirana und Trondheim und Tiflis (metaphorisch gemeint). Der Städte-Tourismus ist zwar weiterhin der große Wachstumstreiber, aber immer mehr rücken da die 2nd und 3rd Cities in den Vordergrund. Die großen Schwarmstädte (London, Berlin, NY, Singapur & Co) haben die Millennials ja schon xfach besucht, nun sind die Unbekannten dran: das quirlige Tirana an der Balkankante, Teheran, das mit außergewöhnlichem Street Style und atemloser Subkultur verblüfft (Öffnung zum Westen seit 2017), Trondheim, die brummende Festival-Stadt im Norden, Tiflis, das sich mit seinem aberwitzigen Nachtleben gegen den Verfall stemmt etc.

Winter Tehran  view with a snow covered Alborz Mountains on background

Viele Top-Marken unter den europäischen Städten sind hingegen derart von Asiaten überlaufen (bequem erreichbar durch ein dichtes Netz an High-Speed-Zügen und Low Cost Carriern), dass sie ihre Besucherströme massiv einschränken müssen. Living Museums wie Venedig und Dubrovnik sind nur noch mit 3-monatiger Online-Voranmeldung und VIP-Tickets zu besichtigen – wer einen Sundowner auf dem Markusplatz genießen will, muss dafür 190.000 Lire (=ca. 100 Euro) extra berappen, Italien ist ja 2025 aus der EU ausgetreten. Barcelona, Amsterdam und Hamburg, aber auch Städte wie Salzburg und Heidelberg sind in den Sommermonaten limitiert. Closed City.

altstadt_msEurope First: Während Europäer Südostasien (Vietnam, Kambodscha, Indonesien u.a.) bereisen, sind für die wachsende globale Mittelschicht (2033 immerhin weltweit 30% der Bevölkerung) Europas alte Städte ein Must. Vor allem die Chinesen wollen das Original sehen, die Historic Highlights machen was her in Zeiten der Fakes und Simulationen (vgl. Hallstatt-Kopie in China). Und ja: die Alpen sind künftig ein Winter-Prestige-Ziel für Chinesen, die ja kurz vor 2020 Skifahren als Sportfach in der Schule etabliert haben.

Die Vertikale als Destination

Wo die Welt immer kleiner wird und Metropolen durch Hyperloop und Co. zusammenrücken, gibt es nur noch zwei unentdeckte Flecken auf dem Globus, oben und unten. Die Vertikale wird zur Destination:

  • urban_lights_© Romolo Tavani - Fotolia_Weltraumflüge: werden kostengünstiger (60.000 US-Dollar bei UberSpace (Uber tritt inzwischen als integrierter Mobilitätsanbieter auf), sind aber immer noch nicht reif für den Massenmarkt)
  • Unterwasser: U-Boote sind die neuen Yachten der Ultra-Reichen; Unterwasser-Lodges und Unterwasser-Hotels in Asien und im Nahen Osten sind begehrte Destinationen.

Diese Nicht-Orte werden zu begehrten Orten und begehbaren Geschichten in 3 D, die das Kostbare weil Unerreichbare versprechen: Stille und Weltabgeschiedenheit. Und die so mehr als ein Streicheln des Ego garantieren.

AR_Verkehrsbüro_ Verkehrsbüro GroupAPA-FotoserviceHörmandinger_

Dieser Beitrag beruht auf einem Vortrag, den Andreas Reiter vor Kurzem anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Verkehrsbüro Group, des größten österreichischen Reisekonzerns, im Kunsthistorischen Museum in Wien gehalten hat (Credit Foto links: Verkehrsbüro Group/APA-Fotoservice/Hörmandinger)

In den Medien:

http://derstandard.at/2000057812799/Urlaubsreisen-heben-raketenmaessig-ab https://kurier.at/reise/reisen-der-zukunft-hyperloop-bis-weltraum/264.492.402
http://www.kleinezeitung.at/international/5219444/Weltraum-Hyperloop-Lost-Places_Wie-wir-in-der-Zukunft-reisen-werden
http://oe1.orf.at/player/20170523/474916
http://oe3.orf.at/stories/2844090/
https://www.arabella.at/podcast-feed/radioarabellawien/

Und ein Trailer des Verkehrsbüro zum Event:

 

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