Das Netz als öffentlicher Platz

Was in den letzten Tagen in Ägypten oder Tunesien passierte, ist bemerkenswert. Nicht nur aus demokratiepolitischer, sondern auch aus kommunikationstheoretischer Sicht. Die friedliche Revolution in Kairo oder Tunis, die darauf einsetzenden Demonstrationen in anderen arabischen Staaten sind undenkbar ohne die digitale Vernetzung über Web 2.0. Flash Mob hoch drei.

Die „Ära des sozialen Kontextes“ hat längst begonnen. Social Media gestalten nicht nur Branchen und Konsumverhalten um (etwa durch Empfehlungs- und Peer-Marketing, Open Innovation etc.), sondern brechen immer mehr auch verkrustete Strukturen in Gesellschaft und Politik auf. Soziale Netze sind offene Systeme, die sich ständig verändern. Und sie beruhen auf Transparenz und Interaktion. Demokratie, wirtschaftlicher Wohlstand (das Netz als Marktplatz) und offener Meinungsaustausch bedingen einander.

Bereits vor zehn Jahren hatten die Autoren des Cluetrain Manifests, dieser legendären Internet-Bibel, geradezu prophetisch festgestellt: „Es gibt keine Geheimnisse. Der vernetzte Markt weiß mehr als die Unternehmen über ihre eigenen Produkte. Und egal ob die Nachricht gut oder schlecht ist, sie erzählen es jedem.“ Das gilt natürlich auch für gesellschaftliche und politische Ideen. Das Internet ist der „öffentliche Raum des 21. Jahrhunderts“, sagte vor kurzem US-Außenministerin Hillary Clinton treffend.

Die „Schwarm-Intelligenz“ kommt den offenen Grundstrukturen der Netzwerk-Gesellschaft entgegen bzw. bricht starre, antidemokratische Systeme (zuletzt in Ägypten) auf. Das Netz kann von politischen Machthabern nur kurzfristig gestört (blockiert, zensiert etc.) werden. Langfristig aber steuert sich das Netz selbst, einem Vogelschwarm gleich.

Das Netz ist mehr als die Summe seiner Nutzer – Information ist der einzige Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt, und das in Echtzeit. Über Twitter erfahren Nutzer Meldungen, bevor diese von Nachrichten-Agenturen verbreitet werden. Google durchsucht seit kurzem das Web in Echtzeit, Informationen können so gleich nach ihrer Veröffentlichung gefunden werden.

Das Web wird immer mobiler, die smarten Handys weben die digitalen Netze dichter. Weltweit sollen in drei Jahren mehr Menschen mit mobilen Geräten ins Internet gehen als mit Stand-Computern. In Ländern wie Österreich macht die Markt-Penetration bei Smartphones in 2015 über 100 Prozent aus. Durch das Smartphone wird die Welt zu einer „begehbaren Datenbank“, zu einer großen digitalen Wolke.

Allein auf Facebook tummelt sich weltweit über eine halbe Milliarde Konsumenten, kollaborative Plattformen und Mikrobloggingdienste sind die hoch frequentierten Spiel- und Marktplätze der Digital Natives. Die Nutzer sind dank ihrer unzähligen Vernetzungen untereinander hervorragende Botschafter eines Produkts, einer Idee – oder aber deren Totengräber.


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