Urban Branding: Liveability als Grundmelodie

Der internationale Wettbewerb der Städte wird härter und erfordert eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Marke und des Produktes „Stadt“. Zu den „klassischen“  Erfolgsfaktoren der urbanen Erlebnisökonomie:

  • Attractions
  • Amenities
  • Access
  • Authenticity

addiert sich immer stärker die Lebensqualität als ausschlaggebender Standortfaktor. Nachhaltige Lebensqualität – in ihrer ökonomischen, ökologischen und sozialen Verschränkung – ist eine Querschnittsmaterie, sie verschränkt alle drei Zielgruppen einer Stadt (Bewohner, Touristen, Unternehmen). Nur dort, wo sich Einheimische wohl fühlen, tun dies auch die Besucher.

Viele Städte, allen voran die Metropolen der europäischen Champions League, spielen zwar perfekt auf der Klaviatur des Attraktions-Managements. Im Windschatten dieser Aufladung der Städte mit „coolen“ narrativen Erlebnisräumen entsteht jedoch kaum Differenzierung. Zu austauschbar sind die Landmarks (Museen, Brand Lands etc.) der globalen „Star-Architekten“, die Urban Lounges, City-Beaches usf. Eine repetitive Produkt-Semantik hat zu einer weitestgehenden Homogenisierung vieler Städte geführt.

Doch der Wind dreht sich. Moderne, experimentierfreudige Performer, reiseerfahrene Urbaniten suchen den echten Spirit einer Stadt, die authentische Begegnung mit Einheimischen, das „Live like a local-Gefühl“. Abseits der touristischen Ameisenstraße und bevorzugt in Hinterhöfen erkunden sie den vibrierenden Mikrokosmos Stadt, getreu dem Motto: Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Moderne Urbaniten interagieren mit dem  öffentlichen Raum, verstehen sich als „Einheimische auf Zeit“.  Diese  neue Generation von Kreativ-Touristen ist auf der Suche nach dem spezifischen Feel Good-Faktor einer Stadt, der Kreativität mit Green Lifestyle vermischt, lokale Authentizität mit nachhaltiger Innovation.

Lebensqualität ist natürlich nicht die Marken-Essenz einer Stadt, aber sie transportiert als Grundton – in ihrer jeweils unverwechselbaren Eigenart – entscheidend den Markenkern. (Nachdem ich bei vielen Beratungen von Städten und Städte-Destinationen immer wieder dieses Zukunfts-Thema fokussiere und bei den Auftragebern damit auf hohe Resonanz stoße, habe ich dazu auf der diesjährigen ITB einen Vortrag gehalten).

Die Positionierung als Liveable City erfordert die Attraktivierung städtischer Lebensräume unter nachhaltigen Aspekten, geht jedoch weit über das grüne „Marketing-Arsenal“ (wie Grünflächen, Entschleunigungs-Zonen, Green Buildings, E-Mobilität, Green Meeting etc.) hinaus.

Sie verlangt ein ganzheitliches Urban Setting (Verschränkung von ökologischen, urbanen und sozialen Faktoren) und muss sich auch in neuen Attraktionspunkten manifestieren. Die begrünte Hochschaubahn in New York als attraktiver, grüner innerstädtischer Catwalk ist etwa so ein Symbol oder auch die künftige (sensationelle) Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen, die das Architekturbüro BIG mit Skipiste! und leuchtender CO2-Rauchsäule kombiniert. Nachhaltigkeit hat eben auch einen ästhetischen Fußabdruck.

Links zum Thema:

Interview Andreas Reiter mit der Berliner Zeitung: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0226/reise/0196/index.html

http://www.deutschertourismusverband.de/presse/pressemitteilungen/aktuelle-pressemitteilungen/aktuelle-pressemitteilungen/article/stadt-als-touristische-marke-zwischen-kultur-und-authentischem-erlebnis.html

http://blog.austriatourism.com/itb-2011/

Interview Andreas Reiter mit Thorsten Keller beim Deutschen Städte- und Kulturforum in Aachen (Juni 2011): http://www.thorstenkeller-online.de/details.php?image_id=3382

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