Interactive City: Stadtraum ist inszenierter Lehr-Raum

ImageÜber die Creative City habe ich ja in diesem Blog schon mehrfach geschrieben. Unbestritten sind Kreativ-Szenen in einer Wissens-Gesellschaft ein ernstzunehmender Standortfaktor, sie sind häufig der Missing Link zwischen Produktion und Handel, sie beleben den öffentlichen Raum ebenso wie die Tourismus-Statistiken – und natürlich in erster Linie den Spirit einer Stadt. Keine Stadt kann es sich – im verschärften Standort-Wettbewerb – heute noch leisten, Kreative nicht zu bewerben. Wo Talente sind, da fliegen Talente zu.

Dennoch ist die Kreativwirtschaft („eines jener hochauflösenden Brausewörter der Innovation“, Die Zeit, 04.11.10) nur dann keine hippe Marketing-Seifenblase, wenn die Kreativen mit dem restlichen wirtschaftlichen Umfeld (Industrie, Gewerbe, Handel, F&E) strategisch intelligent verzahnt werden (wie etwa in Helsinki oder Barcelona) und dabei in Netzwerken auch neue urbane Raumqualitäten entstehen. Kreative jedoch als Sterbebegleitung von Leerstands-Flächen zu instrumentalisieren ist genauso ein Unsinn wie das Deklinieren des (längst überholten) Stadtmarketing-Mantras von „Talenten, Technologie und Toleranz“.

Eine Stadt hingegen als kreativen Hot Spot unter den Aspekten der Liveability, der Lebensqualität zu entwickeln, macht Sinn (dies erweist sich in unserer beraterischen Praxis jedenfalls immer wieder). Was Städte der Zukunft ausmacht, ist ihr interaktives Potenzial – je mehr Urbanität und Natur, je mehr Produktions- und Wissenskulturen konvergieren, desto höher der Output an Lebensqualität und Innovationskraft.

Passiver Stadt- und Szene-Konsum war gestern, Erlebnis- und Wissens-Produktion ist morgen. Die neuen Urbaniten wollen nicht mehr bloß (über Events etc.) konsumistisch unterhalten werden, sie basteln sich ihre Erlebnis- und Erfahrungsräume lieber selbst.

Ob Trendsportarten wie Street Boulder, Free Running oder Buildering, ob Urban Knitting, Skip Conversion oder andere künstlerische Transformationen öffentlicher und privater Räume – städtische Räume werden immer öfter aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und von den Jungen als Spiel- und Abenteuerspielplatz umfunktioniert. Der Münchner Eisbach als Hot Spot der Surfer, das weite Feld des ehemaligen Tempelhofer Flughafens, das seit nun zwei Jahren die Berliner ihre Freizeit neu erfinden und gestalten lässt, 61 schwarze Schiffs-Container im Londoner Shoreditch, die als weltweit erste Pop-up-Mall fungieren – der öffentliche Raum wird zum Spielgerät (z.B. Senior Playground in London), zum selbstironischen Zitat (z.B. Urban Gardening) oder eben auch zum narrativen Lehr-Raum.

Einen solchen – spannend inszenierten – Lehr-Raum findet man zur Zeit (wieder einmal) in Graz, der UNESCO City of Design. In Österreichs spritzigster Stadt erfährt man, im Rahmen des „Designmonat Graz 2012“, in interaktiven Formaten und in ungewöhnlichen Räumen wie der Kastner & Öhler Tiefgarage genussvoll mehr über städtische Esskultur. Etwa, wie das Essen in die Stadt kommt – „Gegessen wird…, was das Auto bringt. Aus dem Auto wird geholt, was gegessen wird“. Drive in! Drive Graz!

www.designmonat.at

http://www.oliverbishopyoung.co.uk/conversions.html

www.boxpark.co.uk

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