Slow Motion – was wir von Kopenhagen lernen können

Auf der Weltkarte des Glücks liegt diese Stadt seit Jahren ganz oben: Kopenhagen. Generell wird ja Dänemark in Studien (wie dem World Happiness Report) zum glücklichsten Land der Erde erklärt (zum Vergleich Österreich: Rang 13, Deutschland: Rang 30). Und glücklich sind auch die Bewohner der dänischen Hauptstadt – diese liegt nicht nur beim Green-City-Index an der Spitze, sie gehört auch zu den lebenswertesten Städten der Welt.

Lebensqualität und Wohlstand sind, wenn schon keine eineiigen Zwillinge, so doch Geschwister. Dies merkt man nirgendwo so stark wie in Kopenhagen (mit einem BIP von 56.000 Euro pro Kopf Europas reichste Stadt). Diese Stadt verkörpert schon heute all das, was begehrenswerte Städte von morgen leisten: eine Versöhnung von High Tech, sozialer Ökologie und entspanntem Lifestyle, eine „balanced city“ eben.

Städte, insbesondere Großstädte, sind vibrierende Zukunftslabors, in denen heute kreativ an den Lösungen von morgen experimentiert wird. Kopenhagen ist so ein Zukunftslabor, bis 2025 will die Stadt vollkommen CO2-frei werden. Dazu passt, dass bereits 50 Prozent der Einwohner mit dem Rad fahren, Dänemark europaweit ein Hot Spot der Windenergie ist, Eco-Lifestyle hier tief im Alltag verankert ist (kein Bäcker, der nicht Organic Bread in seinen Regalen hat, kein Brombeersaft, der nicht Fair Trade ist usf)…

Was mich an Kopenhagen jedoch am meisten anspricht, ist sein entspanntes Betriebssystem – es ist eine Metropole auf der Slow Lane. Ich kenne keine andere Großstadt, deren Bewohner derart unangestrengt und zufrieden sind, überall wuseln Kinder herum, Kajaks gleiten die Kanäle entlang, an der Waterfront sonnen sich die Bewohner zwischen den Glaskuben. Entspannt kutschieren Väter! und Mütter ihre Kinder auf dem Christiana Bike – eine legendäre Rad-Marke – durch die Stadt, überhaupt wird hier die Familie groß geschrieben (Angestellte, die nach 18 Uhr arbeiten, werden vom Chef schel angesehen), selbst in den Sozialbauten sind gemütliche Holztische im Garten aufgestellt, an denen die Nachbarn beim Abendessen zusammen sitzen.

Die Stadt ist relaxt bis zum Umfallen. Andere Städte wie Berlin, Barcelona oder London, ja selbst das dänische Aarhus mögen schräger, schneller und näher am Puls der Zeit sein, Kopenhagen jedoch ist einen Tick lebenswerter.

Dabei aber ist die Stadt hoch produktiv, Kopenhagen zählt zu einer der wachstumsstärksten Wirtschaftsregionen in Europa. Allein im Wissenschaftspark Medicon Valley arbeiten über 36.000 Beschäftigte, die Stadt ist Life-Science-Leader in Europa, bei den Patentanmeldungen für Biotechnologie liegt die Region auf Platz 1. Überhaupt ist die Øresund-Region zwischen Kopenhagen und Malmö ein Kraftfeld für Innovationen.

Kreative Branchen wie Design (die Nachfahren von Arne Jacobsen sind immer wieder für internationale Spitzenleistungen gut) und Architektur sorgen für eine erhöhte Betriebstemperatur in der Stadt. Mein persönlicher Favorit ist das junge Studio BIG Architects, das mit seinem terassenförmigen Wohnprojekt Mountain Dwellings dem neuen Stadtteil Ørestad seinen Stempel aufdrückt und demnächst eine Müllverbrennungsanlage mit Skipiste! vom Dach und leuchtender CO2-Rauchsäule kombiniert – Nachhaltigkeit bekommt hier einen ästhetisch-erlebnisorientierten Fußabdruck.

Hier, an seiner Peripherie, erfindet sich Kopenhagen neu. Ein Glücksfall für Europa.

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