Sharing Economy – die Beziehungswirtschaft wird erwachsen

CIMG5362Das ökonomische Gewebe verändert sich derzeit schleichend, aber nicht minder radikal. Neue Geschäftsmodelle entstehen, sie beruhen auf Teilen, auf Austausch von Gütern und (knapper werdenden) Ressourcen. Kollaborativer Konsum wird zur Grundmelodie der digitalen Beziehungswirtschaft und revolutioniert tradierte Geschäftsmodelle.

Die Sharing Economy beruht auf vier Pfeilern:

  • Werte-Wandel
  • digitale Vernetzung
  • Ressourcen-Effizienz
  • neues Status-Denken.

Werte-Wandel

Verhaltensbiologen wissen: der wahre Egoist kooperiert. Der Soziologe Ulrich Beck fand dafür den Begriff „altruistischer Egoismus“. In einer Netzwerk-Ökonomie streben die Marktteilnehmer – durchaus pragmatisch – eine Balance zwischen Ich und Wir an. Es zählt nur der langfristig zu den Gewinnern, der individuellen Profit mit kollektivem Nutzen verbindet. Nur wer gibt, wird auch bekommen.

Zudem hat die Welt mit ihrer Informationsflut eine extreme Komplexität erreicht, die wir nur gemeinsam reduzieren können, in unseren sozialen Verbänden und Netzwerken. Der Boom der Crowd Sourcing-Plattformen erklärt sich daraus, zum wechselseitigen Nutzen wird dort die Intelligenz der Masse angezapft. Unternehmen wie Starbucks, Nivea, Migros, Procter & Gamble, die Deutsche Post aber auch Industriekonzerne wie Bombardier u.a. laden ihre Kunden auf Plattformen ein, neue Produkte zu entwickeln. Open innovation ist kein Placebo, sondern die DNA der Netzwerk-Ökonomie.

Digitale Vernetzung

Die rasante Verbreitung mobiler Technologien wie Smartphones oder Tablets treibt die digitale Beziehungs-Wirtschaft künftig noch stärker voran. Der Zugang zu Produkten ist oft wichtiger als der Besitz. Die Access Economy hängt auch mit kurzfristigeren Konsum- und Produktionszyklen zusammen, Software wird aus der Wolke heruntergeladen, über Open Source-Kanäle werden Programme kollaborativ weiter entwickelt. Ob Cloud Computing oder Mobilität – entscheidend ist stets die Verfügbarkeit von Produkten on demand.

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Ressourcen-Effizienz

Soziale Geschäftsmodelle verknüpfen mobile Technologien (Apps, QR-Codes u.a.) mit nachhaltigen Werten. Neue flüssige Geschäfts-Modelle vermindern den ökologischen Fußabdruck und stärken lokale Gemeinschaften. So entstehen z.B. in der (zunehmend dezentralisierten) Energie-Wirtschaft über genossenschaftliche Beteiligungsmodelle kommunale Biomasseanlagen, Windparks usf. Die Plattform Parkatmyhouse.com vermietet Autofahrern private Parkplätze in Städten, bei tamyca (take my car) mietet man in der Nachbarschaft private Autos, die sonst tagelang nur unbenutzt rum stehen würden. Car-Sharing-Modelle wie car2go sind eine intelligente Lösung neuer Mobilitäts-Bedürfnisse. Nicht mehr der Besitz von Hardware ist gefragt, sondern bedarfsorientierte Mobilität.

Die Ökonomie der Nähe schont aber nicht nur Ressourcen. Sie greift korrigierend in bestehende Geschäftsfelder ein, etwa ins Kreditwesen. Crowd Funding-Plattformen bringen Investoren und Kreditnehmer zusammen, legendäres Beispiel ist die Pebble e-watch, eine mit dem Smartphone synchronisierbare Armbanduhr, für die auf Kickstarter über 10 Mio Dollar eingesammelt wurden. Statt sein Geld mit negativem Wachstum auf der Bank zu belassen, wird der Durchschnitts-Sparer zum Risikokapitalgeber, der in innovative Geschäftsideen investiert. Eine Studie der Deutschen Bank Research bescheinigt übrigens den Peer-to-Peer-Krediten ein „gemindertes Ausfallrisiko“ durch eine „vermenschlichte Kreditbeziehung“. Die Finanzierung von Start-ups glückt immer öfter über Crowd-Investment, und das nicht nur in der Kreativ-Wirtschaft.

Neues Status-Denken

Die Akteure kollaborativer Geschäftsmodelle sind eine kleine Konsum-Elite, die sich über spezielle Codes und Werte vom Mainstream differenziert. Man kann es sich eben leisten, im Urlaub nicht im Hotel zu wohnen, sondern in einem Privatappartement (das man über Anbieter wie airbnb, wimdu etc. mietet). Man ist schließlich selbst in einer fremden Stadt ein Eingeweihter, ein Local auf Zeit.

Menschen neigen anthropologisch dazu, sich von anderen unterscheiden zu wollen. Ein Produkt wird umso begehrenswerter, je exklusiver der Kreis der Auserwählten ist. Kennerschaft ist mindestens so wichtig wie die Kreditkarte, darin liegt der Luxus der Zukunft. „Teilen verhält sich zum Besitzen wie die Solaranlage zum Kohlebergwerk“, konnte man vor einiger Zeit in der New York Times lesen.

https://1000×1000.at/home                http://www.kickstarter.com/

Andreas Reiter dazu im Interview:

tt_nutzen_habenhttp://www.tt.com/Mobile/MobileTirol/5930676-42/konsum-mit-gutem-gewissen-nutzen-ist-das-neue-haben.csp

http://m.faz.net/aktuell/reise/ein-wochenende-in-wien-tut-s-noch-a-bisserl-sektieren-raet-der-graf-11650503.html

sharinghttp://diepresse.com/home/leben/mode/1342950/Renaissance-des-Teilens_Nutzen-als-neues-Besitzen?_vl_backlink=/home/leben/index.do

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Eine Antwort zu Sharing Economy – die Beziehungswirtschaft wird erwachsen

  1. Hagen Sexauer schreibt:

    Prima Beitrag, wie ich finde! Auch gibt es nun die erste Konferenz in Deutschland dazu. In Berlin im Mai 2013 – mehr unter http://inspirato.de/uebersicht-sharing-economy.html

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