Meet and eat – der Küchentisch als Glücksort

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Was macht das Glück des Menschen aus? – guter Sex, gutes Essen und fröhliches Gärtnern. Alle drei Tätigkeiten haben mit sinnlichem Genuss zu tun, wobei das gemeinsame Essen die schönste Verbindung zwischen diesen drei Genüssen ist. Und dieses Essen findet am wohl wichtigsten Platz der Wohnung statt: am Tisch.

Der Tisch liegt auf der Achse des Guten: Bett-Bad-Küche. Entlang dieser Achse verdichtet sich das private Leben, konzentrieren sich die Alltags-Rituale, all die kleinen und großen Momente und speziellen Gesten, zu denen der Mensch fähig ist.

tisch_1_Je unsicherer und unberechenbarer die Welt wird, desto leidenschaftlicher inszeniert der Mensch seine private Rückzugsfläche – die eigene Wohnung. Rundherum wird alles schneller, brüchiger, durchlässiger – Arbeitstempo, Lebensstile, Biografien. Dieses fluide Leben macht auch die Immobilie mobiler, nicht nur beim Wohnen auf Zeit (z.B. Boarding-Häuser, pop-up-Container etc.) – das Wohnen wird generell (wie so vieles andere auch) lebenszyklischer und passt sich veränderten biografischen Anforderungen an. Hybride Lebensmuster (bei denen z.B. Arbeit & Freizeit stärker verschwimmen) spiegeln sich in neuen fließenden Raumkonzepten: erst fiel die Grenze zwischen Küche und Wohnzimmer, dann die zwischen Badezimmer und Schlafzimmer, jetzt wachsen Indoor- und Outdoor-Bereich stärker zusammen – das Haus holt sich die Natur herein und umgekehrt (Vorreiter für die Innengestaltung sind hier übrigens, wie so oft, Design-Hotels, bei denen man sich als Gast Anregungen für Zuhause holt).

Wenn rundum alles in Auflösung ist, dann wird ein Platz in der Wohnung emotional besonders aufgeladen: der Tisch. Der Küchentisch steht für Erdung, für Behaglichkeit, für sozialen Genuss. Allem High-Tech-Equipment und smarten Induktions-Kochfeldern (die man natürlich gerne nutzt) zum Trotz – die Küche ist und bleibt ein Psychotop. Die Technik steht im Hinter-, das Wohlbefinden im Vordergrund. War seit den 1960ern der Fernseher das soziale Lagerfeuer, um das herum sich der Clan versammelte, so verlor dieser durch Internet und mobilen Medien-Konsum diese Funktion zunehmend. Heute bildet wiederum der Küchentisch diese magische Feuerstelle – keine App wird ihn je ersetzen können.

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Die Küche ist und bleibt die anthropologische Konstante in der nervösen Pop-up-Kultur des frühen 21. Jahrhunderts. Sie ist ein Firewall vor den Umbrüchen „da draußen“, ein sozialer Ort in einer Welt der „Nicht-Orte“. Gut, da ist auch noch das Bett, doch dieses ist anders besetzt: im Bett liebt man und regeneriert sich, taucht ein in ein Second Life, jenes der Träume und Alpträume. Der Küchentisch hingegen ist erdig wie nichts sonst, hier wird – gemeinsam – geschnipselt, genossen, geplaudert, hier wird gelacht und gestritten und über das Leben sinniert. Nirgendwo kann man sich zudem selbst so gut in Ruhe lassen wie hier, etwa beim Frühstück, hinter der Zeitung versteckt.

02_kekseDer Küchentisch ist aber nicht nur ein ritueller Platz für die Gestaltung sozialer Nähe, sondern auch eine Bühne für die Selbst-Inszenierung und die eigene (kochkünstlerische) Kreativität. Mahlzeit! Zu den Essenszeiten klettert der Affe vom Baum (oder wo immer er sonst steckt) und hockt sich erwartungsvoll zu seinesgleichen. Hm, lecker. Bei jedem Bissen werden Signale ans Gehirn ausgesandt wie: Die muss mich aber lieben (Liebe geht durch den Magen)! Life is uncertain. Eat dessert first!… Wir haben mehr Stil als die behaarten Typen vom Nachbarstamm (und einen besseren Geschmack), sonst würden wir ja nicht zum Macadamia Nussöl greifen oder zum Bambussalz, oder?… Wie auch immer – wer so zufrieden kauend mit seinen Liebsten um den Tisch sitzt, ist vom Glück nur einen Tellerrand entfernt.

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Dieser Beitrag beruht auf Statements von Andreas Reiter in der jüngsten Gesprächsrunde WOHNEN, KOCHEN & ESSEN IM MORGEN – Gemeinsam an einem Tisch – im Rahmen der stuben21:gespräche, einer inspirierenden Reihe von Miele (www.miele.at) und stuben21 in der Miele Galerie in Wien.

Medien: http://www.falstaff.at/gourmetartikel/in-zukunft-denkt-der-kochtopf-fuer-uns-9315.html

Den Tisch zum Thema gestaltet stuben21, eine Wiener Design-Manufaktur, die die Küchenstube – klar und unangestrengt – in die Moderne übersetzt und für ihre internationale Kundschaft spannend neu adaptiert. http://www.stuben21.com

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4 Antworten zu Meet and eat – der Küchentisch als Glücksort

  1. Schellhorn, Sepp schreibt:

    Grossartiger blog!!!!
    Txs und noch schönen tag

    Von meinem iPhone gesendet

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  2. Andreas Reiter schreibt:

    Danke dem Küchen-Zampano!

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  3. Dorli Muhr schreibt:

    HAllo Andras, kommst Du zum Weinachtel am Dienstag?? lg Dorli

    Dorli Muhr WINE&PARTNERS Peter-Jordan-Straße 6/3 1190 Vienna AUSTRIA T: +43 1 369 79 900 F: +43 1 369 79 909 M: +43 664 180 40 39 d.muhr@wine-partners.at http://www.wine-partners.at

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