Vertical Living – die hängenden Gärten von Singapur

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Die Zukunft wird in den großen Städten entschieden. In einer urbanisierten Welt, die auf Verdichtung und Konzentration angewiesen ist, wird städtische Lebensqualität künftig neu definiert. Natur und Architektur, Ökologie und Technologie verschmelzen dabei mehr denn je, das Idealbild der Stadt von morgen ist jenes der „Balanced City“, in der die Grenzen zwischen Urbanität und Natur, zwischen Vertikale und Horizontale verwischen.

Die Renaturierung der Städte hat gerade erst begonnen. Keine Metropole zeigt darin eine derart strategische Weitsicht und eine so beiläufige Meisterschaft wie Singapur, internationaler Finanz- und Industrie-Standort. Natürlich gibt es auch andere Green Cities, allen voran Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt ist unbestritten Vorreiter der grünen Stadtentwicklung und setzt – zumindest für Europa – Maßstäbe für urbane Lebensqualität: die Stadt von morgen ist slow (Radfahren, zu Fuß-Gehen statt Autoverkehr), CO₂-neutral und holt sich die Natur zurück (z.B. vertikale Gärten, die an Häuserwänden hochklettern, Terrassenanlagen u.a.). Allerdings: Kopenhagen ist relativ klein im Vergleich zu anderen Großstädten oder gar Mega-Cities und taugt daher als Blaupause nur bedingt.

green_wall_Die globale Garden City, die Stadt im Garten, ist freilich Singapur. Die asiatische Metropole ist – mit 7.500 Einwohnern pro Quadratkilometern – eine der am dichtesten besiedelten Städte der Welt. Mangels Platz zum Ausdehnen in die Breite schraubt sich die Stadt (5,3 Mio Einwohner) zwangsläufig (und naturgemäß) in die Höhe. Die hängenden Gärten bestimmen ihr Erscheinungsbild. Der vertikale Dschungel markiert die DNA von Singapur.

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Ikonische Gebäude wie das Parkroyal Hotel kultivieren die Idee der hängenden Gärten: tropischer Urwald, der die Fassaden herabwuchert, sattgrüne Terrassenplantagen auf dünnen Betonstelzen. Überall in der City wachsen Green Walls empor, grüne Lungen zwischen den Bürotürmen des Finanzdistrikts. Dazu Dachgärten (in Asien keineswegs selbstverständlich), über das Stadtgebiet sind großzügig Parks verstreut (über 80 Prozent der Haushalte liegen im Umkreis von 400 Metern eines Parks), 5000 Hektar Grünfläche, auch zwischen den vielen kommunalen Wohnblöcken erstreckt sich sattes Grün. Als Symbol für die Gartenstadt Singapur wachsen die Super Trees in den Himmel, die 50 Meter hohen Bäume im Park Gardens by the Bay mit ihren abendlichen, wundersam inszenierten Licht-Spektakeln, leuchten in die Zukunft.

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Singapur, Business-Hub mit dem dritthöchsten Bruttoinlandsprodukt weltweit und einem um 40% höheren Lebensstandard als der EU-Durchschnitt, hat die letzten Jahre über konsequent in seinen MarkenkernInnovation und städtische Lebensqualität – investiert. Smarte Umwelt-Technologien, hochwertige Verkehrsinfrastruktur: effiziente, günstige öffentliche Verkehrsmittel (super Verzahnung Metro und Busse), ein agiles Verkehrs-Management – elektronische City-Maut (bereits seit 1975!), demnächst ein Satelliten-gestütztes Mobility Pricing, das die aktuelle Verkehrslage berücksichtigt, der Individualverkehr ist ohnehin weitgehend durch hohe Auflagen beschränkt (ein Autokauf erfordert eine Berechtigung für zehn Jahre, ein solches Zertifikat kann schnell 50.000 Euro kosten). Ausbaufähig hingegen sind die Fahrradwege, hier liegen andere asiatische Großstädte wie Tokio oder Kyoto weit voran.

IMG_0791Singapur ist – dank seiner Küstenlage, aber auch dank seiner vielen hängenden Gärten – gut durchlüftet und für den Klimawandel gerüstet. Mit der konsequenten Entwicklung in die urbane Lebensqualität erhöht die Stadt ihre Attraktivität im globalen Standort-Wettbewerb.

water_park_Und gerade eine brummende Wissens-Metropole ist künftig mehr denn je auf junge Talente angewiesen, will sie in den Schlüsselbranchen der Zukunft (Life Science, Logistik etc.) vorne mitspielen. Damit der Werbe-Claim Singapurs auch morgen noch sein Versprechen einlöst: „See where the world is heading“.

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