Erfolgsfaktoren für Regionen

Je mehr die Globalisierung zunimmt, je mehr Produktion und Wissen arbeitsteilig quer über die Kontinente organisiert werden, desto mehr wird die Region zur Projektionsfläche von Sehnsüchten und Strategien, sie bedient Rückzugsphantasien (Small is beautiful) ebenso wie ökonomische Entwicklungs-Potenziale.

Die Kluft zwischen Stadt und Land, zwischen Gewinner- und Verliererregionen wird größer. Im Wettbewerb der Regionen verliert die Peripherie, dafür gewinnen insbesondere Stadt-Regionen mit einer effizienten Infrastruktur, die logistische Prozesse optimiert und Investoren wie auch qualifizierte Arbeitskräfte anzieht.

Standorte ohne spezielle Profilierung sind weitgehend austauschbar, daher hängt der Erfolg einer Region in erster Linie ab von der Entwicklung bzw. Differenzierung regionaler Kompetenzfelder. Kulturelle Diversität (bunte Milieus, Ethno-Mix, Subkultur etc.) heben die Attraktivität einer Region, effiziente Netzwerke fördern ihr Innovations-Potenzial (divergente Akteure sind meist bessere Problemlöser).

Regionen müssen ihre Anpassungs-Geschwindigkeit erhöhen, denn die Veränderungs-Zyklen werden kürzer, die Systeme insgesamt volatiler. Gerade die demografische Ausdünnung (Alterung, Abwanderung der Talente) macht oftmals eine auch räumliche Re-Organisation erforderlich (Fusion von Kommunen, Bildung von Großregionen etc.), schließlich gehen heutige räumliche Verwaltungseinheiten oft auf historische Konzeptionen zurück, die modernen Anforderungen nur mehr selten entsprechen. Diese Umstrukturierung von regionalen Räumen, allenfalls verbunden auch mit einem Rückbau, muss fair gemanagt werden (z.B. gerechter Lastenausgleich zwischen Wachstumszentren und strukturschwachen Gebieten).

Wie kann sich eine Region angesichts dieser drohenden Risiken dennoch erfolgreich aufstellen, wie kann sie ihre „Resilienz“, also ihre Widerstandskraft erhöhen?

In einer Wissensgesellschaft ist die wichtigste Herausforderung die Steigerung des regionalen Brutto-Mental-Produkts. Das Gold in den Köpfen der Bevölkerung zu heben muss vorrangige Aufgabe der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft sein. Die (Weiter-) Qualifizierung der Menschen vor Ort muss während des gesamten Lebenslaufs (Lebenslanges Lernen) gewährleistet sein. Flexible, modulare Qualifizierungs-Angebote sind hier ebenso notwendig wie eine Differenzierung der Bildungslandschaft gemäß den regionalen Kompetenz-Feldern.

Dem demografischen Wandel kann nur durch einen Strategie-Mix aus qualifizierter Zuwanderung, einer neuen Kultur der Arbeit im Alter (Silver Work) sowie einer steigenden Erwerbsquote von Frauen aktiv begegnet werden. Eine Zukunftsregion zeichnet sich durch eine hohe Erwerbstätigkeit der Frauen und dies bei einer wachsenden Kinderzahl aus (siehe Skandinavien). Die Qualifikation von Frauen nimmt seit Jahren signifikant zu. Um ihre Kompetenzen für den regionalen Arbeitsmarkt zu nutzen, müssen Regionen – im Verbund mit der Wirtschaft – familienfreundliche Spitzenleistungen erbringen. Dazu gehören flächendeckende Kinderbetreuung (auch unter 3-Jähriger), flexible, an den individuellen Bedarf angepasste Arbeitszeiten, leistbarer Baugrund für junge Familien usf.

Die erfolgreiche Region der Zukunft investiert (wie ein Unternehmen) vorausschauend in ihr Talente-Marketing. Denn gerade (hoch-)qualifizierte Mitarbeiter sind meist sehr mobil und aufgrund ihrer Qualifikationen vielerorts umworben. Diese Talente anzuziehen bzw. an die (Wirtschafts-)Region zu binden, ist daher von höchster Bedeutung für die Absicherung des Standorts.

Andreas Reiter hielt kürzlich einen Vortrag zur „Region der Zukunft“ am Abend der Regionen im Phaeno in Wolfsburg: http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/7534512/artid/14383814

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