Future Mountain

Die Alpen sind – mit 460 Millionen Nächtigungen pro Jahr – eine der meist inszenierten touristischen Spielwiesen der Welt und damit Projektionsräume in 3D für die Sehnsüchte von Millionen Touristen.  Doch die Alpen sind in den Wechseljahren:

  • Klimawandel: Steigende Schneegrenze (Schneesicherheit über +1.500 Meter), Konzentration der Skigebiete (nur eine Handvoll Mega-Destinationen bleibt wettbewerbsfähig). Die große Chance der Zukunft liegt in einer Neu-Inszenierung der Sommer-Frische: die kühlen Mittel-Gebirgslagen werden künftig im Sommer attraktiver als die heißen Mittelmeer-Destinationen.
  • Ethno-Diversität: neue kulturelle Quellmärkte erfordern Diversität in der Angebots-Gestaltung (z.B. Regen-Packages für arabische Gäste).
  • Greying Society: im alten Europa steigt die Zahl der über 60-Jährigen bis zum Jahr 2030 um fast 40 Prozent. Die ergrauenden Baby Boomer inszenieren ihre ewige Jugend lebenslänglich. Soft Sportsund hybride Produkte nehmen zu, die Spaß und Convenience – zentrale Leitwerte der Best Ager – verbinden.

Die Berge werden stärker thematisch filettiert und als Lifestyle-Marke positioniert. Eine klare Segmentierung in Hot Spots und „Hidden Places“ abseits des Mainstreams, in Ballermänner und Natur-Parks zerteilt in Zukunft die touristische Gebirgs-Landschaft. Hier die touristische Ameisenstraße, dort hochwertige Nischenprodukte rund um die Kern-Themen Genuss, Adrenalin, Entschleunigung und Selbstfindung.

Für die Zukunft gilt: die Outdoor-Aktivitäten polarisieren sich stärker: in Hardcore-, Hybrid und Soft Sports.

Hardcore-Sportarten spiegeln einen Teil des gesellschaftlichen Wertesets wider: Fitness, Power, Geschwindigkeit – die darwinistischen Symbole der Nonstop-Gesellschaft: survival of the fittest. Die Adrenalin-getriebenen Sportarten am Berg (High Lining, Bouldern, Cross Mountain Biking, River Bugging etc.) werden von jungen Lead Usern und – scheinbar ewig jungen – Best Agern kultiviert. Adventure-Resorts wie die Ötztaler Area47 sind hier starke, weil verdichtete Attraktionspunkte.

Hybrid-Sportarten: In einer hybriden Gesellschaft, in der jegliche Grenzen aufweichen, vermischen sich auch im Sport paradoxe Produkt-Elemente. Cross Sports wie Slack Lining, Free Running, Mountain Boarding u.a. werden in einen verfremdeten (räumlichen) Kontext eingebunden. Aeralisten wie Dean Potter sind Vorreiter einer neuen Hybrid-Kultur am Berg – der weltbeste Highliner ist auch als Kletterer eine Instanz.

Soft sports: Steigendes Gesundheits-Bewusstsein und Genuss am reinen Erlebnis in der Natur tragen zu einem Boom der weichen, naturnahen Aktivitäten bei. Wandern, Orienteering, Nordic Sports etc. werden verstärkt praktiziert.

Eine stringente Convenience-Semantik bestimmt künftig die Produkt-Kultur. Ob E-Bike oder Fun-Tools wie der zusammenklappbare Bergroller GAMS, ob elektronische Rollbänder vom Hotel zum Lift, ob Fast Lanes an der Seilbahnstation für Premiumkunden oder Apps für Outdoor-Adventures – die gesamte Prozesskette einer Destination wird optimiert.

Der Massen-Tourismus in den Bergen hat seine postpubertäre Phase hinter sich. Die Fun- und Adventure-Inszenierungen werden reifer, die Natur wird konservierend in Szene gesetzt. Der Berg von morgen wird – an ausgewählten Kontaktpunkten – mit Landschafts-Skulpturen „möbliert“ und mit starken Mythen bespielt. Die Berge werden mehr denn je zu Kraftplätzen und über Clean Sports erlebt.  In einer ausgebrannten, alternden Gesellschaft ist nicht mehr Adrenalin das primäre Markenversprechen der Berge, es geht vielmehr um Authentizität und Inspiration auf hohem Niveau.

Andreas Reiter hielt letzte Woche über die „Zukunft des Alpin-Tourismus“ beim International Mountain Summit in Südtirol einen Vortrag.

Links:

http://www.kunsthaus-bregenz.at/horizonfield

http://www.area47.at

http://www.youtube.com/watch?v=fiWmQgcmVms

http://www.gams-sports.com

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